Eldorado FM halten die Hip-Hop-Fahne hoch

Das neue Album der Schweizer Mundart-Rapper ist erfrischend authentisch.

Bern-Solothurn-St.-Gallen-Gespann: Eldorado FM. Foto: PD

Bern-Solothurn-St.-Gallen-Gespann: Eldorado FM. Foto: PD

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Mundart-Rap, der muss, bitte schön, ganz angenehm, kultiviert und freundlich daherkommen. Geistreich bitte auch. Und Worte wie «Schnäbi» und «Mueterficker» sollte man tunlichst vermeiden. Die einen wünschen ihn sich erwachsener, die anderen stupider. Und die Medien – da haben die Mitglieder des Bern-Solothurn-St.-Gallen-Gespanns Eldorado FM in ihrer stets vorgebrachten Kritik wohl recht – wollen ihn möglichst nicht «klischeebehaftet». Dabei hat vieles, was sich von diesen angeblichen Klischees entfernt, einen sonderlichen Beigeschmack. Wer will schon zahmen Rap?

Am besten foutiert man sich als Künstler um Erwartungen und arbeitet hart und beharrlich an dem, was nach wie vor Gültigkeit hat, nämlich an den Fertigkeiten. So wie Dezmond Dez, Tommy Vercetti, Manillio und CBN, die vier Mitglieder der Gruppe, die sich in den letzten Jahren mit grosser Ernsthaftigkeit ihrer Aufgabe als Rapper gewidmet haben. Fünf Mixtapes unter dem Namen Eldorado FM sind erschienen, dazu waren die Mitglieder auch in verschiedenen Konstellationen aktiv.

Eloquent und verspielt

Doch es scheint, dass all das vor allem Sparring war. Trainingseinheiten auf dem Weg ins Eldorado, das sagenhafte, mythische Goldland, manifestiert durch das Album «Luke mir si di Vater». Etwas dick aufgetragen ist es schon, wenn Tommy Vercetti mit seiner aufgekratzten Aussenseiterstimme zum Schluss im Stück «Di Vater» die ganz grosse väterliche Umarmung inszeniert. Ja, sie sind pathetisch, ironisch, hochnäsig und arrogant, eloquent, manchmal zu verstiegen, manchmal zu insiderisch, manchmal auch zu spielerisch in ihren Wortspielen, und immer wieder von einem unbändigen Zeilenfülldrang getrieben. Aber es ist genau diese «Wir erlauben uns das»-Haltung, die das Album zum besten Mundart-Rap-Release seit langem macht.

Und dann gibt es noch diese Momente wie in dem Stück «Wartsaal», in denen der sonst rotzig bis neunmalklug wirkende Tonfall des zum Zürcher assimilierten Ostschweizers Sinan Stäheli alias CBN in die Wehmütigkeit kippt: «Ich sitz scho lang, ich sitz scho so lang i dem Wartsaal, i dem Wartsaal zu dir» sprechsingt er da. Hier sind wir dann – und ohne die hehren Regeln des Rap zu verletzen – nahe beim Pop. «Ab und zue stricht d Ziit üüs e chli Glück ufs Brot», würde Manillio das in Worte fassen. Gibt es noch so etwas wie eine Fahne, dann wird sie hier hochgehalten. Mitsamt ­aller Kauzigkeit ihrer Träger.

Eldorado FM: Luke mir si di Vater.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2015, 19:12 Uhr

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