Ins Bauchfell statt ins Herz

Selten hat eine neue Berner Band grössere Erwartungen geschürt als die Gruppe Destilacija um den Akkordeonisten Mario Batkovic.

Mutwillige Unvernunft: Mario Batkovic und sein Monster Destilacija.

Mutwillige Unvernunft: Mario Batkovic und sein Monster Destilacija. Bild: zvg

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In derart musikfeindlichen Zeiten ist es ein Akt von mutwilliger Unvernunft, einen solchen Klangkörper in die Welt zu setzen: Zwölf Musiker stehen auf der Bühne, plus ein Butler und ein tipptopp gekämmter Gast-Rockabilly, 40 Personen sind insgesamt in das Projekt involviert, vom Pyrotechniker bis zum Destilliermaschinenbauer, als Texter und Songschreiber betätigten sich Berner Erhabenheiten wie Steff la Cheffe, Resli Burri, Bubi Rufener oder Reverend Beat-Man.

Der Baumeister dieses wunderbaren Irrsinns heisst Mario Batkovic, ein hochbegabter Akkordeonist, der als Autodidakt am Konsi Bern stracks zum Musterschüler aufblühte und sich später in der Gruppe Kummerbuben Street Credibility verdiente. Destilacija heisst sein Monster, das erst einen Auftritt zum Abschluss des diesjährigen Gurtenfestivals auf dem Kerbholz hat. Doch im Nacken fuchteln honorige Förderer, und die Erwartungen der versammelten Berner Musikszene in die Band sind exorbitant. Der Auftritt im gut frequentierten Dachstock zeigt, was von diesem Grossprojekt zu erhoffen ist, aber auch wo die Problemzonen liegen.

Clash der Kulturen

Und wie er schallt und hallt, dieser Klangkörper! Sechs Bläser schmettern clever arrangierte Sätze in den holzigen Hörsaal, gedoppelt von Stromgitarre und elektrischem Bass, eine Wucht generierend, wie man sie auch von ausdrücklich grobschlächtigen Rockcombos nur selten vernimmt. Dazu gibts Batkovic als Akkordeonist, Batkovic als Gitarrero, Batkovic als nervöser Publikumsanimateur und Batkovic am Frontmikrofon.

Letztere Rolle habe er nie gesucht, gesteht er nach dem Konzert, er habe bisher schlicht keinen Sänger gefunden. Die Suche müsste weitergehen, als Sänger wirkt Mario Batkovic etwas gar undezent. Er habe seine Identitätsfindung mit Destilacija in die Musik verlängert, hat Mario Batkovic einst gesagt, entsprechend diffizil ist es, einen roten Faden zu finden. Wenn schon Kulturen-Clash, dann richtig, und warum anklopfen, wenn sich die Türe auch gleich einreissen lässt.

Im Angebot ist: Ska-Polka-Jazz-Doom-Metal-Blaskapellenmusik-Beromünsterfolklore-Disco-Funk-Jugo-Schweinerock-Balkangestampfe. Wunderprima alles, was da aus dieser Destilacija-Maschine sprüht, nur eines gibts in diesem Gebräu noch nicht: den Song, der einen nicht nur im Bauchfell, sondern tief im Herzen berührt, ein Lied, das einen auf den Nachhauseweg begleitet. So funktioniert Destilacija als Party-Band ganz prächtig, bis zum Studiotermin im März gibts jedoch noch einiges zu tun. Mario Batkovic wirds richten. (Der Bund)

Erstellt: 28.11.2011, 13:04 Uhr

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