Sagen Sie nie: «Mein Kind könnte das auch!»

Zwölf Tipps für Ihren Auftritt an der Art Basel – wie gelingt der Smalltalk und wann ist Zeit für Champagner oder eine Bratwurst.

Machen Sie unbedingt ein Selfie: Stylist Clifford Lilley mit den Art-Stammgästen Eva und Adele. Foto: Niels Ackermann/Lundi 13

Machen Sie unbedingt ein Selfie: Stylist Clifford Lilley mit den Art-Stammgästen Eva und Adele. Foto: Niels Ackermann/Lundi 13

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Die Art Basel öffnet fürs Publikum am 16. Juni. Hier sind zwölf Tipps für den Besuch:

1. Was ziehe ich an?

Eine Kunstmesse kennt keinen offiziellen Dresscode. Dank der Gäste aus dem Ausland, darunter gut aussehende Galeristen aus Mailand in eng geschnittenen Anzügen oder nonchalant gekleideten-Pariserinnen mit duftenden Haaren, ist das Niveau aber so hoch wie bei keinem anderen Schweizer Grossanlass. Tragen Sie trotzdem keine hohen Absätze. Ihr Rücken wird es Ihnen danken. Falls Sie auf Turnschuhe setzen, wird es sich lohnen, kein weisses Stan-Smith-Modell von Adidas einzupacken — den Turnschuh tragen mittlerweile auch 60-jährige Musiklehrerinnen. Und nehmen Sie ja keine Clutch mit. Sie brauchen freie Hände fürs Winken, die Kataloge und die Champagnergläser.

2. Ich habe keine Ahnung von Kunst. Wie gelingt mir der Smalltalk?

Entspannen Sie sich. Auch Kunstexperten wissen manchmal nicht, warum ein Stück Holz als Kunst durchgehen soll. Aber sie sind geübter darin, ihre Ratlosigkeit hinter Wortkapriolen zu verbergen. Akzeptieren Sie, dass ein Künstler den Mut hat, einen mit Steinen gefüllten Plastiksack auf den Boden zu legen. Wenn Sie den Galeristen vor unverständlichen Werken antreffen, sagen Sie einfach «nice» «interesting» oder «I like this work!». Damit liegen Sie nie falsch. Mit Sätzen wie «Mein Kind könnte das auch!» oder «Das erinnert mich irgendwie an Picasso!» machen Sie sich nicht beliebt.

3. Ich hasse die oberflächliche Kunstszene. Wie mache ich mich bewusst unbeliebt?

Betreten Sie eine Vernissage oder einen Messestand, und fragen Sie den Galeristen laut, wo die Toilette sei oder ob jemand Kokain dabei habe. Zitieren Sie mit Absicht die unverständlichen Sätze aus dem Beschreibungstext des Kunstwerks, die ein unfähiger Galeriepraktikant verfasst hat.

4. Wie stelle ich mich in der Kunstszene adäquat vor?

Nennen Sie Ihren Vornamen. Das wirkt geheimnisvoll. Könnte ja sein, dass Sie einen berühmten Nachnamen haben. Wenn Sie von anderen Leuten sprechen, benutzen Sie auch deren Vornamen. Das klingt intim.

5. Welche Vornamen aus der Kunstwelt muss ich kennen?

«Sam» (Samuel Keller, ehemaliger Art-Basel-Chef und Chef der Fondation Beyeler), «Hans Ulrich» (Hans-Ulrich Obrist, ein Kurator, der alles kuratiert) sowie «Pierre» und «Jaques» (Pierre de Meuron, Jaques Herzog, die Architekten, die die Messe Basel und viele andere Basler Kunstinstitutionen gebaut haben).

6. Wie viel Alkohol darf ich trinken?

So viel wie nötig, so wenig wie nötig. Ein Glas Champagner ab elf Uhr morgens weckt den Geist und hält Sie, alle zwei Stunden nachgefüllt, wach.

7. Kann ich Kunst kaufen, auch wenn ich kein 3-Millionen-Franken-Budget habe?

Selbst wenn Sie das Geld hätten, könnten Sie nichts kaufen. Sie brauchen schon wie Brad Pitt oder bekannte Sammler die Möglichkeit, sogenannte Pre-Pre-View und Pre-View-Einladungen, damit Sie in Ruhe Kunst kaufen können. Wenn am Mittwoch die Art offiziell für das gemeine Volk eröffnet, ist die interessante Ware weg. Wenn Sie ein kleineres Budget haben, gibt es aber trotzdem Möglichkeiten zu investieren: An der «Liste» die parallel zur Art stattfindet, gibt es Werke von jüngeren Künstlern. Da sind durchaus Sachen für 15'000 Franken zu haben. Die armen Schlucker, also der allergrösste Teil von uns, wird an der «I Never Read» am glücklichsten: Das ist eine Messe in der Kaserne, wo man Fanzines, Zeichnungen, und Drucke im zweistelligen Bereich erstehen kann.

8. Wo sind nach der Messe die interessantesten Leute zu finden?

Aufregend sind Partys oder Dinners, die Galeristen ausrichten. Dort lernt man Künstler und Sammler kennen, für die man als Journalist sonst jahrelang auf ein Interview wartet. Wer auftaucht, weiss man nie, die Einladung für ein solches Dinner flattert erst zwei Tage vorher ins Haus. Um eine ebensolche zu erhalten, sollte man von Kindheit an eine enge Freundschaft mit einem Galeristen pflegen.

9. Ich kenne leider keinen Galeristen. Wo kann ich dann hin?

Trinken Sie ein Uelibier, und essen Sie eine Bratwurst vor dem Warteckareal, wo die «Liste» stattfindet. Entspannt trinken lässt es sich auf dem Hafenareal, wo mit der Landestelle oder der Marina Basel eine alternative Gastroszene entstanden ist. Auch beliebt ist die neue Bar Renée (Klingental 18) sowie das Volkshaus Basel (Rebgasse 12–14). Weitere Hotspots: das Restaurant Boxclub beim Marktplatz des Zürcher Gastronomen Sami Khouri (Reservation unter +41 76 596 82 62) oder das Restaurant Rhyschänzli, das sich während der Art in der Galerie von Bartha einmietet.

10. Ich bin Single. Wo kann ich flirten?

Als Frau: im Garten des Restaurants Kunsthalle beim Tinguely-Brunnen lauern bis spätabends angetrunkene Galeristen. Als Mann: in der neuen Galerie von Jean-Claude Freymond-Guth verkehren wunderschöne Künstlerinnen und Galerieangestellte. Täglich gibts Barbetrieb.

11. Welche Promis kommen dieses Jahr?

Bestätigt ist Starautor Douglas Coupland, der im Rahmen eines privaten Anlasses in der Art Collectors Lounge lesen wird. Und Prinzessin Eugenie of York und Kofi Annan sollen an einer Auktion zugegen sein. Die Basler sind sehr zurückhaltend mit Gästelisten. Promis wie Brad Pitt oder Leonardo DiCaprio tauchen plötzlich auf. Man muss deshalb sehr wachsam sein. So hat Musiker Pharrell Williams mal in der Campari-Bar gefeiert, und Schauspieler Owen Wilson fuhr mit einem gemieteten Velo in die Familienbadi Eglisee.

12. Darf ich ein Selfie mit einem Promi machen?

Unbedingt. Sonst glaubt Ihnen ja keiner, dass Sie mal versucht haben, mit Jay-Z ein Bier zu trinken.

Erstellt: 13.06.2016, 07:12 Uhr

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