Alles «easy»

Muttersöhnchen mit Erfolg – was hat Cro, das andere nicht haben? Auf Spurensuche beim Konzert im Hallenstadion.

Stets mit Pandamaske unterwegs: Der Stuttgarter Rapper Cro (hier live in Wien).


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Jüngst hat er seiner Mama einen französischen Oldtimer gekauft. Und sonst? «Öhm», erklärte er in einem Interview, «wirklich grosse Neuanschaffungen habe ich nicht getätigt.» Es heisst auch, dass er noch immer sein ursprüngliches Zimmer im Elternhaus bewohnt. Ein höfliches, bescheidenes Muttersöhnchen, dieser Cro. Er ist aber auch der junge Mann, der bis anhin sagenhafte 1,5 Millionen Tonträger verkauft hat und im deutschsprachigen Raum Stadien füllt. «Was ist da bloss los?», fragte sich also der bald auf die 40 zugehende Schreibende und zog hinaus nach Oerlikon, um diesem rappenden Jugend-Phänomen auf den Grund zu gehen.

Nach einer Stunde in der gut gefüllten Halle ist klar: Es ist nicht seine Bühnepräsenz, die ihn zum Star gemacht hat. Sein Markenzeichen, die Plastik-Pandamaske verschluckt jede Mimik und lässt die obligaten Superstar-Gesten auf der grossen von zahlreichen Screens flankierten Bühne albern aussehen. Auch sein überschaubares musikalisches Können macht den 24-jährigen Stuttgarter nicht zum Star. Singen kann er nicht und das unbeholfene Intermezzo an einem schwarzen Pianoflügel ist eher etwas für den Jugendtreff.

Das Timing ist richtig

Und trotz allem: der Cro hat was. Der macht gute Laune. Der bringt die vielen weiblichen Teenies auch mal dazu, ihr Handy wegzulegen und nur fröhlich mit den Armen zu rudern. Die Songs, verstärkt durch einen DJ, Schlagzeuger und einen Multiinstrumentalisten, sind alle satt-kompakt. Man könnte nörgeln, dass das alles schrecklich radiotauglich ist. Man könnte aber auch sagen: das Timing ist gnadenlos richtig.

Und Cro rappt so, das ihn alle verstehen – was mit dieser Maske wahrlich ein Kunststück ist. Und offenbar trifft er mit seinen Versen den Nerv der Jugend: da ist etwas Tiefgang, aber nicht zu sehr. Etwas Reflexion, aber nicht zu sehr. Mit Cro lässt sich eine fröhliche, unbeschwerte Party feiern. Ernsthaftigkeit ist unter dem Konfettiregen keine zu finden. Aber muss die überhaupt gesucht werden? Ist das nicht wieder die Sicht eines bald 40-Jährigen? Vielleicht wollen die Jungen, bevor die Gymiprüfung oder Lehre geschafft ist, einfach mal völlig unbeschwert zu Cros Hit singen: «EASY, ea ea, mh mh. EASY, ea ea, mh mh»

Erstellt: 06.11.2014, 06:39 Uhr

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