«Ich hatte keine Ahnung von Musik»

Ein Schweizer in Berlin macht eine neue Art von Schlager. Dagobert gibt im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet Auskunft über sein Leben, seine Musik und sein Verhältnis zu den Scorpions.

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Dagobert, machen Sie eigentlich Schlager?
Das mit diesen Begriffen, das ist wohl eher etwas für Journalisten (lacht). Aber man muss den Leuten ja erklären, was man macht, und meine Musik ist nicht so weit weg vom Schlager – es ist aber sicher kein traditioneller Schlager.

Für wen machen Sie Musik?
Meine Musik kann jeder verstehen, egal wie alt und woher, das sind relativ einfache Liebeslieder. Ich gebe mir immer viel Mühe, die so einfach zu halten, dass sie jeder versteht. Ob es einem dann auch gefällt oder nicht, ist etwas anderes, aber gerade auf Konzerten funktioniert es eigentlich nicht schlecht.

Wie haben Sie Ihren musikalischen Stil gefunden?
Ich hatte keine Ahnung von Musik und habe dann relativ primitiv angefangen, mit Eintonmusik. Wenn ich mal einen Akkord hatte, habe ich den fünf Minuten lang wiederholt. Nach ein paar Jahren hatte ich meine Lieblingsakkorde gefunden sowie die konventionellen Songstrukturen entdeckt und fand, dass die nicht schlecht sind. Meine Arrangements hatten auch viel mit meinen begrenzten Möglichkeiten zu tun, ich hatte nur einen Synthesizer. Ich habe nie probiert, jemanden nachzuahmen, und darum ist es eher eigen geworden.

Und dann haben Sie dazu passend Ihre Mode entworfen?
Nein, das ist eher zufällig passiert. Ich gehe nie Kleider kaufen, habe aber eine Schwägerin, die Schneiderin ist. Sie macht immer Kleider für mich und hat also meinen Stil erfunden. Ich habe ihr auch gar nie reingeredet.

Haben Sie keine Vorbilder?
Nicht wirklich. Der einzige Mensch, bei dem ich sagen würde, so wie er wollte ich mal sein, wäre wohl Bela Lugosi. Doch die Musik, die ich höre, kann man absolut nicht als Vorbilder bezeichnen, weil es etwas ganz anderes ist. Zum Beispiel die Scorpions, eine meiner ersten Lieblingsbands: So wie die will ich definitiv nicht sein.

Wie schreiben Sie Ihre Texte?
Meine Songs sind alle als Liebesbriefe zu verstehen. Jedes Lied habe ich geschrieben für eine Frau. Und wenn ich nichts zu sagen habe, dann schreibe ich auch nicht. Ich habe jetzt seit fast einem Jahr kein Lied mehr geschrieben, aber wenn gefühlsmässig wieder etwas los ist, dann geht es schnell. Ich habe auch viel Vorrat. Es hat ja lange gedauert, bis mein erstes Album letzte Woche endlich herausgekommen ist.

Sie singen ausschliesslich Liebeslieder?
Ja , von dem komme ich nicht mehr weg. Ich kann nur Liebeslieder. Ansonsten fallen mir einfach keine Texte ein, ich habe es auch schon probiert. Ich bin nicht so der Schriftsteller, ich habe keine grosse Fantasie. Ich kann nur Texte schreiben, wenn ich verliebt bin.

Auf Youtube fragt ein Kommentar zu Ihrem Porträtfilm: «Ist das ein fiktiver Kurzfilm oder eine echte Dokumentation?» Haben Sie keine Angst, zu sehr als Kunstfigur rüberzukommen?
Nein, ich weiss ja, was ich mache. Die Reaktionen, die zum Teil ein wenig ungläubig sind, überraschen mich nicht. Es gibt viele Leute, die sehr künstlich auftreten. Ich bin keiner von denen, auch wenn man das auf den ersten Blick nicht unbedingt sieht. Aber wenn man sich ein wenig mehr mit mir befasst und meine Musik hört und mir auch noch Zeit gibt, mehr zu liefern, dann werden keine grossen Fragen mehr offen sein.

Dann haben Sie auch schon in zwei Filmen von Klaus Lemke mitgespielt... ...nicht ganz. Ich hatte in einem Film («Berlin für Helden») eine kleine Nebenrolle, und dann hat er mir die Hauptrolle für seinen nächsten Film («Kein grosses Ding») gegeben. Den haben wir auch gedreht auf Fuerteventura, aber der wird nie herauskommen, der ist im Müll gelandet.

Warum denn das?
Wir haben gar nie gross darüber geredet, der dreht ja ständig irgendetwas. Ich fand ihn eigentlich ganz lustig, aber ihm gefiel er offenbar doch nicht (lacht). Aber wir haben trotzdem ein gutes Verhältnis.

Sie wollen nicht mehr in diese Richtung machen, Schauspielerei?
Nein, gar nicht. Ich sehe mich überhaupt nicht als Schauspieler. Wenn, dann könnte ich nur mich selber spielen. Eigentlich will ich lieber einfach Musik machen.

Was haben Sie eigentlich für ein Verhältnis zur Schweiz, Ihrem Heimatland?
Ich bin nicht mehr so oft da. Meine Familie wohnt noch in der Schweiz, aber sonst kriege ich eigentlich wenig mit. Bevor ich nach Berlin gezogen bin, habe ich ja fünf Jahre alleine in den Bergen gelebt, in Panix im Bündnerland – das habe ich in bester Erinnerung. Bald werde ich im Rahmen meiner Tour wieder mal in die Schweiz kommen.

Erstellt: 23.04.2013, 10:11 Uhr

Dagobert

Dagobert, mit vollem Namen Dagobert Jäger, wurde 1982 geboren und wuchs im Kanton Aargau auf. Nach dem Gymnasium hauste er ein Jahr lang im Proberaum von Freunden, wo er seine Musik erfand. Mit einem ersten Demo gewann er einen Preis, was ihm einen Aufenthalt in Berlin ermöglichte. Danach zog es ihn für fünf Jahre in die Berge, er lebte abgeschieden in Panix in Graubünden. Seit zwei Jahren wohnt er wieder in Berlin. Sein erstes, selbstbetiteltes Album ist vor kurzem erschienen.

Dagobert: Ich bin zu jung

Filmporträt von Alejandro Bernal Rueda

Dagobert: Dagobert. Buback Tonträger/Universal Music. Erschienen am 12.4.13.

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