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Mitten in der Wildnis malt sie ein Bild nach dem anderen

Künstlerin Vivian Suter blieb 1982 auf einer Reise in Guatemala im Dschungel hängen. Fast wäre sie verarmt – doch dann wurde sie berühmt.

«Ich werde nervös, wenn ich ein paar wenige Tage nicht arbeiten kann»: Die Malerin Vivian Suter in ihrem Freiluft-Atelier. Foto: Flavio Karrer
«Ich werde nervös, wenn ich ein paar wenige Tage nicht arbeiten kann»: Die Malerin Vivian Suter in ihrem Freiluft-Atelier. Foto: Flavio Karrer

Sie sitzt auf einem niederen Schemel und lauscht dem Sprechgesang des Schamanen. Die flachen Hände, an denen blaue und grüne Farbreste kleben, hat sie zwischen die Knie geklemmt. Sie schaut gebannt nach vorn. Vor einigen Minuten sagte sie noch: «Das muss man gesehen haben.»

Jetzt greift der Schamane nach einem Suppenlöffel, taucht ihn in einen Kübel voll bernsteinfarbener Krümel und streut diese in eine Schale, in der Kohle glüht. Es zischt. Der Schamane schwenkt die Schale, und in den aufsteigenden Rauchschlieren erscheint eine zwergenhafte Gestalt, halb Mensch, halb Puppe, mit hölzerner Maske. Im Mund der Maske steckt eine Zigarette der Marke Pine. Auf magische Weise wird der Rauch der Zigarette ins Innere der Gestalt gezogen. Hin und wieder kippt ein zweiter Schamane die Gestalt nach hinten, zieht die Zigarette zwischen den hölzernen Lippen hervor, drückt sie liebevoll in einen Aschenbecher, greift zu einer Flasche Schnaps, dreht den Deckel ab, legt der Gestalt eine Serviette ans Kinn und schüttet etwas Alkohol ins Innere. Genauso wie der Zigarettenrauch zuvor verschwindet auch der Alkohol im Körper der Gestalt, hinter rosa, türkis und hellblauen Foulards, nirgends im Stoff steigt Rauch auf, nirgends tropft Alkohol auf den Boden.

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