Fliegende Füsse und kreisende Becken

Juke Dancing löst in Chicago unter den Teenagern Begeisterungsstürme aus. Der Tanzstil könnte eine neue Jugendkultur begründen.

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«Ein Rat an jeden, der darüber nachdenkt, die Geschichte der Dance-Musik Chicagos niederzuschreiben: Sie ist noch nicht vorbei.» So äussert sich die «Chicago Time Out» über die neuste musikalische Errungenschaft der US-Metropole mit dem Namen «Juke Music».

Chicago gilt als Heimatstätte der House Music, welche Mitte der Achtzigerjahre erstmals in den Lokalen der US-Metropole erklang. Es handelte sich um die erste rein elektronische Tanzmusik. Heute gehört die auf einem gleichmässigen, schnellen Rhythmus basierende House Music zum Stammrepertoire der meisten Clubs. Auch Juke Music wird rein elektronisch produziert, die Beats sind monoton und sehr schnell, die melodiösen Einschübe sind kurz und meist Samples von TV-Show-Erkennungsmelodien oder Chartsongs.

Der Tanz macht den Erfolg aus

Noch spektakulärer als der Musikstil selbst sind die typischen Tanzbewegungen zur Juke Music. Tänzer waren sogar der Auslöser für den Erfolg des neuen Musikstils. In selbstgedrehten Videoclips auf Youtube zeigten die meist afroamerikanischen Jugendlichen der Welt, wie Juke Dancing funktioniert – und schafften den Durchbruch. In Europa ist es vor allem England, das den neuen Musik- und Tanzstil bereits adaptiert hat.

Juke Dancing basiert vor allem auf der Fussarbeit. Während der Oberkörper mehr oder weniger verharrt, ist vom Becken abwärts voller Körpereinsatz gefragt. Die Füsse der Juke Dancer bewegen sich mal langsamer, dann wieder rasend schnell, mal tanzen sie in der Hocke und dann wieder aufrecht. Juke Dancing funktioniert zu zweit, in Gruppen oder alleine, immer messen sich die Tänzer in Battles. Unter ihnen sind, wie die Videos zeigen, nicht nur Sportlertypen vertreten: Geschlecht, Körpergrösse und –bau spielen beim Juke Dancing keine Rolle.

Juke für alle

Und vielleicht ist es genau das, was die Juke-Szene ausmacht: Jeder kann mitmachen, jeder kann dazu gehören. Es gibt unzählig viele moderne Tanzstile auf der Welt, von denen die meisten so schnell verschwinden, wie sie auch gekommen waren. Nur wenige bleiben in den Köpfen der Leute hängen und gehen nicht mehr vergessen - Breakdance ist ein typisches Beispiel dafür. Juke Dancing hätte das Potenzial, zu einer neuen Jugendkultur heranzureifen. In Chicago jedenfalls ist es unter den Teenagern schon so populär, dass der Hip-Hop fast vergessen geht. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.09.2010, 10:23 Uhr

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