Conchita Wurst fordert Putin heraus

Österreich feiert eine neue Königin. Die Song-Contest-Siegerin Conchita Wurst antwortete ihren Kritikern, allen voran dem russischen Präsidenten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Empfangen wurde sie in Wien wie sonst nur Spitzensportler oder Popstars von Weltrang: Als Conchita Wurst am Sonntag aus dem Flugzeug aus Kopenhagen stieg, wartete eine euphorisierte Menschenmenge mit Blumen und Regenbogenfahnen in der Ankunftshalle. Die anschliessende Pressekonferenz wurde live im Fernsehen und im Radio übertragen.

Auf Fragen der Reporter antwortete Wurst, dass sie ihren Sieg durchaus auch als Botschaft an homosexuellenfeindliche Politiker wie Russlands Präsidenten Wladimir Putin sehe: «Ich weiss nicht, ob er zuguckt, aber falls ja, sage ich ganz klar: Wir sind unaufhaltbar.»

Beim Eurovision Song Contest (ESC) in Kopenhagen hatte der 25-jährige Travestiekünstler Tom Neuwirth als Conchita Wurst mit dem Song «Rise like a Phoenix» von vielen Ländern die höchste Punktezahl bekommen, unter anderem dem streng katholischen Spanien und Irland. Aber auch aus Russland mit seiner ­gesetzlich festgelegten Homophobie kamen fünf Punkte.

Kurz nach dem klaren Sieg machten sich russische Politiker aber über die «Dame mit Bart» lustig, die für den Untergang Europas stehe. Das Ergebnis zeige «Anhängern einer Euro­päischen Integration, was sie dabei erwartet», twitterte Vize­regierungschef Dmitri Rogosin gestern. Der rechtsradikale Wladimir Schirinowski bedauerte, dass sich die russische Armee nach dem Sieg über Hitler aus Österreich wieder zurückge­zogen habe.

Spott und Hohn hatte Wurst vor ihrem Sieg auch aus Österreich einstecken müssen, unter anderem von der rechtspopulistischen FPÖ und vom Kabarettisten Alf Poier, der 2003 beim Song ­Contest Platz 6 erreichte.

Gratulation von Lady Gaga

Solche Kritik, erklärte Wurst nach ihrem Sieg in Wien, sei für sie aber «jetzt so belanglos, wie es vorher war». Sie fühle sich auch nicht als Botschafterin der Toleranz, «ich trage nur meinen Teil dazu bei». Gratulationen für die Siegerin kamen unter anderem von Lady Gaga. Produzenten aus Los Angeles hätten bereits angerufen, erklärte Wursts Manager.

Für Österreich war es der erste Sieg seit Udo Jürgens im Jahr 1966 (damals mit «Merci Cherie»). Über den Sieg 2014 sagte Jürgens in ­österreichischen Medien, dass Europa «Toleranz gezeigt hat». Ganz ähnlich urteilte der Generaldirektor des österreichischen Fernsehens, Alexander Wrabetz: Österreich sei an diesem Abend toleranter geworden.

Sorge um Kosten für 2015

Wrabetz war allerdings einer der wenigen Österreicher, der sich an diesem Abend vermutlich nicht so richtig freuen konnte. Der hoch verschuldete ORF muss nun die Austragung des Song Contest 2015 in Österreich finanzieren.

Der Schweizer Sebalter kam mit seiner Geige und dem Lied «Hunter of Stars» auf Platz 13. Das war das beste ganz schweizerische Resultat seit 13 Jahren; 1991 war Sandra Studer auf den fünften Platz gekommen. Die ESC-Endausscheidung am Samstag hatten etwa 180 Millionen Zuschauer verfolgt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.05.2014, 22:27 Uhr

ESC-Sieg als länderübergreifendes Signal der Toleranz: Conchita Wurst. (12. Mai 2014) (Video: Reuters )

Conchita Wurst am ESC


(Video: Eurovision Song Contest / Youtube)

Artikel zum Thema

«Der ESC ist wie Roulette»

Mit Platz 13 holt Sebalter das beste Schweizer ESC-Resultat seit 2005. Ein Erfolg für den 27-Jährigen – besonders, weil sich die Schweiz im letzten Jahr in Europa politisch nicht gerade beliebt gemacht hat. Mehr...

Wursts Sieg erzürnt Russen

Der ESC-Triumph der Drag Queen Conchita Wurst soll den Russen eine Warnung vor Europa sein, schreibt der Vizepremierminister. Ein anderer Politiker sieht gar den nahen Untergang Europas. Mehr...

Conchita Wurst gewinnt den ESC

26 Länder waren in der Endauswahl des Eurovision Song Contest in Kopenhagen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet kommentierte live. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lehrstellen

Sich zu bewerben heisst für sich werben

Kommentare

Die Welt in Bildern

Wintereinbruch: Schafe grasen im Schnee nahe Loch Tay Perthshire, Schottland, Grossbritannien (10. Dezember 2017).
(Bild: Russel Cheyne) Mehr...