Ausflug ins Absurditätenkabinett

Snoop Dogg machte Zürich seine Aufwartung. Der Auftritt des US-Superstars liess einen grundsätzlich am Rapper zweifeln.

Beats ab Band und dauerrauchend: Snoop Dogg an einem Konzert in New Jersey.

Beats ab Band und dauerrauchend: Snoop Dogg an einem Konzert in New Jersey. Bild: Keystone

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Und dann stand da irgendwann auch noch dieser Typ im Hundekostüm neben Snoop Dogg und liess einen riesigen, neonfarbenen Penis vor seiner Hüfte kreisen. Das war nicht mehr lustig. Das war nicht abgründig obszön, so wie man es ihm jahrelang gerne nachsah, weil die Doofheit bei ihm immer auch mit musikalischer Finesse vorgetragen wurde. Dieses geile Maskottchen war einfach nur noch das Symbol eines Niedergangs.

Snoop Dogg, der versierte Hofnarr des Hip-Hops, der Rapper, der wie kein anderer Dynamik mit Entspanntheit kombinieren konnte, zeigte, dass er mit 42 Jahren nun künstlerisch zum alten Eisen gezählt werden darf. Denn seine ohne jegliche Spontanität und alle Klischees erfüllende Show war schlichtweg: peinlich.

Zum geläuterten Rastafari und zurück

Eigentlich hatte sich der Schlacks aus Long Beach als Reggaeman angekündigt. Eine interessante Affiche. Denn der Rapper hatte 2012 verlauten lassen, sich nun fortan Snoop Lion zu nennen und als geläuterter Rastafari zu leben. Seine Reinkarnation mit einer aufwühlenden Reise nach Jamaika ist übrigens in einem sehenswerten Dokumentarfilm festgehalten. Dass der Kalifornier mittlerweile aber vom heiligen Weg wieder abgekommen ist und sein Figurenarsenal mit Snoopzilla und einer Funkplatte bereits erweitert hat, wollte man ihm noch nachsehen. Es wäre auf jeden Fall interessant gewesen, die von Superproduzent Diplo inszenierte Reggaeversion à la Snoop live vorgetragen zu bekommen.

Es sollte aber nicht mal annähernd so weit kommen. Reggaelike war nur eine lächerliche, aus der Anfangszeit der Computer zu stammen scheinende Videoanimation im Hintergrund, die den verkifften Rapper in den Farben Jamaikas zeigte. Ansonsten spulte der dauerrauchende Snoop Dogg seine Hits vor einem nicht ganz vollen X-tra aus 20 Jahren runter.

Live-Schlagzeug, Beats ab Band

Die Band, ein Schlagzeuger, zwei Keyboarder und zwei Rapper, assistierte ihm dabei leider nur leidlich. Der Sound war völlig überladen. Und der Schlagzeuger wurde tatsächlich dazu verdonnert, live zu den original ab Band dröhnenden Beats zu spielen. Zum Ausflug ins Absurditätenkabinett wurde es, als Snoop Dogg zum Play-back von Hits von Biggie Smalls und House of Pain rappte. Und dann war da ja auch noch dieses Maskottchen.

Erstellt: 30.07.2014, 16:43 Uhr

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