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Beyoncés Rollenspiele

Ganz ohne Vorankündigung war sie plötzlich da: Beyoncés neue Platte «Beyoncé» wurde ein «visuelles Album». Zu jedem Track gibts ein Video. Vom «sexbegeisterten Feminismus» trifft vor allem das erste Wort zu.

Arbeitstier, leicht bekleidet: Beyoncé während ihrer aktuellen Tournee «Mrs. Carter» in Adelaide, 5. November 2013.

Arbeitstier, leicht bekleidet: Beyoncé während ihrer aktuellen Tournee «Mrs. Carter» in Adelaide, 5. November 2013. Bild: Keystone

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1 Pretty Hurts

Er tut wirklich ein bisschen weh, Beyoncés powerballadiger Albumauftakt, dabei hat sie das doch mehr so im Sinne von «Schönheit ist im Fall nicht alles» gemeint. Die Nation kranke an der Perfektion, doch der Schmerz sitze innen; kein Arzt und keine Pille könne da helfen. «Bist du glücklich mit dir selbst?», laute denn auch die Frage aller Fragen. Bebildert wird die Botschaft mit Beyoncés Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb, wo sie natürlich ausnehmend schön ist. Bitte nicht mehr davon – da hilft auch Harvey Keitel in der Rolle des Moderators nicht.

2 Haunted

«Die ganze Sche***, die ich höre, ist langweilig, all die Schei***, die ich mache, ist langweilig», singt Miss Carter, und dann singt sie: «All these people on the planet working 9 to 5, just to stay alive, 9 to 5 just to stay alive.» Das wiederholt sie sechsmal in monotonem Sprechgesang und fagt sich danach, wieso das so ist. Hmm.

3 Drunk in Love

Nebel, ein Strand und eine leicht bekleidete Beyoncé, die sich auf allen vieren shakiramässig im Sand räkelt und singt: «Baby, I want you, na na.» Hubby Jay-Z singt auch mit, und die beiden geben allerlei über ihr trunkenes Liebesglück preis: Wie sie auf dem Küchenboden aufwachen und nicht mehr wissen, wie sie da hinkamen, wie sie ihre Körper im Club aneinanderreiben und wie Jay-Z die Laken vollschwitzt. Die kann man ja noch waschen, problematischer wirds hier: «Foreplay in a foyer, fucked up my Warhol.» Zum Zmorge, so singt Jay-Z, gibts trotzdem wieder nur eines: Beyoncés Brüste («We sex again in the morning, your breasteses is my breakfast»).

4 Blow

Und es geht weiter: «Das ist für alle erwachsenen Frauen da draussen», singt Beyoncé, und schwingt ihr Hinterteil vor einer Rollschuhdisco. Ob «Kannst du meine Skittles lecken, in der Mitte sind sie am süssesten» oder «Ich kann nicht warten, bis ich nach Hause komme und du diese Kirsche auspackst»: Das kommt alles sehr fruchtig und sehr stöhnig daher.

5 No Angel

Jetzt wirds plötzlich tiefgründig: Hinter ihrem hübschen Gesicht verberge sich etwas Kompliziertes. «I come with a side of trouble», singt Beyoncé und dann: «Du bist ja auch kein Engel.» Und weil sie so kompliziert ist, steht sie im Video in Hotpants an der Tankstelle und tankt. Aha.

6 Partition

Mit Partition meint Beyoncé eine Trennwand, und zwar die in ihrer Limousine. Der Fahrer soll die nämlich hochfahren, damit Beyoncé und Jay-Z auf dem Limousinensitz rumtollen können. «I just wanna be the girl you like», singt Beyoncé in Reizwäsche – ob das jetzt nun der «sexbegeisterte Feminismus» ist, den der Spiegel-Autor beschrieben hat?

7 Jealous

Hier ist Beyoncé also so eifersüchtig, dass sie das Geschirr von der festlich gedeckten Tafel fegt. Schade ums Essen, wobei: «Ich habe dieses Mahl für dich nackt gekocht», stellt sie gleich zu Beginn klar. Ist das hygienisch?

8 Rocket

«Klettere, bis du meinen Gipfel erreichst, Baby, den Gipfel, den Gipfel.» Doch es geht noch tiefgründiger: «Und stosse bis zum Ursprung meiner Quelle vor.» Wie naturverbunden. Im Video sieht man aber keine Berge, nur Beyoncé und ein Laken.

9 Mine

Um das Video zu «Mine» anzuschauen, klicken Sie hier.

Hier räkelt sie sich nicht im Laken, hier hat sie ein Laken als Kostüm, und viele Tänzerinnen tanzen in andersfarbigen Laken herum. Irgendwie gehts um Beziehungsprobleme: «Are we gonna even make it? Ooh», singt Beyoncé – Mitte November wurde ja erst noch über eine Trennung des Paares spekuliert. Für einmal gibts keinen Sex! Wirklich nicht.

10 XO

Hier hat Beyoncé wieder mehr Spass und fährt Achterbahn auf Coney Island, New Yorks legendärem Vergnügungspark. Aber Beyoncé ist ja eben eine tiefgründige Seele, und deshalb singt sie: «We don’t have forever/Baby daylight’s wasting/You better kiss me/Before our time is run out.» Beim Küssen bleibts nicht, aber eben, das Leben ist auch kurz.

11 *** Flawless

Hier hat Chimamanda Ngozi Adichie noch eine paar Zeilen beigesteuert, die laut der «New York Times» eines der zehn besten Bücher des letzten Jahres geschrieben hat. Ihr Text auf Beyoncés Album handelt von Mädchen, die eben nicht zu erfolgreich werden dürfen, um die Männer nicht zu verschrecken, und die beim Buhlen um die Gunst der Männer zu Konkurrentinnen werden. Sie schliesst: «Feminist: a person who believes in the social / Political and economic qualitiy of the sexes.» Beyoncé trägt ein Karohemd, macht Headbanging und singt: «Denkt nicht, ich sei nur seine kleine Frau.»

12 Superpower

Zusammen mit Frank Ocean wirds balladig, und Beyoncé trägt kurz eine Sturmmütze, dann ein Top, das ihre Brustansätze freilegt. Darin führt sie einen Demonstrationsumzug an.

13 Heaven

Hier ist Beyoncé plötzlich ganz traurig und hält einen Rosenkranz in der Hand. Auf irgendwen «konnte der Himmel nicht warten», dabei wird im Video auch noch geheiratet, was irgendwie verwirrt.

14 Blue

Blue Ivy heisst ja Beyoncés Tochter, und die singt auch mit in diesem Lied. Sie singt:

Been-sy-ay
Been-sy-ay
Mami, mami, mami.

Erstellt: 16.12.2013, 17:04 Uhr

Es erschien ganz unerwartet ohne Vorankündigung, Beyoncés neues Album «Beyoncé»: Am Freitag wurde es auf iTunes veröffentlicht, wo es die 14 Tracks für 15.99$ zu kaufen gibt, und zwar momentan nur als Gesamtpaket. Als «visuelles Album» angepriesen, gibt es zu jedem Song ein Video – und zusätzlich drei weitere Clips.

«Beyoncé» bricht iTunes-Rekorde

Das neue Album der US-Sängerin Beyoncé hat auf der Download-Seite iTunes alle Rekorde gebrochen. Die Platte mit dem Titel «Beyoncé» wurde in den ersten drei Tagen 828'773 Mal heruntergeladen, wie der Apple-Konzern am Montag mitteilte.

Damit ist es das bislang am meisten verkaufte Album auf iTunes. Diesen Rekord hatte zuvor der US-Popsänger Justin Timberlake gehalten, dessen Album «The 20/20 Experience» sich in der ersten Woche 580'000 Mal in dem Apple-Onlineladen verkauft hatte.

Die R&B-Sängerin Beyoncé hatte ihre Fans mit dem Album überrascht und es ohne jede Ankündigung herausgebracht. Es erschien am Freitag exklusiv auf iTunes. Mit der Produktion der CDs und DVDs wurde am Freitag begonnen, sie sollen dann zu den Weihnachtsferien in den Handel kommen. (sda)

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