So buchstabiert man Kunst

Von A wie Analyse bis Z wie Zusammenprall: Die Riesenkunstsause Manifesta in ihren alphabetischen Einzelteilen.

«Was nicht irritiert/verstört, ist nichts wert»: Motto der zeitgenössischen Kunst. (Getty Images)

«Was nicht irritiert/verstört, ist nichts wert»: Motto der zeitgenössischen Kunst. (Getty Images)

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A wie Anfang.

A wie Augenschmaus. A wie Ausnahmezustand. Der A-Assoziationen sind viele. Wir aber sind mutig und setzen auf A wie Analyse: Nicht nur, dass diese Manifesta – nach eigener Definition Gradmesser für das politisch-soziokulturelle Klima Europas allgemein und des Gastortes im Speziellen –, also dass diese Manifesta Zürich 100 Tage lang auf Herz, Nieren und Hirn prüfen wird. Nein, diverse reale Analytiker haben es mitsamt Fachwissen in die Riesenausstellung geschafft: via Schriftsteller-Badboy und Neo-Künstler Michel Houellebecq etwa, der seine Kettenraucherlunge von einem hiesigen Spezialisten analysieren liess. Oder via Una Szeemann (Tochter der Schweizer ­Kuratorenlegende Harald), die einem auf Hypnose spezialisierten Psychoanalytiker ihr Innerstes offenlegte. Beides geschah für die Kunst, selbstverständlich, und beides war erwartungsgemäss nicht ganz lupenrein.


Ä wie Äääh

«Äääh», der klassische Ausdruck des Unverständnisses, ist fester Bestandteil der zeitgenössischen Kunst (und damit der Manifesta), frei nach dem Motto: «Was nicht irritert/verstört, ist nichts wert.»


B wie Balzverhalten

Roboterli in Love? Das gibts! Ingenieure in Kunstmission haben in den hehren Hallen der sonst flirtmässig eher unterversorgten ETH ein Pärchen mechanischer Kreaturen ausgesetzt, die nun – sehnsüchtig schnarrend, aufgeregt ­herumrollend und synthetische Hormone versprühend – zueinander finden sollen. Vor unser aller Augen und erst noch durch eine Wolke Anti-Liebes-Drogen hindurch. Und Sie dachten, Romeo und Julia hättens schwer gehabt.

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C wie Coiffeur

Wie weltbewegend ein Coiffeurbesuch sein kann, erklärte die Mani­festa-Gründerin dem TA letzten Sommer in einem Interview. Hier die Essenz ihrer damaligen Aussage: «Wenn ich mich für eine Stadt als Manifesta-Austragungsort interessiere, begebe ich mich zuerst in ein vom Wandel betroffenes Quartier und dort gehe ich dann zum Coiffeur. Während die Friseurin meine Haare macht, stelle ich Fragen: Was beschäftigt die Menschen im Alltag, in der Stadt, in der sie leben? Was bereitet ihnen Sorgen? Weil Friseure ja immer auch Alltagspsychologen sind, spüre ich durch solche Gespräche den Puls einer Stadt. Und erhalte ein Bild von ihr, das wenig mit Klischees, aber viel mit Realität zu tun hat.» Friseure oder Alltagspsychologe? (Foto: Doris Fanconi)


D wie Durchbeissen

Hören Sie auf zu jammern. Montieren Sie die schnellen Schuhe, lutschen Sie ein Dextro, und machen Sie sich um Himmels willen einen Routenplan (bei den über die ganze Stadt verstreuten Manifesta-Hotspots mit jeweils unterschiedlichen Öffnungszeiten das A und O für den Kunstgenuss). Dann gehen Sie los und sagen sich: Hey, durchbeissen, Baby!


E wie Euro

Obwohl die Manifesta eine paneuropäische Biennale ist, lässt sie die Fussball-Euro aussen vor: Es gibt zur grossen Enttäuschung der Tschuttifans tatsächlich kein Public Viewing auf der Holzfloss-Badi beim Bellevue (also known as Pavillon of Reflections).


F wie Fäkalien

Es führt kein Weg dran vorbei. Zu gross war das Gschiss um die aus sagenhaften 80 Tonnen beim Klärwerk Werdhölzli abgezapften, nun zu einer Skulptur gestampften Ausscheidungen aus Stadtzürcher Produktion. US-Künstler Mike Bouchet hat mit «The Zurich Load» wohl das meistdiskutierte Werk dieser Manifesta-Ausgabe geschaffen. Und wir haben uns, mit unserer ewigen Diskutiererei, die Galionsfigur dieses Kunstsommers selbst ausgesucht. Das – vor allem olfaktorisch – überwältigende Ergebnis dieser künstlerischen Grenzerfahrung gibts im Löwenbräu-Komplex zu bewundern. Das werden wir uns ga-ran-tiert ansehen. Und die Besucherschlangen davor? Sch***s drauf!


G wie Gruusig

Ein wenig Pfuieffekt darf sein; in der Kunst sowieso. Und dass uns jetzt niemand kommt mit «früher war das aber noch anders, da haben die Künstler nur schöne Sachen gemacht». Stimmt nicht! Michelangelo hat sich selbst als abgezogene Haut des bemitleidenswerten und Heiligen Bartholomäus porträtiert (im «Jüngsten Gericht» in der Sixtinischen Kapelle). Und all diese Martyrien und Kreuzigungen damals, ein Graus! Oder erst die kleinen Schweinereien von Hieronymus Bosch! In diesem Sinne: Beissen Sie auf die Zähne – und stellen Sie sich, je gruusiger es wird, desto näher ans Kunstwerk!


H wie Heureka

Wann war eigentlich in Zürich das letzte Mal so Manifesta-mässig Gigantisches los? Sie tippen auf die Landi 1939? Falsch! Es war die Heureka anno 1991, jene tolle Forschungsausstellung mit dem grandiosen «Galileoturm», die anlässlich der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft vom 10. Mai bis 27. Oktober auf der Allmend Brunau durchgeführt wurde – als Ersatzlösung für die gescheiterte Landesausstellung.


I wie Image

Die globale Kunstkritikergilde wird in den nächsten 100 Tagen Zürich die Aufwartung machen. Dies ist d i e Chance für alle von uns, mitzuhelfen, das Image der Stadt aufzupolieren: Werden Sie also in nächster Zeit von fremden Personen angesprochen – jeder könnte ein Journi einer grossen ausländischen Zeitung sein! –, dann geben Sie sich originell und/oder mondän: Machen Sie (je nach Alter) spontan einen Breakdance-Move oder den Sonnengruss, oder spendieren Sie der Person einen Sommerdrink!


J wie Jankowski

Ohne ihn geht gar nichts. Christian Jankowski (48), Künstler und Querdenker aus Leidenschaft, ist so etwas wie «Mister Manifesta». Als erster Kunstschaffender, dem man die Wanderbiennale je anvertraut hat, hat er seinem Ruf alle Ehre gemacht, will heissen: hat er etwas angerissen, was total beknackt ist. Gar nicht funktionieren kann. Eigentlich. Aber dann doch funktioniert, irgendwie. Und erst noch cool ist. Das war bei ihm schon immer so. Etwa, als er ankündigte, ein Jesus-Casting zu veranstalten, mit Vertretern aus dem Vatikan in der Jury (hat geklappt!). Oder als er vor der Venedig-Biennale bei diversen TV-Orakeln anrief und sich vorhersagen liess, wie sein Werk beim Publikum ankommen werde (grandios, meinten sie, was stimmte – zumal Jankowskis «Werk» der Videomitschnitt der Anrufe war). In Zürich hat der Deutsche nun Künstler mit «normalen» Berufsleuten zusammengebracht, auf dass sie gemeinsam etwas auf die Beine stellen, «was alle glücklich macht», so Jankowski unlängst in einem Interview: «Die Künstler, die Kenner, die Kritiker, die Banausen.» Mission impossible? Wenn einer schafft, das zu schaffen, dann er.


K wie Kohldampf

«Mit Essen spielt man nicht», ist eine der zentralen Erziehungssätze der Eltern. Trotzdem haben der britische Künstler John Arnold und Fabian Spiquel, der hochdekorierte Küchenchef des Zürcher Fine-Dine-Lokals Maison Manesse, genau dies getan: Unter dem Schlagwort «Imbissy» – eine Kombi aus «Embassy» und «Imbiss» – haben sie für die Manifesta historische Schweizer Diplomaten- und Bankettspeisen auf spielerische Weise in zeitgeistige Street-Food-Snacks uminterpretiert. Diese unkonventionellen Speisen geniessen Hungrige an sieben Imbissständen in der City (Karte rechts, Punkt 6, A–G).


L wie Langeweile

Von Veranstalterseite haben wir erfahren, dass die Langeweile an der Manifesta nicht präsent sein werde (angeblich sei das ein bewusst getroffener Entscheid).


M wie Morbides

Genau wie das Gruusige (siehe «G») braucht eine anständige Schau auch einen Schuss Morbidität. Schon immer haben es die Leute gemocht, wenns töötelte in der Kunst, und zwar, weil man sich dann so schön lebendig fühlen kann. Das wissen die von der Manifesta natürlich auch. Und haben drum den Chefbestatter der Stadt mit ins Kunstboot geholt. Wer sich das Resultat dieser Liaison anschauen will, wird auf dem Friedhof fündig. Wo sonst? Kunst auf dem Friedhof. (Getty Images/ZoltanFabian)


N wie Namedropping

Kein bedeutender Kunstanlass kommt heute ohne die Crème de la Crème des «Who’s who» aus. Was wir damit sagen wollen: In irgendeiner Form an der Manifesta zu erleben, sind unter anderem: Tina Turner (Starsängerin), Dieter Meier (Multistar), Maurizio Cattelan (Starkünstler), Kim Gordon (Starmusikerin), Harun Farocki (Starfilmer), Andreas Gursky (Starfotograf), Michel Houellebecq (Starschriftsteller).


O wie Orgasmus

Jawohl: Orgasmus. Und zwar der weibliche (sorry, Jungs). Die Künstlerin Andrea Éva Gy?ri –die übrigens bei Christian Jankowski (siehe «J») und Mike Bouchet (siehe «F») studiert hat –, die Frau Gy?ri also hat sich für die Manifesta mit einer Sexologin zusammengetan. Und ihr Zeichnungen vorgelegt von mastur­bierenden Frauen, zwecks Qualitätsbeurteilung der mit den Bildern angestrebten Realitätsnähe. Ausserdem hat sie noch einen Orgasmuskurs besucht; man kann schliesslich nie genug über den Höhepunkt wissen. Das künstlerische Endprodukt dieser Umtriebigkeit? Wir kennen es auch noch nicht. Aber uns ein bisschen in Ekstase versetzen, das sollte es schon, bitte schön!


Ö wie Ööhhm

(Siehe auch Äääh): «Ööhm» ist der andere typische menschliche Laut im Zustand der Perplexion. (In dem Sie sich befinden, wenn Sie beim Betrachten eines Kunstwerks plötzlich eine ozeangrosse Leere und dazu immensen Durst verspüren). Um das ungute Gefühl loszuwerden, empfiehlt sich eine sogenannte «Übersprunghandlung»: Schreien Sie das entsprechende Werk lauthals an!


P wie Poker

Sie hätten nach Zürich eingeflogen werden sollen, die transsexuellen Sexworkerinnen aus Mexiko, um hier mit einer Zürcher Berufskollegin eine Partie Poker zu spielen. Frei nach dem Motto «das Leben ist ein Kartenspiel, halb Glück, halb Taktik und noch ein paar Tropfen Bluff» oder so. Das war der Plan, wie ihn Künstlerin Teresa Margolles aufgestellt hatte. Es kam aber anders. Eine der Mexikanerinnen wurde ermordet, eine andere ins Gefängnis gesteckt. Das Hotelzimmer, in dem das Spiel hätte stattfinden sollen, bleibt leer. Ansehen kann man sichs trotzdem: als Platz­halter für verlorenes Leben, als Symbol für den Tod, als stummer Protest gegen Gewalt.


Q wie Quiz

Zur Auflockerung ein kleines Ratespiel: Wer per Mail (an thomas.wyss@tages-anzeiger.ch) heute am schnellsten beantwortet, wie gross der «Schwund» war (in Kubikmetern), der beim Bearbeiten der abgeholzten Bäume bis zum fertigen Floss entstand, erhält zwei 1-Tages-Tickets.


R wie Rollstuhl

Fahr einen Paraplegiker an den See und bring ihn dazu, dass er versucht, übers Wasser zu rollen. Ein starkes Stück. Und als solches die Spezialität von Maurizio Cattelan. Das ist jener Künstler, der auch schon einen Meteoriten auf den Papst niedersausen liess und Adolf Hitler beim Beten zeigte (wenn auch beides nur in Skulpturform). Jedenfalls: Der Mann gefiel sich in der Rolle des Provokateurs. Bis er vor ein paar Jahren plötzlich erklärte, er habe ­genug, ziehe sich von der Kunst zurück, für immer. Dass er nun doch ein Comeback gibt, darf als kleine Sensation bezeichnet werden. Dass er das ausgerechnet in Zürich tut, verdankt man Manifesta-Kurator Jankowski, der ist nämlich ein guter Freund von Cattelan. Dieser also kam, sah den See – und rief die paralympische Sportlerin Edith Wolf-Hunkeler an. Mit dem Resultat, dass diese nun, mithilfe von Cattelans Technikern, im Rollstuhl übers Wasser fahren wird. Wann das passiert, wollte Cattelan nicht verraten (jedenfalls nicht bis Redaktionsschluss). Irgendwie verständlich – Wunder lassen sich schliesslich nicht terminieren.


S wie Sandsack

Jetzt haben wir uns so auf die Sandsäcke gefreut. Im Verbund mit einem Sicherheitsexperten und als Kommentar zu all dem Gekämpfe weltweit wollte Künstler Santiago Sierra das Helmhaus einbruch- und stürmsicher machen. Eine recht eigentliche Kriegsfestung sollte es werden. Bloss: Die Vorschriften für Gebäudeschutz und Sicherheit machten eine konsequente Durchführung dieses Plans unmöglich. Zu gefährlich, hiess es, und dann der damit verbundene Papierkram, Jesses. Man fragt sich nun: Sollte Zürich sich vielleicht ein klein bisschen lockerer machen? Und: Was passiert mit dem ganzen bestellten Sand? Zumindest Zweiteres können wir beantworten: Statt auf Hunderte von 13-Kilo-Säcken wurde er im Eingangsbereich des Museums in babyelefantengrosse «Trag­taschen» verteilt. Immerhin.


T wie Teddybären

Wir erinnern uns: Erst warens Kühe, dann Teddybären. Dann Sitzbänke und dann diese riesigen Blumentöpfe (oder umgekehrt?), die die City verschandelten. Je länger, desto furchtbarer wars. Wir geben drum freudig Entwarnung: Die Manifesta wird 100 Prozent teddybärenfrei.


U wie Uncool

Es ist gar nicht mal so einfach, an der Manifesta etwas Uncooles zu entdecken. Doch wir habens geschafft – wir haben nämlich das Floaten entdeckt (Float Center Zürich, Karte Punkt 21): Obwohl bei der Manifesta-Interpretation Körper und Geist wegen der wirren Videogame-Atmosphäre offenbar nicht so easy zur Einheit finden wie im «Original», ist und bleibt Floaten ein Agglosport, basta.


V wie Volunteers

Schon bei der Euro 08 in Zürich erlebten die Hundertschaften freiwilliger Helfer die spannenderen Abenteuer als die meisten Matchbesucher. Denn als sogenannter «Volunteer» ist man mittendrin statt nur dabei – und tut erst noch Sinnvolles. Wer also in den Sommerferien keine Pläne hat und sich an der Manifesta als gute Seele anbieten möchte, meldet sich via Manifesta.org (Rubrik «Freiwillige Helfer») an.


W wie Winterthur

19 Minuten. So lange braucht die schnellste S-Bahn vom Bahnhof Stadelhofen nach Winti, diesem oft entspannteren kleinen Bruder Zürichs (der, was oft vergessen geht, auch Manifesta-Hotspot ist). Das ist so kurz, dass Sies nicht mal schaffen würden, während der Fahrt diese Doppelseite durchzulesen. Item, jedenfalls legt uns das OK dort die Kampfsportschule des 14-fachen Thai-Box-Weltmeisters Azem Maksutaj ans Herz – weil sich dort der Prager Künstler Matyáš Chochola die sportlerische Disziplin und Anstrengung vorgeknöpft hat.


X wie Xenokratie

Xe/no/kra/tie, die: (gr.) Fremdherrschaft; Regierung eines Staates durch ein fremdes Herrscherhaus, schreibt der Fremdwörter-Duden. Warum uns das hier interessiert? Weil die Manifesta eben eine solche Xenokratie praktiziert: Auf expliziten Wunsch der Gaststadt regiert sie diese vom Moment ihrer Selektion aus dem Pool der Bewerber bis, im Falle Zürichs, zum Abbau der letzten Holzlatte des Pavillon of Reflec­tions (siehe «Q»).


X1 wie Xenix

In seinem Sommerprogramm greift das Kino Xenix das Manifesta-Motto auf – und zeigt ab 15. Juli 17 Filme zu gängigen («I Was A Swiss Banker», «Taxi Driver») bis unkonventionellen («Ladri di ­biciclette», «The Great Dictator») Berufen. www.xenix.ch Gängige bis unkonventionelle Berufe. (Keystone)


Y wie Yolo

Der Jugendslang-Begriff Yolo steht für «You only live once», man lebt nur einmal. Was wir damit sagen möchten: Völlig egal, wie alt Sie werden – eine Manifesta in Zürich werden Sie nie mehr erleben. Deshalb sollten Sie nicht zweimal überlegen, ob Sie die einmalige Chance (eines Besuches) packen sollten oder nicht.


Z wie Zusammenprall

Da der Start der Manifesta mit der EM und der Art Basel und dem Zurich Pride Festival zusammenfallen, ist offensichtlich: Der Crash gehört fix zum Programm des Kunstevents – und kann sicher problemlos beim Gepferche auf dem Floss (siehe «E») oder bei der Flucht aus dem verstunkenen Löwenbräu-Areal (siehe «F») erlebt werden. Nehmen Sies locker . . . und seien Sie einfach dankbar, dass der Kürbisschnitzkurs auf der Juckerfarm erst in die Post-Manifesta-Zeit fällt.

Erstellt: 10.06.2016, 15:46 Uhr

100 Tage Ausnahmezustand

Die ganze Stadt voller Kunst

«What People Do for Money: Some Joint Ventures» lautet das Motto der ab Samstag für das Pub­likum offenen Manifesta 11. Die 100 Tage dauernde, seit 1996 im Zweijahrestakt stattfindende Kunstgrossausstellung ist jedes Mal in einer anderen europäischen Stadt zu Gast; Träger ist die unabhängige Non-Profit-Organisation «International Foun­dation Manifesta» mit Sitz in Amsterdam.

Die Zürcher Ausgabe wurde vom deutschen Künstler und Kunstprofessor Christian Jankowski kuratiert, der ein Experiment gewagt hat: Kunstschaffende aus aller Welt haben sich mit hiesigen Berufsleuten – darunter Banker, Zahnärzte, die Feuerwehr – zusammengetan. Die gemeinsam realisierten Projekte werden nun, sofern möglich, am Arbeitsort des jeweiligen Berufstätigen präsentiert. Von Studierenden der ZHDK gedrehte Making-of-Filme dieser Kooperationen werden allabendlich auf dem beim Bellevue im See treibenden Manifesta-Floss «Pavillon of Reflections» gezeigt.

Zusätzlich lockt eine auf das Helmhaus und den Löwenbräu-Komplex verteilte Schau mit Kunst, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema Arbeit befasst; insgesamt sind 250 Arbeiten von 130 zeitgenössischen Kunstschaffenden zu sehen. Rund 40 Zürcher Kulturstätten sind als sogenannte Parallel Events lose mit der Manifesta verbunden; und das Cabaret Voltaire wurde zum «Zunfthaus der Künstler» erklärt: Wer hineinwill, muss eine selbst konzipierte Performance zum Besten geben.

Die Manifesta 11 wird am Freitagabend von Bundesrat Alain Berset und Stadtpräsidentin ­Corine Mauch in der Uni Zürich eröffnet und dauert bis 18. September. Tickets gibts online sowie im Helmhaus, im Lo?wenbra?u, im Cabaret Voltaire und auf dem Pavillon of Reflections.

Paulina Szczesniak

www.m11.manifesta.org

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