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Willkommen in der unendlichen Pubertät

In der neuen Ausstellung «Status Dokument» im Fotomuseum Winterthur posieren auch die «Showroom Girls». Was erzählt das Bild über unsere Kultur des digitalen Narzissmus?

Anonym: Taliban, 2001© Sammlung Thomas Dworzak / Courtesy Magnum Photos, Paris
Anonym: Taliban, 2001© Sammlung Thomas Dworzak / Courtesy Magnum Photos, Paris
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Ich kenne J. kaum, aber sie hat heute wohl einen Liebesbrief bekommen. Das weiss ich, weil sie den Brief auf Facebook gepostet hat und dazu schrieb: «J. hat heute den schönsten Liebesbrief der Welt bekommen.» Zehn Menschen gefiel dies. Verfasst hat den Brief offenbar ihr neuer Freund, fünf Minuten lang habe ich mich durch J.s Profil geklickt, um herauszufinden, wer das sein könnte und ob mir der Name etwas sagt, aber bevor ich es heraushatte, langweilte ich mich schon zwischen den Bildern von Urlaubsreisen und Karnevalsbesuchen und regelmässigen Status-Updates darüber, dass J. heute länger arbeitet und gestern zu viel getrunken hat und morgen endlich wieder Kuchen backen will, und ich schloss den Tab, in dem Facebook offen war, und starrte wieder die Mädchen an, die Willem Popelier auf irgendeinem Ausstellungscomputer irgendwo gefunden hat, seine Vertreterinnen des digitalen Narzissmus, der immer mehr Menschen in unserem internetten Zeitalter erfasst zu haben scheint.

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