Lukas Bärfuss erhält renommierteste deutsche Literaturauszeichnung

Der Georg-Büchner-Preis ist mit 50'000 Franken dotiert und wird dem 47-jährigen Thuner am 2. November 2019 in Darmstadt verliehen.

Die Jury bezeichnet ihn als «herausragenden Erzähler und Dramatiker»: Autor Lukas Bärfuss am Literaturfestival in Leukerbad 2017.

Die Jury bezeichnet ihn als «herausragenden Erzähler und Dramatiker»: Autor Lukas Bärfuss am Literaturfestival in Leukerbad 2017. Bild: Jan Woitas/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Büchner-Preis ist mit 50'000 Euro dotiert. Bärfuss, der 1971 in Thun zur Welt kam, wird die Auszeichnung am 2. November in Darmstadt entgegen nehmen. Frühere Schweizer Preisträger sind etwa Max Frisch (1958), Friedrich Dürrenmatt (1986) oder zuletzt Adolf Muschg (1994).

Mit Bärfuss zeichne die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung «einen herausragenden Erzähler und Dramatiker der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus», schreibt die Jury in ihrer Begründung. «Mit hoher Stilsicherheit und formalem Variationsreichtum erkunden seine Dramen und Romane stets neu und anders existentielle Grundsituationen des modernen Lebens.»

Zu Bärfuss' bekanntesten Werken gehören die Romane «Hundert Tage» (2008) über den Völkermord in Ruanda und «Koala» (2014) über den Suizid seines Bruders sowie das Bühnenstück «Die sexuellen Neurosen unserer Eltern», das 2003 erschien. Letzteres war im Jahr 2015 von der Schweizer Regisseurin Stina Werenfels verfilmt worden.

2017 erschien sein jüngster Roman «Hagard», dessen Geschichte um einen erfolgreichen Geschäftsmann kreist, der sich durch obsessives Begehren aus allen sozialen Bindungen löst. Zudem macht Bärfuss immer wieder mit pointierten Essays von sich reden und trägt damit zum politischen Diskurs in der Schweiz bei. Der Vater zweier Kinder lebt und arbeitet heute in Zürich.

Bereits zahlreiche Preise

Der renommierte Büchner-Preis ist eine von vielen Auszeichnungen, die Bärfuss bereits erhalten hat: 2014 gewann er den Schweizer Buchpreis für «Koala» oder 2009 den Schillerpreis für «Hundert Tage». Weitere Preise sind etwa der Hans-Fallada-Preis, der Mülheimer Dramatikerpreis oder der Solothurner Literaturpreis.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung vergibt die Auszeichnung seit 1951 an Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen «durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Masse hervortreten» und «an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben».

Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner («Woyzeck»). Er wurde 1813 in Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.

«Das ist der Engelskuss»

Die Auszeichnung ist für Bärfuss überraschend gekommen. «Damit kann man doch nicht rechnen. Das ist der Engelskuss, der einen da trifft.»

«Ich hab mich über jeden Preis gefreut und jeder Künstler und Schriftsteller braucht Anerkennung», sagte der 47-Jährige am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur nach der Entscheidung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Aber der Georg-Büchner-Preis stehe einfach für sich alleine. «In dieser Reihe zu stehen, ist absolut bewegend und berührt mich sehr.»

Lukas Bärfuss live in Zürich: Lesung und Gespräch mit Térezia Mora, Mittwoch 10. Juli 2019, 20.30 Uhr, Alter Botanischer Garten Zürich. Tickets (nag/sda)

Erstellt: 09.07.2019, 09:44 Uhr

Die Preisträger seit 2000

- 2019 Lukas Bärfuss
- 2018 Terézia Mora
- 2017 Jan Wagner
- 2016 Marcel Beyer
- 2015 Rainald Goetz
- 2014 Jürgen Becker
- 2013 Sibylle Lewitscharoff
- 2012 Felicitas Hoppe
- 2011 Friedrich Christian Delius
- 2010 Reinhard Jirgl
- 2009 Walter Kappacher
- 2008 Josef Winkler
- 2007 Martin Mosebach
- 2006 Oskar Pastior
- 2005 Brigitte Kronauer
- 2004 Wilhelm Genazino
- 2003 Alexander Kluge
- 2002 Wolfgang Hilbig
- 2001 Friederike Mayröcker
- 2000 Volker Braun

Artikel zum Thema

Alles, was ist, könnte auch anders sein

Lukas Bärfuss, der streitbarste Autor der Schweiz, kann ein brillanter Essayist sein. In seinem neuen Band «Krieg und Liebe» zeigt er diese Qualitäten zu selten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Handarbeit: Schauspieler des Kote Marjanishvili Theaters in Tiflis während einer Probe des Tolstoi-Stücks «Die Kreutzersonate». (18. Februar 2020)
(Bild: Zurab Kurtsikidze) Mehr...