Offener Blick, sengende Hitze

Wie die Fotografin Grace Ekpu in der glühenden Hölle von Lagos überlebt, der riesigen, gefährlichen Stadt.

Sie rät jungen Fotografinnen, ihrer Leidenschaft nicht des Geldes wegen nachzugehen: Grace Epku. Foto: PD

Sie rät jungen Fotografinnen, ihrer Leidenschaft nicht des Geldes wegen nachzugehen: Grace Epku. Foto: PD

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Man sieht ihr nicht an, was sie täglich durchlebt, zumindest nicht auf den Bildern, die von ihr im Netz zu sehen wird. Der Blick von Grace Ekpu wirkt unbeeindruckt, allenfalls ein wenig lebensironisch. Sie trägt Hornbrille und Rastalocken, eine humorvolle Kombination. Das sind alles keine schlechten Eigenschaften, denkt man sich, ohne die genauen Lebensumstände von Frau Ekpu zu kennen. Aber wahrscheinlich kann man Gelassenheit, Ironie und sonstigen Humor gebrauchen, wenn man in Lagos lebt.

Die grösste Stadt Afrikas, ein Wirtschaftszentrum des Kontinents, hat 22 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Die Stadt wird täglich grösser und jährlich heisser. Der Verkehr staut sich täglich zwischen dem Festland und der grossen Insel, wo viele der Firmen angesiedelt sind. 40 Grad Celsius bei einer hohen Luftfeuchtigkeit sind für die Küstenstadt nicht aussergewöhnlich. Und das im Januar.

Weil aber die wenigsten sich eine Klimaanlage leisten können und die Stadt unter häufigen Stromunterbrüchen leidet, vor allem nachts, haben die Bewohner nur eine Alternative: entweder einen Generator betreiben, der weiteres CO2 in die Atmosphäre stösst – oder schlaflos in der Hitze liegen im Wissen, dass der nächste Tag keine Linderung bringen wird. Kühler wird es hier nur zur Regenzeit.

Grace Ekpu hat es insofern leichter als andere, als sie sich einen Generator leisten kann und in einem gekühlten Auto herumfährt. Sie hat es schwerer, weil sie als Fotografin und Journalistin unterwegs ist. Dabei ist Lagos eine der gefährlichsten Städte Afrikas mit einer hohen Strassenkriminalität, die nicht selten zu Toten führt. Aber Ekpu will es nicht anders haben. Die Leute, die sie auf der Strasse trifft, gäben ihr Energie, sagt die 28-Jährige im Interview mit dem Virtual Museum Art635.

Sie fotografiert mit dem Handy

Das Museum hat sie als Siegerin eines Nachwuchswettbewerbs ausgezeichnet. Die Fotografin gewann mit einer Arbeit über Cynthia Ogunsemilore, einer Boxerin aus einem der ärmsten Quartiere von Lagos, die buchstäblich im Dreck aufwuchs und auf der Strasse trainiert. Sie hofft, Nigeria in Tokio an den Olympischen Spielen von 2020 zu vertreten.

Ekpus Lieblingskamera ist ihr Handy. Damit nämlich, sagt sie, falle sie am wenigsten auf. Am liebsten fotografiert sie junge Strassenbewohner, manche in unüblichen Posen, andere entspannt am Strand. Bevor es zum Bild kommt, muss verhandelt werden. Oft geht es um Geld, dann wieder darum, das Vertrauen der jungen Männer zu sichern. Immer wieder droht Gewalt, schon deshalb hat Grace Ekpu nie eine teure Kamera dabei.

Sie hat in Lagos Massenkommunikation und Medienmanagement studiert und dabei realisiert, wie sehr sie das Fotografieren liebt. Obwohl sie im Studium gelernt hat, mit Photoshop umzugehen und Bilder bis zur Perfektion nachzubearbeiten, ist sie von der Methode abgekommen.

Von der Interviewerin um ihre besten Ratschläge für angehende Fotografinnen und Fotografen gebeten, gibt sie unmissverständliche Antworten. Erstens: Hände weg von Photoshop. Zweitens: Fotografiere nicht des Geldes willen. Denn du wirst nur enttäuscht sein und deinen Beruf nach wenigen Jahren aufgeben müssen.

Erstellt: 03.07.2019, 18:05 Uhr

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