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Literaturnobelpreisträger García Márquez ist tot

Der kolumbianische Literaturnobelpreisträger war einer der wichtigsten spanischsprachigen Schriftsteller und ein meinungsstarker Kommentator des Zeitgeschehens.

Teilweise auch politischer Botschafter Lateinamerikas: Titelseite von «El País» mit dem Gesicht von Gabriel García Márquez.
Teilweise auch politischer Botschafter Lateinamerikas: Titelseite von «El País» mit dem Gesicht von Gabriel García Márquez.
AFP
Setzte sich sein Leben lang für politische und publizistische Projekte ein: García Márquez vor seinem Haus in Mexiko-Stadt. (6. März 2014)
Setzte sich sein Leben lang für politische und publizistische Projekte ein: García Márquez vor seinem Haus in Mexiko-Stadt. (6. März 2014)
Keystone
Mit Fidel Castro verband ihn eine jahrzehntelange Freundschaft: Er wurde deswegen immer wieder angegriffen.(4. März 2000)
Mit Fidel Castro verband ihn eine jahrzehntelange Freundschaft: Er wurde deswegen immer wieder angegriffen.(4. März 2000)
AFP
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Der weltberühmte Schriftsteller Gabriel García Márquez, Autor von «Hundert Jahre Einsamkeit», starb am Donnerstag im Alter von 87 Jahren in seinem Haus in Mexiko-Stadt, wie die staatliche Kulturbehörde Conaculta bestätigte. «So ist es – García Márquez ist tot», sagte Conaculta-Sprecher Roberto Perea.

An seiner Seite seien seine Frau Mercedes Barcha und seine beiden Söhne Rodrigo und Gonzalo gewesen, schrieb der mexikanische Fernsehmoderator Joaquín López-Dóriga im Kurznachrichtendienst Twitter.

«Tausend Jahre Einsamkeit und Trauer»

Der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos zeigte sich tief betroffen. «Tausend Jahre Einsamkeit und Trauer angesichts des Todes des grössten Kolumbianers aller Zeiten», schrieb der Staatschef auf Twitter. «Solidarität und Beileid für die Familie. Solche Giganten sterben nie.»

Garcia-Márquez-Biograf Gerald Martin erklärte, das Buch «Hundert Jahre Einsamkeit» sei das erste Werk gewesen, in dem die Lateinamerikaner sich selbst, ihre Leidenschaft, ihre Spiritualität und ihren Aberglauben, ihren grossen Hang zum Scheitern anerkannt hätten.

Vertreter des magischen Realismus

Der Schriftsteller war seit einiger Zeit gesundheitlich schwer angeschlagen. Erst vor einigen Tagen war er aus dem Krankenhaus in Mexiko-Stadt entlassen worden, wo er wegen einer Lungenentzündung behandelt worden war. Sein Zustand sei «stabil», aber aufgrund seines hohen Alters bestehe die Gefahr von «Komplikationen», erklärte seine Familie noch am Montagabend. In den vergangenen Jahren hatte sich García Márquez, bei dem 1999 erstmals Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden war, aus gesundheitlichen Gründen mehr und mehr zurückgezogen.

Am 6. März hatte García Márquez seinen 87. Geburtstag gefeiert und sich kurz vor seinem Haus gezeigt:

(Video: AFP/Youtube)

García Márquez gilt als meistgelesener Schriftsteller Lateinamerikas. Mit seinem 1967 erschienenen Roman «Hundert Jahre Einsamkeit» erlangte er Weltruhm; das Buch wurde in 25 Sprachen übersetzt und erreichte eine Auflage von mehr als 50 Millionen Exemplaren. Weitere erfolgreiche Romane waren «Chronik eines angekündigten Todes» und «Die Liebe in den Zeiten der Cholera». Seine Bücher machten ihn zum bekanntesten Vertreter des «magischen Realismus». Mit seiner opulenten und bildgewaltigen Sprache machte er den magischen Realismus als literarischen Stil populär. 1982 wurde er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Sein letztes Buch erschien 2004

García Márquez wurde am 6. März 1927 in Aracataca, einer kleinen Stadt an der kolumbianischen Karibikküste, geboren. Er war das älteste von elf Kindern von Luisa Santiaga Márquez und Gabriel Elijio García. Kurz nach seiner Geburt liessen ihn seine Eltern bei den Grosseltern und zogen in eine andere Stadt, wo sein Vater eine Apotheke eröffnete. Die ersten zehn Jahre seines Lebens wuchs García Márquez deshalb bei den Grosseltern auf. Aracataca wurde später zum Vorbild für «Macondo», die Ortschaft am Fuss der Sierra Nevada, in der «Hundert Jahre Einsamkeit» spielt.

In einem Dokumentarfilm erzählte García Márquez über seine jungen Jahre im vom Bürgerkrieg zerrissenen Kolumbien:

(Quelle: Evandro Motta/Youtube)

Bevor er sich der Literatur zuwandte, arbeitete er als Journalist. Auch später kommentierte der bekennende Linke und Freund des kubanischen Revolutionsführers Fidel Castro das Weltgeschehen immer wieder in Zeitungsartikeln.

Seit mehr als fünf Jahrzehnten lebte García Márquez in Mexiko-Stadt. Sein bislang letztes Buch, «Erinnerung an meine traurigen Huren», erschien 2004. Zuletzt war er an seinem Geburtstag Anfang März öffentlich aufgetreten. Vor seinem Haus begrüsste er Fotografen und Journalisten, äusserte sich allerdings nicht. Die Reporter sangen ihm ein Ständchen.

«Ein grosser Schriftsteller ist gestorben»

Der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa hat sich betroffen vom Tod des kolumbianischen Autors Gabriel García Márquez gezeigt. «Ein grosser Schriftsteller ist gestorben», sagte Vargas Llosa der Zeitung «El Comercio».

«Seine Romane werden ihn überleben und überall auf der Welt weiterhin Leser gewinnen.» García Márquez und Vargas Llosa pflegten zu Lebzeiten ein wechselhaftes Verhältnis.

Die beiden Nobelpreisträger waren einst enge Freunde und verhalfen der lateinamerikanischen Literatur gemeinsam zu Weltruhm. Später überwarfen sich die Kollegen allerdings, bei einer Filmvorführung 1976 in Mexiko-Stadt kam es sogar zu einer Schlägerei zwischen beiden.

Unterschiedliche politische Ansichten vertieften den Graben. Während García Márquez eine enge Freundschaft zu Fidel Castro pflegte, wurde Vargas Llosa schon früh zu einem der schärfsten Kritiker der kubanischen Revolution. In einer Brandrede auf dem New Yorker PEN-Kongress 1986 beschimpfte er seinen einstigen Weggefährten als «Höfling Castros».

sda/AFP/ldc

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