Schmiererei!

Sie wollten schon lange einmal sprayen gehen? Getrauen sich aber nicht? Dann spielen Sie das Street-Art-Game «Vandals».

Hunde bellen, Flaschen klirren, die Nacht ist zum Sprayen da: Trailer zum Game «Vandals».


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Selbst Street-Art-Legenden geraten ab und an mit dem Gesetz in Konflikt. Harald Nägeli, der «Sprayer von Zürich», musste Anfangs Jahr mal wieder vor Gericht antraben. Diesmal in Düsseldorf, wegen zwei seiner Flamingos. Nägelis Schicksal zu entgehen, darum geht es unter anderem in «Vandals». Das Graffiti-Game wurde vom Spielentwickler Cosmografik und vom deutsch-französischen Kultursender Arte entwickelt, ist Stealth-Computerspiel (der Spieler schleicht um die Gegner herum), Malkurs und Kunstunterricht in einem.

Der Spieler lenkt einen Sprayer durch Hinterhöfe und Gassen. Ziel ist es, Wachpersonal und Polizei auszuweichen. Und natürlich in jedem von sechzig Levels irgendwo sein Graffito anzubringen. Der Avatar kann entlang eines Linienrasters bewegt werden, rote Pfeile zeigen das Sichtfeld des Wachpersonals auf. Entdeckt ein Wachmann den Sprayer, wird dieser festgenommen, das Level beginnt nochmals von vorne.

Durch die Kanalisation zur Hausmauer

Im ersten Teil des Spiels wird somit das taktische Geschick der Spieler geprüft: Werfe ich eine Glasflasche, um den Wachmann abzulenken? Klettere ich über die Mauer? Verzieh ich mich in die Kanalisation? Der Hindernisparcours wird zusehends schwieriger, zu den Wachmännern gesellen sich Hunde und Überwachungskameras. Gelingen aber die Ablenkungsmanöver, sind Kreativität und Fingergeschick gefragt. In einem Editor à la Microsoft Paint kann der Spieler nun aus verschiedenen Farben und Sprühaufsätzen auswählen, um eine Hauswand oder einen Lieferwagen zu bemalen. Wer danach unerkannt entwischt, gelangt ins nächste Level.

Zu guter Letzt vermittelt «Vandals» aber auch einen Einblick in die Geschichte der Graffiti-Kunst. Das Spiel führt einen durch fünf Städte und Epochen, etwa ins Paris von 1968, nach New York von 1974 oder ins Berlin von 1984. Wer dabei die Augen offen hält, findet Werke bekannter Street-Art-Künstler und die dazugehörigen Infoblätter.

Plötzlich ehrgeizig

«Vandals» macht Spass. Schummrige Gassen, ein Avatar im schwarzen Kapuzenpulli und die passende Musik sorgen für Spannung. Vor allem aber wecken die Sprayeraufgaben ungeahnten künstlerischen Ehrgeiz. Abzug gibt es lediglich bei der Navigation in der PC-Version: Der Avatar wird nur per Maus gesteuert, was teils schwerfällig ist.

Übrigens: Die eigenen Graffiti aus «Vandals» können Spieler auf den sozialen Medien teilen. Ob sie es tun werden, ist eine andere Frage. Denn zumindest in den ersten paar Levels wird sich selbst der hartgesottene Street-Art-Enthusiast unter den Gamern überlegen müssen: Ist das Kunst oder einfach eine Schmiererei? Und wird wohl zum Schluss kommen: Schmiererei.

Für iOS, Android, Mac und PC. Erhältlich im App Store, bei Google Play oder auf Steam. Preis: 5 Franken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.05.2018, 16:01 Uhr

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