Vogelspinnen, Skelette und Ekstase

Das 17-jährige Pop-Phänomen Billie Eilish vereint die verschiedenen Bubbles. In Zürich brachte sie die Menge zum Kreischen.

Vereint die getrennten Bubbles: Billie Eilish am Zürich Openair. Foto: Reto Oeschger

Vereint die getrennten Bubbles: Billie Eilish am Zürich Openair. Foto: Reto Oeschger

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Die Abendsonne ist eben erst verschwunden, als Billie Eilish am Donnerstag die Hauptbühne des Zürich Openair betritt. Das ist vielleicht auch besser so, weil das Auftreten der immer noch erst 17-Jährigen und ihre Songs mit goldenem Spätsommerlicht nur schwer zusammenpassen. Man erkennt auf der Leinwand praktischerweise auch die Cartoon-Angstträume und die Vogelspinnen und Skelette, die bei einigen Tracks eingespielt werden, weit besser. Während sich Billie Eilish im weiten neongrünen T-Shirt freitanzt. Und das sehr junge Publikum in rituelles Kreischen versetzt.

Glücklich: Die Billie-Eilish-Fans am Zürich Openair. Foto: Reto Oeschger

Das war ja schon vor einem halben Jahr so, als die Amerikanerin in Zürich aufgetreten ist. Damals stand auch die Frage im Raum, ob der Hype um diese phänomenale Piratenfigur der aktuellen Popmusik berechtigt sei. Und ob überhaupt etwas übrig bleiben wird abseits der millionenfachen Streamingzahlen, zumal ihr Debüt «When We All Fall Asleep, Where Do We Go?» noch gar nicht erhältlich war.

Heute ist der Hype vorbei. Denn Billie Eilish ist gekommen, um zu bleiben, und ist zum Star in eigentlich getrennten Bubbles geworden. Sie vereint die Kritiker und die Teenies mit ihren Eltern, auch wenn jüngst sorgenvolle Artikel aufgetaucht sind, in denen gefragt wurde, warum denn eigentlich so glückliche Töchter auf einmal eine Musik hören, die sich um Depressionen und Teenage-Ängste dreht.

Tanzt sich frei: Billie Eilish. Foto: Reto Oeschger

Wer von diesen Bedenkenträgern am Konzert war, kann beruhigt und sorgenfrei zurückkehren. Denn die Kids, die Billie Eilish anzieht und die sich in einem ekstatischen Schrei- und Mitsingwettbewerb messen, sind sehr in Ordnung. Und die Songs, die sich so eigenartig und reizvoll zwischen aktuellen Popstilen bewegen, sind es auch, selbst wenn die Liveumsetzung mit zwei Musikern wesentlich unstimmiger ausfällt als die Studioaufnahmen.

Eilishs Stimme ragt an diesem Konzert nicht heraus, vor allem dann nicht, wenn sie sich gegen die bösen Bässe ihres Superhits «Bad Guy» und des umwerfenden «Bury a Friend» behaupten muss. Und wenn sie dann ihre Ballade «Ocean Eyes» anstimmt, mit der sie vor vier Jahren zum ersten Mal ihre Runden im Internet gedreht hat, dann taucht sie ein in ihre Fanmenge, lässt sich berühren und vieltausendfach fotografieren. Wie Billie Eilish dann singt? Das ist in diesem Moment nicht nur ihr herzlich egal.

Erstellt: 23.08.2019, 07:03 Uhr

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