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«Schlingensiefs Werk wird noch lange prägend sein»

Der Deutsche Pavillon hat bei der Kunstbiennale Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Die Impressionen.

Der Deutsche Pavillon hat bei der Kunstbiennale Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Cornelia Pieper, sagte am Samstag, damit werde das Werk des Ausnahmekünstlers Christoph Schlingensief gewürdigt, «dessen Verlust wir schmerzhaft spüren und dessen Werk noch lange prägend sein wird». Sie gratuliere dem Team des Deutschen Pavillons unter Leitung der Kuratorin Susanne Gaensheimer. Das Auswärtige Amt ist für den Deutschen Pavillon in Venedig federführend.

Der Pavillon wurde von der Künstlerin Aino Laberenz gestaltet. Die Witwe von Regisseur Schlingensief, der im August 2010 an Lungenkrebs gestorben war, stellt darin Werke ihres Mannes aus. Gezeigt werden Installationen, Filme und Bühnenbilder. Ursprünglich sollte Schlingensief den Pavillon gestalten.

Messdiener Schlingensief

Der Deutsche Pavillon hat drei Räume. Im Mittleren befindet sich das originale Bühnenbild der Inszenierung von «Kirche der Angst vor dem Fremden in mir», wie Laberenz vor der Eröffnung der Biennale im dapd-Interview sagte. In diesem Stück berichtete Schlingensief über seine Erkrankung. Laut Laberenz ist das Bühnenbild ein Nachbau der Kirche in Oberhausen, in der Schlingensief lange Messdiener war.

In dem Raum daneben werden in einem Kino Schlingensiefs Filme «Menü Total», «Egomania», die «Deutschland-Trilogie» und «United Trash» gezeigt. Zudem gibt es den Afrika-Raum, in dem die Arbeit an dem in Burkina Faso geplanten Operndorf thematisiert wird.

Die Kuratorin wusste, dass der Künstler an Lungenkrebs erkrankt war. Darin sah sie kein Hindernis. Doch als sie vor einem Jahr in Frankfurt gemeinsam mit Schlingensief erste Einblicke in die Gestaltung des Pavillons geben wollte, blieb sein Stuhl leer, es ging ihm nicht gut.

Politische Fragestellungen

Damals sagte die Kuratorin, sie wisse noch gar nicht, was der 49 Jahre alte Film-, Theater- und Opernregisseur und Aktionskünstler für den Pavillon plane. Trotz seiner Krebserkrankung gebe es «keinen Anlass für einen Plan B». Knapp zwei Monate später war der Künstler tot. Er starb am 21. August 2010 an Lungenkrebs.

Der promovierten Kunsthistorikerin blieben knapp zehn Monate bis zur Eröffnung der Biennale. Ein anderer Künstler kam nicht infrage. Sie habe, sagte Susanne Gaensheimer, einen Künstler ihrer Generation angesprochen, der in repräsentativer Weise Kunst mache, der die künstlerischen, gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen der vergangenen Jahrzehnte massgeblich mitbestimmt habe. «An dieser Einschätzung hat sich auch nach Christoph Schlingensiefs tragischem Tod nichts geändert», sagte die gebürtige Münchnerin.

dapd/phz

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