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«Lügen gelten heute als Meinungen»

«Man kann seine eigene Meinung haben, aber nicht seine eigenen Tatsachen»: Deborah Lipstadt. Foto: Urs Jaudas

Vor 20 Jahren haben Sie einen Prozess gegen den Holocaust- Leugner David Irving gewonnen. Seither sind solche Leute aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden. Einverstanden?

Ende Januar veröffentlichte die Trump-Regierung eine Botschaft zum Holocaust-Gedenktag, ohne darin die Juden zu erwähnen. Ist das auch Softcore-Leugnen?

Dann?

Also kein Fehler, sondern Strategie.

Es gibt Tatsachen: Die Erde ist rund. Es gibt Meinungen: Ansichten darüber, weshalb die Erde rund ist. Und es gibt Lügen: Die Erde ist flach.

Welche?

Inwiefern gefährlich?

Liest man heute Ihr Buch «Leugnen des Holocaust», erkennt man weitere Ähnlichkeiten: Angriff aufs Establishment, Vergleich von Unvergleichbarem und die Aussage, jede Wahrheit habe zwei Seiten ...

Trump liebt Verschwörungstheorien. Sie sind attraktiv, weil sie es ermöglichen, die Schuld eindeutig zuzuweisen.

Donald Trump behauptete in einem Tweet, Barack Obama habe ihn abhören lassen. Besetzt ein Verschwörungstheoretiker das höchste politische Amt der USA?

Ausserdem setzte er das Wort «anzapfen» in Anführungszeichen. Womit er später behaupten kann, er habe es gar nicht so gemeint.

... da dachte ich: Zum Mussolini fehlen Trump nur noch die verschränkten Arme.

Auch das eine Parallele zum Leugnen: der Plan, eine radikale Position in die Mitte zu rücken.

Wie schätzen Sie seinen Chefdenker Steven Bannon ein?

Die Strategie besteht darin, den Satz mit «Es gibt Leute, die sagen ...»anzufangen. Danach kann man praktisch alles behaupten.

Sprich: Heute können gewählte Politiker absurde Meinungen mainstreamen. So wie Trump behaupten kann, im November hätten 3 Millionen Leute illegal abgestimmt. Wird er gefragt, wie er darauf komme, sagt er, das sei die Information, die ihm gegeben worden sei.

Sie lassen Ihr Buch in die Mahnung münden, wachsam zu bleiben gegenüber jenen, die Lügen streuen. Das Buch erschien 1993. Sind wir bequem geworden?

Geben Sie mir zum Schluss noch einen Rat für den Alltag: Soll man Idioten reden lassen?