Das Gegenteil dessen, worum es Mani Matter gegangen war

«Matterfunken» heisst die Konzert-Reihe, die Kutti MC im Landesmuseum aufführt. Sie überzeugt nicht.

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Im Museum zu enden, hätte Mani Matter nicht begeistert; dass jede neue Musikgeneration seine Lieder singt, dagegen sehr. Bevor er starb, hatte sich sein Blick verdüstert, seine Texte wurden härter. Er hielt sich für zu fest im Bürgerlichen gefangen als Staatsschreiber und Berner Troubadour, blieb zerrissen zwischen Akzeptanz und Renitenz. Kutti MC, der 33-jährige Berner Rapper und Poet, macht sich Matter zu eigen: Am Donnerstag im Schweizerischen Landesmuseum war Premiere. Statt die Originale abzusingen, erzählt er die Geschichten weiter.

Der Sidi Abdel Assar von El Hama geht in die Reisebranche, will Grönland erschliessen, wo er den ihn verzehrenden Eisbären trifft. Das Sandwich, dessen Beschaffenheit Matter singend analysierte, beklagt sich beim Psychiater über seine Dekonstruktion. Auf dem Heimweg kommt Kutti am Haus Matters vorbei und fragt sich, ob der ihm zugewunken habe.

Pathos statt Melancholie

Das hat etwas Unerschrockenes ohne falsche Verehrung. Leider klingt das Resultat nach dem Gegenteil dessen, worum es Matter gegangen war. Der Liedermacher brauchte Ironie, der Slampoet macht Sprüche. Mani Matter besang die Melancholie, bei Kutti MC wird Pathos draus. Seine näselnde Stimme klingt wie erdrückt von der Wucht der eigenen Bedeutung, der Tonfall erinnert an eine Predigt. Trotz der subtilen Begleitung von Luk Zimmermann auf Gitarre, Bass und Schlagzeug fehlt dem Auftritt die Leichtigkeit des Vorbilds, und selbst was humorvoll gemeint ist, kommt demonstrativ herüber, verliebt in die eigenen Pointen.

Erst beim letzten regulären Stück, in dem Kutti Matters Noah in ein Gummiboot aussetzt, kommt Dramatik auf; der Rapper und sein Begleiter steigern das Stück zum existenziellen Sturm. Aber dann ist es zu Ende und wenig später auch das Konzert. Matter hätte wohl nichts gesagt; er war zu höflich.

Erstellt: 06.09.2013, 17:28 Uhr

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Weitere Aufführungen von «Matterfunken» finden am 5. und 7. September statt.

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