«Fette, tanzbare Avantgarde»

Der Berner Produzent Marcel Kägi bringt die «unbedingte Freshness» auf den Dancefloor – und ist Teil der Band Jeans for Jesus, die eben ihren Sommerhit «Estavayeah» veröffentlichte.

«Fette, tanzbare Avantgarde»: Marcel Kägi.

«Fette, tanzbare Avantgarde»: Marcel Kägi. Bild: zvg

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Marcel Kägi hat schon als Jugendlicher mit dem Produzieren von elektronischer Musik angefangen. «DJ KG bringt den alternativen Sex-Appeal und die unbedingte Freshness zurück auf den Dancefloor. Ich bin Fan», sagt Kutti MC über den Produzenten und DJ, der für dessen erste Tour die Live-Umsetzung arrangierte. Ausserdem ist Marcel Kägi Teil der Berner Band Jeans for Jesus, die Ende August ihr erstes «kurzes, mysteriöses Konzert in der Lorraine» geben wird. Am 1. August legt er in der Turnhalle auf und lanciert ab November zusammen mit Rico Baumann die «KG & Morricone Clubnight» im Sonarraum.

Man findet im Internet nur Schnipsel über Sie, dabei sind Sie als Produzent und DJ sehr umtriebig. Warum haben Sie keine Webseite?
Das ist pure Unprofessionalität. Ich mache lieber einfach Musik, anstatt im Internet irgendwelche Profile zu erstellen und meine Musik zu beschreiben . . .

. . . die von anderen als eine Mischung aus exotischen Stilen wie Dub, Baile Funk, Cumbia oder Baltimore Club definiert wird. Haben die Berner überhaupt Rezeptoren für diese Art von Musik?
Mich machen derartige Aufzählungen nie besonders glücklich, weil sie stets unvollständig sind. Ich habe auch schon poppige Musik produziert, zum Beispiel für Open Season. Aber Sie haben schon recht, insbesondere wenn ich auflege, mag vieles komisch klingen, wenn man es zum ersten Mal hört. Mir hat sogar schon mal jemand ein Weinglas ans Bein geworfen. Ich lege am liebsten an kleinen Orten auf, wie im Sonarraum im Progr. Hier gibt es eine Nähe zum Jazzpublikum, das offen ist für musikalische Überraschungen.

Und wie tanzt man dazu?
Ich persönlich mag keinen Techno mit 130 Beats per Minute. Ich mag viel lieber langsamere Musik wie Hip-Hop und Dubstep, weil das mehr Leere bietet, das finde ich tanzbarer. Auch die aktuelle Popmusik ist total überproduziert, nicht mehr dynamisch. Ich persönlich mochte immer abgefahrene Musik, die extrem ist, aber trotzdem musikalisch und ästhetisch.

Sie sind als Produzent Teil der neuen Berner Band Jeans for Jesus, die in New York gegründet wurde. Was haben Sie dort gesucht?
Wir waren alle unabhängig voneinander da, ich wegen meines Jobs, die anderen waren in den Ferien. Wir haben uns zufällig getroffen, das war sehr mysteriös. Für die Musik ist das aber gar nicht so wichtig, das ist einfach eine Story. Wir alle fanden die Schweizer Musikszene nicht besonders inspirierend und suchten etwas Neues. Ich finde die Idee sehr interessant, dass man ästhetische Musik mit berndeutschen Texten macht, die sich aber nicht schweizerisch anhört.

Auch das Video zur ersten Single «Estavayeah» kommt sehr unschweizerisch daher, nicht nur wegen der vielen exotischen Früchte.
Vielleicht weil nur wenige Leute in der Schweiz grafische Musikvideos machen. Eher unschweizerisch ist auch, dass es die Single mit vier Remixes gratis auf unserer Website gibt.

«Estavayeah» ist ein Sommerhit mit einem schattigen Text. Inwiefern war das beabsichtigt?
Nicht wirklich. Unser Album erscheint Anfang Oktober, und die meisten Stücke haben wir im Winter geschrieben, und die sind oft wehmütig und langsam, viele Balladen. Der Text von «Estavayeah» ist nicht fröhlich, aber wir wollten etwas für den Sommer haben, das mehr abgeht.

Als KG & Morricone produzieren Sie zusammen mit Rico Baumann zum Teil sehr komplexe musikalische Gebilde. Welche Rolle spielt da der Zufall?
Wenn wir produzieren, spielen wir ohne Metronom und schalten auch die Raster im Computer aus. Wir haben keine klare Idee im Kopf, sondern wir probieren aus, bis wir es gut finden. Ab Oktober lancieren wir im Sonarraum die «KG & Morricone Clubnight», wo wir selber auftreten werden, aber auch andere Musiker einladen. Hier wollen wir spielen, was wir selber in den Clubs vermissen: fette, tanzbare Avantgarde. (Der Bund)

Erstellt: 25.07.2013, 17:56 Uhr

Jeans for Jesus: «Estavayeah»

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