Die Schminke darf nicht fehlen

Boy George wird heute 50 und steuert ein Comeback an - nach Jahren der Drogenexzesse und Gerichtsprozesse. Bilder vom Aufstieg und Fall einer Ikone.

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Die Schminke darf nach wie vor nicht fehlen, wenn Boy George eine Bühne betritt. Etwa eine Stunde dauert es, bis reichlich Farbe und Glitzer aufgetragen sind. Dazu ein knalliger, grosser Hut – und der britische Popsänger ist bereit für den Auftritt. Schrill und extrovertiert war der Künstler immer. Das gilt auch für eine Reihe von Skandalen, mit denen er in seiner Karriere für Schlagzeilen sorgte. Am 14. Juni wird Boy George, der eigentlich George Alan O'Dowd heisst, 50 Jahre alt. Für 2012 plant er eine grosse Wiedervereinigungstour mit der Band, mit der er seine grössten Erfolge feierte: Culture Club. Die Musiker wollen anlässlich ihres 30. Jubiläums wieder gemeinsam auftreten.

Zwölf Jahre ist es her, dass Culture Club das letzte Mal zusammen gespielt haben. «Ich habe das Gefühl, dass da noch ein Album aussteht. Kein reines Popalbum, sondern etwas dem Alter Angemesseneres», sagte George vor wenigen Monaten im DAPD-Interview. Alter Zwist innerhalb der Band sei inzwischen vergessen. Auch er sei erwachsen geworden. «Als ich jünger war, hatte ich meine Gefühle nicht so gut unter Kontrolle.»

Durchbruch mit «Do You Really Want to Hurt Me»

Boy George zählte zu den grossen Popstars der 80er-Jahre. 1981 gründete der Engländer mit dem Bassisten Mickey Craig die Band Sex Gang Children, die sich schliesslich in Culture Club umbenannte. Nach ersten weniger erfolgreichen Songs gelang der Band der Durchbruch und der Sprung an die Spitze der Charts mit dem Song «Do You Really Want to Hurt Me» (1982). Der Titel «Karma Cameleon» war 1983 die bestverkaufte Single in Grossbritannien und lag sechs Wochen lang auf Platz eins der Hitparade.

Boy George sorgte bei seinen Fans nicht nur als Sänger, sondern auch durch sein androgynes Auftreten für Begeisterung. Stets bekannte er sich offen zu seiner Homosexualität. «Viele Menschen sagen mir: ‹Danke, dass du mir den Mut gegeben hast, der zu sein, der ich bin.› Weltweit. In Venezuela genauso wie in England. Darauf bin ich sehr stolz», sagte George im vergangenen Jahr dem Bonner «General-Anzeiger».

Culture Club lösten sich 1987 – auch nach schweren Drogenproblemen von George – auf. Zuvor war eine vierjährige Beziehung des Frontmanns mit Drummer Jon Moss gescheitert. Boy George startete eine Solokarriere. Nachdem er wegen Rauschgiftbesitzes festgenommen worden war und sich vor Gericht zu einer Entziehungskur verpflichtet hatte, landete er im März 1987 mit der Single «Everything I Own» auf Platz eins der britischen Charts. In den folgenden Jahren gründete er eine neue Band und ein eigenes Plattenlabel, firmierte auch unter dem Pseudonym «Angel Dust» und schuf sich ein zweites Standbein als DJ. Ende der 90er-Jahre ging er noch mal mit seinen alten Bandkollegen von Culture Club auf Tour.

Seine eigene Geschichte verarbeitete Boy George in zwei Autobiografien und sogar in einem Musical («Taboo»), das ab 2001 mehrere Jahre lang im Londoner Westend und etwas weniger erfolgreich auch am New Yorker Broadway lief.

Vier Monate hinter Gittern

In den vergangenen Jahren sorgte Boy George dann vor allem mit Problemen mit der Justiz für Schlagzeilen. 2006 wurde er in New York wegen eines vorgetäuschten Einbruchs zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt. Er musste fünf Tage lang unter Beobachtung zahlreicher Kameras Strassen reinigen. 2009 sass er vier Monate lang wegen Freiheitsberaubung in England hinter Gittern. Er war für schuldig befunden worden, im April 2007 einen Callboy in seiner Londoner Wohnung gegen dessen Willen festgehalten und an sein Bett gefesselt zu haben. Er habe dies nur getan, weil der Callboy ihm zuvor Fotos von seinem Laptop gestohlen habe, hatte der Musiker ausgesagt.

Eine dritte Autobiografie über die Erfahrungen hinter Gittern hat er nicht geplant: «Eines habe ich mit zunehmendem Alter gelernt: Weniger ist mehr. Als ich jünger war, hatte ich noch kein Gespür für Privatsphäre. Damals habe ich alles öffentlich ausgelebt, und das bereue ich heute etwas», betonte er im DAPD-Interview.

Über sein Alter sagte der Künstler: «Ich denke, dass ich heute glücklicher bin.» Es habe früher keinen «Aus-Knopf» bei ihm gegeben. «Bestimmte Dinge treiben mich heute nicht mehr so um wie früher. Und das ist eine Entscheidung. Man wird nicht älter und weiser, nur weil man älter wird. Man muss sich überlegen: Was läuft falsch in meinem Leben, und was muss ich tun, um es zu verbessern.»

(jos/dapd)

Erstellt: 14.06.2011, 17:17 Uhr

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