Ein Modellathlet des Pop

Justin Timberlake gab im Hallenstadion das erste seiner zwei Zürcher Konzerte. Eine grosse Show mit fehlendem Charisma.

Tanzt die Eleganz: Justin Timberlake auf seiner «20/20 Experience World Tour», <br />hier am 6. November 2013 im Barclays Center in New York.

Tanzt die Eleganz: Justin Timberlake auf seiner «20/20 Experience World Tour»,
hier am 6. November 2013 im Barclays Center in New York. Bild: Janette Pellegrini / Getty Images

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Zuerst ist da nur ein Schatten auf der weissen, in Waben organisierten Bühnenwand. Überlebensgross. Dann geht auf der Bühne das Licht an, und da steht er, Justin Timberlake, in der Silhouette eines weissen Jacketts über schwarzer Hose, schwarzem Hemd. Da glänzt er, Justin Timberlake, 33, inmitten der Tänzer und der Sängerinnen, der Bläserbatterie, den riesigen Perkussionsgerüste und der Gitarrenkolonne.

Das ist der Bigband-Chic der Zwanzigerjahre, das ist Las Vegas der Siebziger. Und das ist auch der postmodern verschnittene Rhythm'n'Blues, wie ihn Timbaland auf vier Platten für Justin Timberlake angerichtet hat, diesen grossen Gatsby des Popglücks, der bei NSync nicht viel mehr war als Kanonenfutter auf dem Boyband-Markt. Und der jetzt, nach Spitzenplätzen in allen namhaften Charts der westlichen Welt, als ein Grossentertainer des Pop seine Partys gibt. Sie sind in aller Regel ausverkauft, auch in Zürich, wo Timberlake am Montag zum ersten Mal das Hallenstadion gefüllt hat.

Wie ein Schauspieler

Die Show ist gross an diesem Abend, es gibt gegen 30 Songs in mehr als zweieinhalb Stunden, darunter alle Hits. Es gibt jazzig angeschnittene Bigband-Fanfaren, am Piano aufgeperlte Balladen, in den motorischen Funk gespreizten Rock und giftelnden Rap. Es gibt die Schritte des Charleston, es gibt den Moonwalk und den Griff in den Schritt des Michael Jackson. Es gibt die Hüpfmoves des Hiphop und den Standardschmus der akustischen Gitarre. Es gibt salbungsvolle Ansagen und Selfies mit Fans. Das ist alles tadellos, und doch nur ein Schattenwurf auf eine Wand. Dass Justin Timberlake zwischen seinen letzten Alben während sechs Jahren vorab seine Schauspielkarriere befördert hat, erscheint im Konzert nicht abwegig. Wie er zuletzt in «Inside Llewyn Davis» einen Folkie mit Milchbart gegeben hat, macht er hier den Modellathleten der Musikgeschichte, und in je einem Coversong den Elvis Presley, den Michael Jackson und den Jay-Z.

Ein Assortiment bleibt das aus verschiedenen Gründen. Da sind zwar viele Hits im Programm, aber keine Klassiker, denn den hat Timberlake höchstens mit «Cry Me A River», das die erste Konzerthälfte triumphal beendet. Dazu kommt, dass unter dem Dauerdruck der 15-köpfigen Band die zwischen Dancefloor und Doppelbett seltsam verrutschten Stimmungen des letztjährigen Doppelalbums («The 20/20 Experience») verloren gehen. Vor allem aber fehlt es diesem 360-Grad-Performer und seinem fitten Falsett an Charisma. Timberlake gleitet durch die Songs und Tanzschritte wie ein Schauspieler durch seine Figuren; nur, dass er dabei seltsam ausdruckslos bleibt. Ein Gatsby, der unter Getöse aufs Glück schaut wie auf ein brandendes Meer. Ein Schatten, den ganzen Abend lang. Überlebensgross, aber ohne Leben.

Erstellt: 14.04.2014, 22:44 Uhr

Zweites Konzert

Am Mittwoch, 16. April, 20 Uhr, spielt Justin Timberlake im Zürcher Hallenstadion ein zweites Konzert. Noch sind Tickets erhältlich.

Video


Justin Timberlakes aktuelle Single: «Not A Bad Thing».

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