Und sie bewegt sich doch

Die Bührle-Stiftung will sich ihrer Vergangenheit stellen.

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Mit dem Spatenstich für den Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses ist auch die Debatte um mögliches Fluchtgut in der Sammlung Bührle neu entfacht. Verschiedene Autoren, unter ihnen mit Guido Magnaguagno der ehemalige Vizedirektor ebendieses Kunsthauses, erheben in einem neu erschienenen «Schwarzbuch Bührle» harte Vorwürfe gegen die Stiftung und die Stifterfamilie.

Es geht um Bilder, die jüdische Besitzer in ihrer Notlage auf der Flucht vor den Nationalsozialisten unter ihrem Wert verkaufen mussten. Sie werden in der internationalen Debatte mit Raubkunst gleichgestellt: Wer solche Bilder zeigt, kann sich nicht auf den guten Glauben des Erwerbers berufen, sondern muss nachweisen können, dass die unfreiwilligen Verkäufer beziehungsweise deren Nachkommen später für diesen Vermögensnachteil gebührend entschädigt wurden, oder aber das Bild zurückgeben.

Sammler Emil Georg Bührle tat sich zeitlebens schwer mit diesen Forderungen. Der Rüstungsindustrielle war gekränkt, weil die Schweizer Öffentlichkeit seine Sammlung stets im Zusammenhang mit den hoch anstössigen Kriegsgewinnen aus der Kanonenproduktion für die Nazis sah. Und seine Geschenke an die Stadt Zürich mit Misstrauen beäugte. Auch die Stiftung verhielt sich lange defensiv.

Nun zeigt Deutschland im Umgang mit der Sammlung Gurlitt, wie man mit diesem Problem offensiver umgehen kann. Eine Taskforce soll die Provenienz aller Kunstgegenstände lückenlos klären, bevor sie nach Bern gehen. Auch die Bührle-Stiftung wird sich mehr bewegen müssen: Eine Kunsthistorikerin soll die noch ungeklärten Provenienzen erforschen. Alle auf die Sammlung bezogenen Dokumente sollen bis zum Zeitpunkt der Eröffnung des Erweiterungsbaus veröffentlicht und die Geschichte des Sammlers in Verbindung mit der Ausstellung dokumentiert werden.

Eine gute Nachricht, denn der Spatenstich in die Geschichte ist für einen glaubwürdigen Ausstellungsraum so wichtig wie jener zum Bau.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 21.08.2015, 23:52 Uhr

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