Bligg: «Gölä ist der grösste Mundartkünstler»

Rap mit Hackbrett und Göla: Bliggs neues Album «08/16» ist eine Hommage an das Paradies Schweiz.

Bligg hat seine Liebe zur Volksmusik entdeckt und rappt in seinen Liedern über die coole Schweiz und seinen Grossvater.

SOPHIE STIEGER

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Mit «08/16» fahren Sie weiter auf der Volksmusik-Schiene, die Sie 2007 eingeschlagen haben.
Es ist aber nicht etwa so, dass ich versuchen würde, den gleichen Witz zweimal zu erzählen. Die Single «Volksmusigg» mit der Streichmusik Alder war zwar sehr erfolgreich – aber das war nicht der Grund für dieses Album.

Was dann?
Ich habe im Studio gemerkt, dass der Sound mit Hackbrett und Akkordeon sehr gut zu meiner Musik passt. Das bestätigte sich auch auf der Bühne – die Leute sind jeweils extrem abgegangen, wenn ich mit meiner Band und der Streichmusik Alder auftrat.

Ihr letztes Album hiess «Yves Spink», eine Hommage an den coolen Zürcher Partykönig. Die Zusammenarbeit mit Gölä, der auf dem Track «Das dörfsch nöd» mitsingt, wirkt da wie eine radikale Abkehr von cool und trendy.
Das neue Album ist eine Hommage an die Schweiz. Wenn Sie das als uncool empfinden, leben Sie anscheinend in einem anderen Land als ich.

Warum finden Sie die Schweiz cool?
Wir sind ein Ausnahmefall. Eine direkte Demokratie, wie wir sie haben, gibt es sonst nirgends auf der Welt. Ich empfinde die Schweiz als Paradies.

Aber besteht durch Ihre Volksmusik-Liebe nicht die Gefahr, dass Sie die Hiphop-Szene nicht mehr ernst nimmt?
Der Leitspruch der Szene ist: Keep it real, sei echt. Wenn ein amerikanischer Hiphopper von seiner Kindheit und Jugend im Ghetto erzählt, dann ist das echt. Aber wenn Schweizer Rapper Ghettogeschichten erzählen, dann stimmt etwas nicht. Ich will rappen über Dinge, die hier stattfinden, die hier sind, die echt sind.

Ist Gölä echt?
Ja. Er ist der grösste Mundartkünstler aller Zeiten, das musikalische Sprachrohr dieses Landes. Und er macht unverblümte, gerade Texte, die das Publikum berühren.

Was für Geschichten erzählen Sie?
Alltagsgeschichten, Beobachtungen. Eines meiner Lieder erzählt die Geschichte meines Grossvaters, der von Neapel in die Schweiz gekommen ist. Leute wie er sind mit dafür verantwortlich, dass es unserem Land so gut geht.

Viele Ihrer Texte sind recht nachdenklich.

Volksmusik auch?
Mein Vater hatte eine riesige Plattensammlung, aber Volksmusik war nicht darunter. Ich habe sie erst vor einem Jahr entdeckt.

Hatten Sie im Studio keine Schwierigkeiten mit den Volksmusikern? Zwischen Ihnen liegen doch Welten.
Mit dem Akkordeonisten Hubert Kieffer haben wir uns sofort blendend verstanden. Bei den Hackbrettspielern war die Zusammenarbeit eine grössere Herausforderung; sie waren sich nicht gewohnt, sich an einen Beat zu halten. Schliesslich konnten wir aber mit dem 55-jährigen Töbi Tobler den Godfather des Hackbretts verpflichten.

Er musste sich im Studio wohl sputen, um mit Ihnen Schritt zu halten. Die Sängerin Emel sagt, Sie würden sehr schnell arbeiten, und Ihre erste Idee sei meist die beste.
Das könnte daher stammen, dass ich meine Karriere mit Freestyle-Raps angefangen habe. Ausserdem konnte ich es mir damals aus finanziellen Gründen nicht leisten, lange nachzudenken. Heute nehme ich mir mehr Zeit, um an meiner Sprache zu feilen, sie möglichst knapp zu machen. Jeder kann mit tausend Wörtern eine Geschichte erzählen. Die wahre Kunst ist, sie in drei Minuten zu erzählen.

Gehen Sie zusammen mit Gölä auf Tournee?
Das nicht, nein. Aber an seinem Konzert vom 3. und 4. Dezember im Hallenstadion bin ich als Special Guest mit von der Partie. Ich werde auf der Tournee von meiner Band und dem 19 Jahre alten Hackbrettspieler Nicolas Senn begleitet – er ist bereits ein Star in Volksmusikkreisen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.10.2008, 22:28 Uhr

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