Ein übertrieben hotter Boy

Talentlos und grossmäulig: Hustensaft Jüngling heisst der amateurhafteste Rapper seit Money Boy.

Rap-Newcomer des Jahres? Hustensaft Jüngling.


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Fangen wir mit einem Reim an, dem Baustein des Raps: «Wir chillen hier am Block, man / denn wir sind so übertrieben hot, damn». Verfasst hat die Zeilen ein bleicher, schmächtiger Junge, verbreitet hat er sie auf Twitter. Ebendort liess er auch verlauten: «Ich betäube den Pain mit Fanta Mango.» Die Strassenglaubwürdigkeit hat einen neuen Namen: Hustensaft Jüngling.

Das Potenzial des «Rap-Newcomer des Jahres», wie man ihn auf dem Blog «Schlecky Silberstein» unlängst ironisch betitelte, hat auch Money Boy erkannt. Der Österreicher erlangte vor vier Jahren mit einer deutschen Version des Songs «Turn My Swag On» zweifelhafte Bekanntheit. Auf seiner Homepage prophezeite er den «Boyz aus Burrlin» schon vor einigen Monaten durchschlagenden Erfolg.

Zu den «Boyz» gehört auch Medikamenten Manfred, ein ähnlich feingliedriger Bube, über den aber bislang nicht viel in Erfahrung zu bringen war. Aufgrund seines Namens darf man annehmen, dass er mit seinem Kollegen dieselbe Vorliebe für Opiate teilt. Genauer: für Codein. Ein Stoff, der im Opium enthalten ist und in geringem Masse in Hustenmedikamenten vorkommt. Die Namen der «Boyz» sind Referenzen an die Hip-Hop-Strassendroge, den «Purple Drank». Unter Rappern ist das lila Gemisch aus rezeptpflichtigem Hustensirup und Limonade besonders in den US-Südstaaten verbreitet. Lil Wayne etwa erlitt im März 2013 eine Überdosis und wurde hospitalisiert.

«Das Leben ist hart, aber du musst es on keepen»

Hustensaft Jüngling besitzt also Szenenkenntnis. Und er weiss auch: Bekanntheit erlangt man heute nicht zwingend durch Können. Auch Money Boy ist bei Freestyles wiederholt durch Talentlosigkeit, dafür in Interviews mit einer umso grossmäuligeren Attitüde aufgefallen.

Dazu gehört auch dessen Angewohnheit, Sätze mit englischen Ausdrücken anzureichern, wenns sein muss nach deutscher Grammatik konjugiert. Eine Marotte, die er auch seinem Schützling mitgab. «Das Leben ist hart, aber du musst es on keepen», riet Hustensaft Jüngling kürzlich seinen Anhängern.

Und wie er twittert, so reimt er auch: «Ich bin so ein Hot Boy und wir rauchen Pot, Boy», stottert er im neusten Track «Bang Bang». Oder: «Ich bin ein cooler Boy, Alter, wie ein Schneemann / Ich und meine Boys verkaufen Schnee, Mann.» Im dazugehörigen in seiner Amateurhaftigkeit kaum zu überbietenden Video schlenkert er vor einem Gefängniszaun mit den Armen und übt mit einer Gun in der Hand fürs richtige Gangsterleben.

Ein unbezwingbares Ego

Wie vor ihm Money Boy begegnet Hustensaft Jüngling der Lächerlichkeit mit einem unbezwingbaren Ego und macht dabei alles nur noch schlimmer. Selbst- und Fremdbild klaffen so sehr auseinander, dass es beschämend wirkt. Aber es ist auch ehrlich. Weil Hustensaft Jüngling und Money Boy die Selbstüberschätzung in ihrer ganzen Komik verkörpern, sie ausstellen. Ob sie nun wissen, was sie tun, oder eben nicht.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.01.2015, 13:43 Uhr

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Money Boys «Dreh den Swag auf»

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