Diva mit Mitteilungsdrang

Eingefasst in Konfettiregen und viel Blabla: Lady Gaga zelebrierte im Hallenstadion einmal mehr die Narrenfreiheit.

Zog in punkto Theatralik alle Register: Lady Gaga während ihres Konzerts im Hallenstadion. (Bild: Screenshot Twitter/Loads of Music)

Zog in punkto Theatralik alle Register: Lady Gaga während ihres Konzerts im Hallenstadion. (Bild: Screenshot Twitter/Loads of Music)

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Die Welt war auch schon mal schärfer auf Lady Gaga. Ihr letztes Soloalbum «Artpop» hat weitaus weniger Hits hervorgebracht als die beiden Vorgänger. Und irgendwie war auch das Konzert vom Donnerstagabend im Hallenstadion in Zürich in den letzten Tagen und Wochen nie zum Stadtgespräch geworden.

Die 28-jährige New Yorkerin scheint in punkto Hits, Ausgefallenheit und Anzüglichkeit bereits schon wieder von einer jüngeren Garde überholt worden zu sein. Namen wie Rihanna oder Miley Cyrus werden derzeit heisser gehandelt, zumal die Frau mit den aussergewöhnlichen Outfits in letzter Zeit auch die Schlagzeilen vermissen liess.

Auch die Fans von Lady Gaga haben eine Vorliebe für schrille Outfits:

Statt im Internet die Zunge oder anderes rauszustrecken oder Selfies im Akkord zu knipsen, veröffentlichte sie ein Album mit Crooner-Legende Tony Bennett. Das landete in den USA zwar auf Platz 1, schlug aber im Rest der Welt und den Klatschpostillen keine grossen Wellen.

Alle Register gezogen

Somit war es fast schon erstaunlich, dass der Veranstalter ABC Production kurz vor Konzertbeginn trotzdem noch ein ausverkauftes Haus vermelden konnte: 13'000 waren gekommen, um die Bühnenpersönlichkeit von Stefani Joanne Angelina Germanotta in Aktion zu sehen.

Sie bekamen, wonach ihnen der Sinn stand: Eine Lady Gaga, die in punkto Theatralik alle Register zog. Mehr noch als die gigantische Show stand sie selbst im Mittelpunkt.

Immer wieder inszenierte sie sich als einsamen Emporkömmling am in Bergkristall-Attrappen eingefassten E-Piano. Als Mädchen von nebenan – eine von uns eben – , das jahrelang ignoriert worden war und nun seit Jahren Bizarres erlebt hat. «Artpop», ihr aktuelles Programm, eine Rückschau auf die Zeit, die sie seit ihrem Durchbruch durchlebt habe.

Turnen, krächzen, keifen

Und so turnte, krächzte und keifte sie, wechselte immer wieder in noch verstiegenere Kostüme (toll etwa die Mischung aus Dalmatiner und Kraken, die sie zu «Paparazzi» trug), wirbelte mit einer grossen Tänzerschar über die Bühne, zeigte ihren Popo und hatte sich den direkten Kontakt mit den Fans mehrfach dick auf dem Programmablauf notiert. So wurde etwa ein auf die Bühne geworfener Fanbrief vorgelesen. Die Verfasserin wurde schliesslich ausfindig gemacht und durfte ihr während Minuten den Rücken streicheln und bei einer Pianoversion von «Born This Way» Gesellschaft leisten. Dazu – während die Hände Akkorde drückten und verzierten – gab es Ansprachen zu Selbstbewusstsein, Selbstverwirklichung und Bekenntnis zur eigenen Identität. Sehr nachdrücklich formuliert und breit ausgewalzt, aber deswegen nicht weniger ein allabendlicher Programmpunkt.

Immer noch seltsam wirken bei Germanotta diese immer wiederkehrenden Bekenntnisse zur Individualität, die sie in ihren Kostümen ausdrückt, die aber in der hochgradig artifiziellen, knalligen, ausproduzierten und stets gefälligen Musik kaum zum Ausdruck kommen.

Auf musikalischer Ebene am beeindruckendsten geriet denn auch eine Coverversion: Den Song «What’s Up» von den 4 Non Blondes brachte die klein gewachsene Sängerin enorm dynamisch und mit vollem Körpereinsatz über die volle Distanz.

Konfetti, Konfetti, Konfetti

Daneben brachte sie natürlich auch eigene Hits zu Gehör: «Just Dance», «Alejandro», «Bad Romance», «Applause» und wie sie alle heissen, fanden alle Eingang in das Repertoire der Show. Genauso wie ein gutes Dutzend Kostümwechsel, Choreografien und Konfetti, Konfetti, Konfetti.

Der Schluss dann divenhaft: Fast zehn Minuten nach dem letzten Song des Hauptprogramms schritt sie nochmals auf die Bühne. Diesmal in königlichem Weiss, feierlich und gemächlich. Wie eine Herrscherin, der soeben der Reichsapfel ausgehändigt worden war. Erst ganz vorne, wiederum am E-Piano, begann sie zu singen. Die Message: Gaga bestimmt hier, wann gesungen und wann gegangen wird. Das Fazit: Sie hätte ihre Stimme und Präsenz an diesem Abend insgesamt noch besser in Szene setzen können.

Erstellt: 07.11.2014, 06:34 Uhr

Ein Zusammenschnitt des Konzerts im Hallenstadion vom 15.11.2010

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