Viel Geld für einen traurigen Hund

Bundesrat Alain Berset verteilt in Basel Preise an hiesige Künstler und Designer.

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Unter der Klangdusche stehend, die Hannah Weinberger an den Swiss Art Awards installiert hat, versetzen wir uns einen Moment lang hinein in die Künstler, die zu diesem Wettbewerb angetreten sind. Wir hören Sätze und Satzfragmente, die auch Sportlerinnen und Sportlern von ihren Managern zugerufen werden, wenn sie an einem Wettkampf ihre Kräfte mit anderen messen: Durchhalteparolen, Aufmunterndes und Abstellendes.

Wie bei einem Rennen gibt es auch in diesem alljährlich stattfindenden schweizerischen Kunstwettbewerb, der seinen Gewinnern den stolzen Betrag von je 25'000 Franken in die Hände drückt, eine grosse Konkurrenz. Nicht weniger als 328 Bewerbungen sind eingereicht worden. Bei 45 Eingaben zeigten sich die Experten der Eidgenössischen Kunstkommission interessiert und luden die Künstler ein, ihr Ausstellungsprojekt auszuarbeiten und nach Basel zu schicken. Für die Realisierung erhielten die Teilnehmer je 5000 Franken.

Architektur und Kritik

Soll niemand sagen, der Bund verhalte sich knausrig bei der Förderung hiesiger Künstler. Denn eine kleine Hochrechnung ergibt, dass für diese Präsentation der Swiss Art Awards in der Halle 3 der Messe Basel allein für die 9 Preisträger und die 36 übrigen Teilnehmer in der Kategorie Kunst schon mal 450'000 Franken ausgegeben werden. Hinzu kommt noch einmal ein ähnlicher Aufwand für die Swiss Design Awards.

Im Mittelpunkt des Preissegens durch das Bundesamt für Kultur stehen aber die Preisträger des Grand Prix Kunst/ Prix Meret Oppenheim, die schon im März bekannt gegeben wurden. Die drei erhalten je 40'000 Franken, ergänzt durch ein aufwendig gestaltetes Büchlein, das die Preisträger in Form von Interviews vorstellt. Die diesjährigen Gewinner sind Meili & Peter Architekten, der Kulturjournalist Samuel Schellenberg und die Zürcher Fotografin Shirana Shahbazi. Sie werden mit den Gewinnern der Swiss Art Awards und jenen der Swiss Design Awards von Bundesrat Alain Berset ausgezeichnet.

Die Spreu vom Weizen getrennt

Das Gewinnerfeld im Kunstsektor kommt zu je einem Drittel aus Basel, Zürich und Genf, was deshalb auffällig ist, weil es im vergangenen Jahr beinahe nur Vertreter aus Zürich und Genf umfasste. Interessant ist dabei, dass unter den 45 Künstlern, die ausgestellt sind, nur 8 aus der Region Basel sind. Man kann also sagen, dass am Rheinknie die Gewinnerquote deutlich höher lag als an der Limmat oder an der Rhone.

Was nun die ausgezeichneten Arbeiten betrifft, darf man der Jury konzedieren, dass sie die Spreu vom Weizen getrennt hat. Und wenn wir uns nochmals etwas konzentrieren dürfen in unserer Berichterstattung, so sei das Scheinwerferlicht auf die grossartigen Swiss-Art-Awards-Arbeiten von Simone Holliger, Sophie Jung, Augustin Rebetez und Aldo Mozzini gerichtet.

Fragile Papierskulpturen

Mozzini legte der Jury einen riesigen Hund zu Füssen, der aus lauter farbverschmierten Lappen besteht. Sie stammen aus seinem Druckatelier an der Zürcher Hochschule für Künste, wo sie die Studenten zur Reinigung ihrer Hände verwendet hatten. Aus irgendeinem Grund hat er diese natürlichen und sehr zufälligen Schönheiten aufbewahrt, an denen die Zärtlichkeit und das Reinlichkeitsbedürfnis von Generationen von Kunststudenten ihre Spuren hinterlassen haben. Mit der Form des Hundes möchte der Künstler die Empathie des Besuchers ansprechen.

Augustin Rebetez lockt seine Besucher in eine dunkle, viereckige Koje, in der auf drei Wänden eine traumhafte, ebenso esoterische wie surrealistische Welt inszeniert wird, die einen mit ihren ganz eigenen Bildern und Zeichen sofort in ihren Bann zieht. Sophie Jung wiederum stellt ihre Utensilien und Requisiten aus, die sie für ihre Kassandra-Performance braucht. Neben zwei grossen Vogelfüssen sind das ein Vogelkopf und ein Stapel von schwarzen Plastikkisten, die auf der Wand einen Schatten wie von einem Hochhaus ergeben. Ausgebreitet auf einem Boden aus lauter schwarzen Papierseiten, entsteht eine mystisch aufgeladene Atmosphäre, die in sich so stimmig und dicht ist, wie das von kaum einer anderen Arbeit gesagt werden kann.

Zu guter Letzt seien noch die zwei fragilen, grossen Papierskulpturen erwähnt, die Simone Holliger in eine mit dunkelrotem Papier ausgekleidete Koje gestellt hat. Sie erinnern ein bisschen an Jean Dubuffet, aber auch an die Skulpturen von John Chamberlain oder Thomas Demand, nur sind sie durch ihre Bauart – zusammengeklebt aus weissen Papierstücken – unglaublich verletzlich. Dennoch behaupten sie sich in dieser vielfältigen Ausstellung als absolut herausragende Figuren.

Die Ausstellung in der Messe Basel, Halle 3, dauert bis zum 16. Juni.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 10.06.2019, 17:37 Uhr

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