«Ich lasse mich nicht unterkriegen»

Sie gewann 1956 den ersten Songcontest und ist bis heute die einzige Schweizerin, der das gelang: Lys Assia. Jetzt wird die Sängerin 90 Jahre alt.

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Die Grande Dame de la Chanson hat am Montag Geburtstag. Das Spital, in dem sie seit einem Sturz liegt, gibt ihr dafür einen Tag Heimurlaub. Zum Feiern sei sie aber nicht aufgelegt, sagte die gebürtige Aargauerin der Nachrichtenagentur sda - «so einbandagiert wie eine Mumie». Immerhin gehe es ihr besser. «Wissen Sie, das war ja nicht geplant, dass ich so alt werde, das hat der Liebe Gott so gewollt. Ich mache einfach das Beste draus und lasse mich nicht unterkriegen».

Hartnäckigkeit ist ihr nicht abzustreiten : Zweimal versuchte Assia in den vergangenen drei Jahren an ihren Erfolg am Eurovision Song Contest (ESC) anzuknüpfen; einmal mit dem nostalgischen «C'était ma vie», einmal mit einer Kooperation mit den Berner Rappern New Jack («All In Your Head»). Beide Male wollte das Schweizer Publikum Assia nicht an den internationalen Wettbewerb schicken.

In musikalischer Hinsicht wurde es seither ruhiger um die Sängerin, die sich gerne und ausgiebig zu allem möglichen Themen in den Boulevard-Medien äussert. Dafür machte Assia etwa mit Seitenhieben gegen Schlager-Star Beatrice Egli, mit der sie 2007 am Finale des Grand Prix' der Volksmusik auftrat, von sich reden. An Promi-Events ist Lys Assia seit Jahren so unverzichtbar wie die obligaten Schönheitsköniginnen – dabei wissen die wenigsten, dass sie selber 1942 Miss Frankreich war.

Nachfolgerin von Josephine Baker

Lys Assia wurde am 3. März 1924 in Rupperswil AG geboren. Der Vater besass eine Spenglerei, die Mutter hatte adlige Wurzeln. Lys, die damals noch Rosa hiess, nahm als Kind Ballettunterricht, liess sich später zur Koloratursopranistin ausbilden und ging als Sängerin und Tänzerin ins Ausland.

Im Krieg tourte sie durch Frankreich, in einem Revue-Programm, das «Sourire de Suisse» hiess. 1942 erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag, 1948 ersetzte sie die berühmte Josephine Baker im Club Champs Elysées.

Eine Märchenkarriere

Im Jahr darauf entdeckte sie bei einem Besuch beim befreundeten Zürcher Komponisten Paul Burkhard die Noten von «O mein Papa», einem Lied aus der 1939 uraufgeführten Operette «Der schwarze Hecht». Assias Version wurde ein Welthit und sie selber zu einer der berühmtesten Schlagersängerinnen ihrer Zeit.

Sie gastierte in den Varietépalästen Europas, Nordafrikas, der USA und Südamerikas, hatte in Caracas und London eigene Fernseh-Shows, sang vor Queen Elizabeth II., Eva Perón und König Faruk und stand neben Weltstars wie Dean Martin und Marlene Dietrich auf der Bühne. Auf Anraten ihres Berufskollegen und Landsmanns Vico Torriani konzentrierte sie sich aber auf Deutschland, die damalige Hochburg des Schlagers. Dort hatte sie Hits wie «Arrivederci Roma», «Wenn die Glocken hell erklingen» und «Was kann schöner sein» (Que sera).

Ehren-Prix-Walo 2008

1953 heiratete sie den Zürcher Industriellen Henry Kunz, der schon 1957 verstarb. 1963 ging sie mit dem dänischen «Hotelkönig» Oscar Pedersen ihre zweite Ehe ein. Er taufte ihr zu Ehren ein Hotel in Lübeck «Lysia».

1995 begann eine Pechphase: Zuerst starb ihr Mann bei einem Autounfall, sie selber wurde verletzt. Im Jahr drauf musste sie sich einer Herzoperation unterziehen. 2004 wurde sie in ihrer Villa in Cannes überfallen und ihr Hund «Lucky» getötet. Damals war der Umzug an die Goldküste schon geplant, und er brachte ihr Glück. Den Höhepunkt bedeutete 2008 Jahr der Ehren-Prix-Walo. (sda)

Erstellt: 28.02.2014, 08:29 Uhr

Video

Ihr grosser Triumph: Assia am ESC 1956.

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