Entertainer mit Deppenmütze

Der Kanadier Mac DeMarco spielte gestern in der Roten Fabrik seine brillanten Gitarrensongs. Ausgelassenheit machte sich aber nur zögerlich breit.

Mac DeMarco singt «Still Together» (26. September 2014).


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Montage seien ein Problem. Weil da niemand eine Party feiern wolle, raunte Mac DeMarco in einer aufgesetzten Bösewichtstimme ziemlich zu Beginn seines Konzertes im vollen Clubraum der Roten Fabrik. Und vielleicht lag es ja auch am Wochentag, an der zu kleinen Bar oder auch an der am Ende einer langen Tournee fast zu gut eingespielten Band, dass die grosse Ausgelassenheit im Publikumsraum lange Zeit fehlte.

Denn dass diese rasch eintritt, wurde allgemein erwartet beim Auftritt des kanadischen Twentysomething mit der Deppenmütze und der charmantesten Zahnlücke der Pop-Gegenwart, der ausser Flausen brillante Songs im Kopf hat. Songs, die eigenartig den keimfreien Jacht-Rock von Steely Dan mit der Naivität von Jonathan Richman kreuzen und die sein drittes Album «Salad Days» zu einer der besten Platten des ausgehenden Jahres machen.

Hosenscheisserwitze und Teenager-Angst

Diese prägte denn auch das einstündige Set von DeMarco, der immer mal wieder herzliche Hosenscheisserwitze reissen durfte, die in einen Farrelly-Brothers-Film Marke «Dumb and Dumber» wunderbar reinpassen würden. Doch unbeschwert sind seine sehr genau und konzentriert gespielten Jangle-Gitarrensongs selten, fast immer strahlen die Miniaturen einiges an Teenager-Angst und der Sehnsucht nach trauter Zweisamkeit aus – wie im Slow Dance «Still Together», bei dem Mac DeMarco den riskanten Montagssprung ins doch noch partyselige Publikum wagte und sich crowdsurfend durch die vorderen Reihen bewegte.

Manchmal musste ers aber auch rauslassen, das uncoole Virtuosentum, das dieser unwahrscheinliche Entertainer auch kann – etwa bei einem seifigen Ausflug ins Prog-Rock-Fach wie auch in der Zugabe: DeMarco und seine drei Begleiter gaben eine durchaus heavy Parodie von Metallicas «Enter Sandman». Eine Parodie, wie sie nur von Fans stammen kann. Was für ein Spass. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 02.12.2014, 11:38 Uhr

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