Der Rod hält

Rod Stewart gab im Hallenstadion den Showstar – trotz angeschlagener Stimme.

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Es dudelt an diesem Dienstagabend im Hallenstadion. Wortwörtlich. Denn ganz zu Beginn des hundertminütigen Konzerts wird eine Dudelsack-Konserve von «Scotland the Brave» abgespielt, was ja so etwas wie die Hymne Schottlands ist. Dort wurde einst der Vater jenes Sängers geboren, dessen Markenzeichen die heisere Stimme und natürlich die Frisur ist, die in England längst seinen Namen trägt.

Als dann der Blick auf die Bühne frei ist, stimmt Rod Stewart einen jener Songs aus den frühen 80ern an, als er der Rockmusik schon nicht mehr traute und in die Popdisco umgezogen ist. «Infatuation» heisst er, und wie ihn die propere Band und die Tänzerinnen und Backgroundsängerinnen spielen, weiss man bereits: An diesem Abend wird keine Wiedergeburt des Rock ’n’ Roller Rod Stewart zu bestaunen sein. Sondern es wird jener Showstar zu hören sein, der mit seiner Musik noch heute beliebtes Futter für die Durchhörbarkeits-Playlisten jener Formatradios liefert, die sich nicht mehr um den Zeitgeist kümmern.

Die Showelemente retten ihn

Aber wie der 74-Jährige in seinem Leopardenjäckli erscheint und zuweilen kleine Tänzchen wagt, weiss man: Er scheint sehr glücklich zu sein auf der Showbühne – und mit seiner Karriere im Reinen zu sein, die nun schon über 50 Jahre lang dauert. Rod Stewart will auch nichts wissen von der Unbill der Gegenwart: «Vergesst den Brexit, vergesst Donald!», sagt er den «Ladies and Gentlemen» im Publikum. Sie sollen den Abend einfach geniessen. Auch wenn dies nicht immer leichtfällt – nicht nur wegen der keimfreien Musik, sondern weil man spürt, wie seine Stimme immer wieder an Grenzen kommt und in den Ansagen beinahe versagt. Nicht selten muss man sich deshalb Sorgen machen, ob Rod Stewarts Stimme, dessen Frisur so beeindruckend hält, den Abend durchhalten wird.

Doch da gibts ja noch Showelemente, die Sir Rod Verschnaufpausen schenken, und sei es nur, um das Hemd zu wechseln: Mal steppen und fiedeln die Damen in ihren Leopardenmusterkleidchen. Es gibt eine Schlagzeugeinlage sowie Mark Knopflers hymnisches «Going Home: Theme of the Local Hero», das man diesen Donnerstag an gleicher Stätte mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer eleganteren Version hören kann. Und es gibt dann auch ein Akustik-Set, während dessen Stewart und seine Band auf erstaunlich hässlichen Drehstühlen Platz nehmen.

Der grosse Moment

Es gibt auch einen Moment, der einem in Erinnerung ruft, warum Rod Stewart bei aller altväterlichen Uncoolness, die er seit Jahrzehnten ausstrahlt, zu den Grossen der Rockgeschichte zählt. Die Videowand, auf der je nach Song Las-Vegas-Animationen, Winston Churchill oder die Fans und Spieler seines Lieblingsfussballclubs Celtic Glasgow auftauchen, macht dann Pause. Der Song, den Stewart aber dann singt, ist nicht sein erster grosser Solohit «Maggie May», der am Dienstagabend recht abgekämpft klingt, es ist auch nicht das ranschmeisserische «Da Ya Think I’m Sexy?» und schon gar nicht das ewige Lagerfeuerlied «Sailing».

Sondern es ist «I’d Rather Go Blind», diesen Blues, den Etta James zum ersten Mal eingesungen hat und den Rod Stewart mit so viel Verve und Soul gibt, dass man spürt, wie viel ihm diese Musik geschenkt hat – und wie viel sie ihm noch immer bedeutet.

«Go and enjoy yourself», sagt er einmal an diesem Abend, an dem auch Fussbälle ins Publikum gespickt werden und bunte Ballons die vorderen Sitzreihen überraschen. Denn man lebt ja nur einmal auf diesem Planeten. Und dieses Leben, das Rod Stewart noch immer zelebriert, scheint ein gutes zu sein. Auch wenn der Soundtrack aufregender sein könnte.

Erstellt: 08.05.2019, 10:04 Uhr

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