Akkordeon und seichter Witz

Hackbrett und Blut-Schweiss-und-Tränen-Rhetorik: Volksrapper Bligg zielt mit seinem neuen Album auf das ganz grosse Publikum. Hören Sie hier ins Album rein.

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Jahrelang dümpelte Marco Bliggensdorfer alias Bligg im Mittelfeld der Schweizer Musikszene herum. In einer Liga, die zwar wahrgenommen, aber für ihr Schaffen kaum entlöhnt wird. Einerseits tief verankert in der Hip-Hop-Kultur und ihr irgendwie verpflichtet, andererseits bereit, Neues auszuprobieren und den Schritt Richtung Radiotauglichkeit und Allgemeinverständlichkeit zu machen, bewegte er sich auf der Suche nach der richtigen Soundmixtur und einem neuen Publikum am Existenzminimum. Ziel war, d a s Publikum zu finden, egal welchen Alters, egal welchen Geschmacks. Er fand es durch eine glückliche Fügung: Das Schweizer Fernsehen kam im Rahmen der Sendung «Die grössten Schweizer Hits» auf die Idee, seinen Song «Volksmusigg» mit Appenzeller Volksmusik zu kreuzen.

Dick aufgetragen

Die Mischung kam an, der Bann war gebrochen. Sein darauf folgendes Album «08/16», auf dem er Hip-Hop- und Poprock-Elemente mit Jodeleinlagen, Hackbrett- und Akkordeonmelodien vereinte, brach alle Verkaufsrekorde der letzten Jahre. Über 140 000-mal ging es über den Ladentisch. Vierfachplatin. Der Song «Rosalie» wurde zum Ohrwurm. Auch auf dem Rest des Albums arbeitete der heute 34-Jährige mit diesen kleinen Clous, mit jenem leichten, oberflächlichen Witz, mit dem Händereichen in alle Richtungen.

Auf seinem neuen Album «Bart aber herzlich» beweist Bligg, dass er in der Lage ist, im gleichen Stil nachzulegen. Etwa wenn er in «Stadt/Land» seine Vorlieben für beide Lebensweisen kundtut und die Klüfte zwischen Landeiern und Stadtfüchsen für nichtig erklärt («minereiner fühlt sich überall entspannt»). Gemeinsam mit seinem Schlagzeuger und Produzenten Fred Herrmann sind gross und breit angelegte Songs entstanden. Moderner Schlager – wiederum mit Hackbrett und Akkordeon, mit tüchtigen Bläsersätzen, Ska, Rock und jeder Menge Zug erstellt. Textlich trägt er oft dick auf und wandelt zwischen selbstmythisierender Blut-Schweiss-und-Tränen-Rhetorik, recht seichtem Witz und Wortspielen: Im Song «Manhattan» etwa geht es nicht um den New Yorker Stadtteil, sondern um die schiefe phonetische Entsprechung «mer hätt en». Darum: Bliggs neuer Langspieler ist Erfolg versprechend, doch die bewusste Ansiedlung auf der allgemein verständlichen Ebene hat etliche Opfer gefordert.

Erstellt: 27.10.2010, 11:58 Uhr

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