Kleine Frau, grosse Klappe

Die Rapperin Big Zis gibt ihr Bühnencomeback.

Machte 1998 ihre ersten Schritte als Rapperin: Big Zis, mit bürgerlichem Namen Franziska Schläpfer. Foto: Nicola Pitaro

Machte 1998 ihre ersten Schritte als Rapperin: Big Zis, mit bürgerlichem Namen Franziska Schläpfer. Foto: Nicola Pitaro

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Mit Sex, Humor und Selbstironie mischte sie in den Nullerjahren die Schweizer Musikszene auf. Und das gewaltig. Während Schweizer Hip-Hop-Macker angestrengt ihre amerikanischen Vorbilder imitierten, hielt sie der ganzen Szene den Spiegel vor. Sie rappte «Wasch los Wixer, laa min Arsch los» oder «Wo isch dä priv Simpel mit sim Siff-Pimmel, ah, är kifft deet hinde, dä gaht mir nöd dur d Finger». So etwas hatte man in der Schweiz noch nie auf Bühnen gehört. Die Musikkritiker jubelten, ihr zweites Album wurde im Nachrichtenmagazin «Facts» als das «erste rundum gelungene Schweizer Hip-Hop-Album» gelobt. «Fadegrad ausgelebte Emanzipation, voll aus dem Bauch gerotzt», so die «Bilanz».

Die Hip-Hop-Gemeinde war weniger begeistert von der kleinen Frau mit der grossen Klappe. «Ich bin sehr angeeckt, das war schon sehr anstrengend», sagt sie rückblickend. Wie ihr Kollege Bligg, mit dem sie 1998 ihre ersten Schritte als Rapperin machte und der ihren Bühnennamen erfand, galt sie in der Szene als Aussenseiterin. Früher habe sie viel Feindseligkeit erlebt, es sei auch mal eine Flasche auf die Bühne geflogen. «Ich war halt sehr aggressiv – und das kommt dann zurück.»

Alles andere als rotzig

Mittlerweile ist sie dreifache Mutter, das verändert die Perspektiven. Und so war es in den letzten fünf Jahren eher ruhig um die gelernte Zimmerin, die sich als Barfrau und Kinoticket-Verkäuferin in Zürich durchschlug. Zumindest musikalisch, zumindest öffentlich. Sie habe in der Zwischenzeit «heimlich Musik gemacht», sagt die 42-Jährige, die am Mittwoch im Vorprogramm von Arcade Fire zusammen mit Julian Sartorius und Beni06 ihr Bühnencomeback gibt. Im Herbst folgt dann endlich eine neue EP, produziert von Fred Hermann.

Im Gespräch wirkt Franziska Schläpfer, wie sie mit bürgerlichem Namen heisst, alles andere als rotzig, sondern freundlich und zurückhaltend. Sie stehe nicht wahnsinnig gern auf Bühnen, sagt sie, und vor einem so grossen Publikum wie im Hallenstadion habe sie überhaupt noch nie gespielt. Auch in der Zwischenzeit war sie zwar immer wieder auf Bühnen zu sehen, dann aber in politischer Mission. 2012 engagierte sie sich prominent im Komitee für das bedingungslose Grundeinkommen, «weil ich gern versuche, mir die Welt anders vorzustellen, als sie ist».

Obschon sie die Hip-Hop-Klischees meisterlich imitierte, ging es ihr nie in erster Linie um Hip-Hop, sagt sie. Was unschwer zu erkennen ist, wenn man ihre musikalische Entwicklung verfolgt hat. Big Zis deckte immer schon ein breites Spektrum ab, mit Elektro- und G-Funk-Nummern oder simpel minimalistischen Arrangements, die die Wirkung ihrer Texte verstärken. «Ich schreibe einfach gern. Ich würde auch singen, aber ich kann nun mal einfach besser rappen», erklärt sie. Das wird sie auch am Mittwoch im Hallenstadion zeigen – unerhört wie eh und je.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.06.2018, 18:31 Uhr

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