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Nur im Kopieren war er der Beste

Der Holländer Robert Driessen fälschte 1300 Giacometti-Werke. Nun wird ihm der Prozess gemacht.

«Wer meint, für 20'000 Euro einen Giacometti zu kriegen, verdient es, betrogen zu werden.» Robert Driessen im Stuttgarter Gericht.
«Wer meint, für 20'000 Euro einen Giacometti zu kriegen, verdient es, betrogen zu werden.» Robert Driessen im Stuttgarter Gericht.
Keystone

Jahrelang sass Robert Driessen in einer thailändischen Strandbar, trank Weisswein und stilisierte sich zu einem grossen, verkannten Künstler.

Jetzt sitzt er in einem Stuttgarter Gefängnis und wartet auf die Strafe für seine Kunst. Der Prozess hat diese Woche begonnen. Die Anklagepunkte: bandenmässiger Betrug und Urkundenfälschung.

Der 56-Jährige rühmt sich selbst als «einen der erfolgreichsten Kunstfälscher der Welt». Seine Spezialität waren Giacometti-Skulpturen, etwa 1300 davon hat er gegossen.

Der Holländer startete jung. Mit 16 zog er von zu Hause weg. Geld verdiente er mit Malen. Seine Spezialität: Grachten, Windmühlen und Boote im Heimatstil. Bald imitierte er holländische Meister, später Expressionisten. Der Absatz stimmte, nur seine eigenen Bilder wollte niemand.

In den 80er-Jahren konnte sich Driessen eine riesige Villa und einen teuren BMW leisten. Bald pröbelte er mit dem Giessen von Bronze. 1998 kopierte er die erste Giacometti-Skulptur. Davor hatte er den Stil des Schweizer Bildhauers genau studiert. «Ich liebte es, Giacomettis zu machen», sagte Driessen später. Schwierig sei das nicht. Lange, dünne Figuren und eine krümelige Oberfläche, viel mehr brauche es nicht.

Alberto Giacometti (1901–1966) machte es Driessen auch sonst leicht. Nirgends hatte der heute gefragteste Bildhauer der Welt notiert, wie viele Figuren er herstellte. Es gibt kein abschliessendes Werkverzeichnis. So konnte Driessen Plastiken erfinden und sie als Originale ausgeben.

Den Vertrieb besorgten ein Kunsthändler aus Mainz und ein ehemaliger DDR-Lokführer. Dieser gab sich als «Graf von Waldstein» aus. Giacomettis Bruder Diego sei sein Freund gewesen, log der falsche Graf. Diego habe ihm zahlreiche unbekannte Werke seines Bruders anvertraut.

Ahnungslose Reiche glaubten die Legende und stürzten sich auf die Fälschungen. «Wer meint, für 20'000 Euro einen Giacometti zu kriegen, verdient es, betrogen zu werden. Die Kunstwelt ist verrottet», sagte Driessen.

Der Erfolg machte das Trio unvorsichtig. Als sie versuchten, 300 Skulpturen für 50 Millionen Euro zu verkaufen, benachrichtigten Galeristen die deutsche Polizei. Nach versteckten Ermittlungen wurden Driessens Komplizen verhaftet. Er war 2004 nach Thailand ausgewandert. Dort konnte ihm die deutsche Justiz nichts anhaben. Driessen empfing Journalisten, prahlte mit seinen Fertigkeiten. Im Herbst 2014 flog er von sich aus nach Holland, wo man ihn sofort verhaftete.

Vor Gericht gibt er sich reuig. Von den acht Millionen, die seine Werke einbrachten, habe er kaum etwas bekommen. Driessen fürchtet wohl eine hohe Strafe. Seine Gefährten wurden zu sieben und neun Jahren Gefängnis verurteilt.

Über 800 Driessen-Giacomettis haben die Behörden bis heute sichergestellt und eingeschmolzen. 500 Statuen bleiben im Umlauf. Fast so viele, wie Giacometti selbst gefertigt hat.

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