«Das würde ich gross unterschtreichele»

Musiker Müslüm über das Dasein als Türke, Immigranten-Pop, seine Roswitha und Polygamie.

Will eine radikale Liebesphilosophie sein: Müslüm-Video «Süpervitamin».


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Direkteinstieg mit dem neuen Album «Süpervitamin» auf Platz drei der Schweizer Album Charts, das Lied «Süpervitamin» steigt auf Platz 12 der Single Charts ein, 280'000 Klicks auf das Youtube-Video und drei Tage war das Album in den Exlibris-Läden ausverkauft. Solche Erfolge verzeichnet derzeit Berns Lieblingsimmigrant Müslüm. «In Suchunft muss ich wohl main Echo nicht mehr selber ainsingen», freut Müslüm sich. Früher sei er so arm gewesen, dass er sogar das selber einsingen musste.

Ob er mit Immigranten-Pop genug Geld fürs Leben verdiene? «Das chann ich jetzt noch nicht sagen. Würde man fragen, ob man mit Immigranten-Pop genug Liebe bechommt, das würde ich gross unterschtreichele.» Zum Glück sei seine Lebensgefährtin Roswitha bescheiden. Reich beschenkt habe er sie nicht, denn eigentlich wolle sie nur zwei Dinge: Essen und Paarungsaktivitäten. Das Album «Süpervitamin» will eine radikale Liebesphilosophie verbreiten und das wirke auch bei seiner Roswitha: «Sursait isch sie simlich paarungswillig,» schmunzelt Müslüm.

Ein Geschenk hat Müslüm seiner Freundin doch gemacht: Am vergangenen Freitag stand er hinter den Plattentellern des «Le Ciel»-Klubs am Bollwerk. Die Gage habe er für einen Gutschein vom Quartierlädeli ausgegeben. Dort werde Roswitha nun «faine chülinarische Spesialitäten aus der Region einchaufen.»

Ab Herbst auf Tournee

Was hat sich denn Müslüm nach dem erfolgreichen Start gegönnt? Eine neue Single-Kette, die er sich immer am Freitagabend anziehe, wenn er auf die Gasse geht? Oder einen neuen Anzug? «Erst wenn main Süpervitamin das hinterschte Dörfli in diesem wunderschönen Land erreicht hat, werde ich mir Gedanken über ainen nöien Ansug machen.»

Generöser gibt sich Müslüm mit seiner Band: «Swai, drai Chafeli und aine Gipfeli am Morgen, dann sind sie ruhig.» Schon zu Beginn der musikalischen Karriere habe er ihnen gesagt: «Wer bai mir spielt, spielt für die Liebe.» Ihren Lohn und wohl auch ihren Spass holen sich die beiden bei den Aftershowpartys. Ob sie sich eine Flasche Champagner aufgemacht hätten? «Nain, erscht an unserer Plattentaufe im Ochtober werden wir ain birebiseli mehr als aine Flasche Champagner aufmachen», gesteht Müslüm.

Der CD-Release sei zu knapp vor dem Openair-Sommer gewesen, dass sich noch Angebote ergeben hätten. «Doch ab Herbscht gehen wir mit mainer Band auf Tournee und werden zu sehen sain und das nicht desent», erklärt Müslüm weiter. Bis dahin hätten die Leute auch die Liebesphilosophie hinter «Süpervitamin» verstanden, hofft er. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.06.2012, 15:47 Uhr

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Müslüm

Müslüm Müslüms Laufbahn ist alles andere als herkömmlich. Ein Versuch, seinen Werdegang aufzuzeigen.

Zur Person

Müslüm ist eine Figur des Berner Komikers Semih Yavsaner. Der 32-Jährige wuchs in einer türkischen Gastarbeiterfamilie im Breitenrain auf und arbeitete bei Radio Rabe. Vor zwei Jahren bekam Yavsaner nationale Aufmerksamkeit mit dem Polit-Song «Erich warum bisch du nicht Ehrlich» und landete damit auf Platz 48 der Schweizer Charts. Mit «Samichlaus» verzeichnete er einen noch grösseren Erfolg: Platz 18 in den Charts und auf Youtube ist es das meistgesehene Musikvideo der Schweiz. Im Mai 2012 erschien sein erstes Album. Heute arbeitet Yavsaner für die Satire-Sendung «PET» des Schweizer Radios DRS1 und an seinem zweiten Videoclip. Er hat einen Sohn und wohnt in Bern. cls

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