König des Rap

Kendrick Lamar ist als erster Rapper mit dem Pulitzerpreis geadelt worden. Und zeigt, was diese Musikform eigentlich könnte...

Der 30-jährige US-Musiker bekommt die Auszeichnung für sein 2017 veröffentlichtes Album «Damn». Video: TA/Reuters

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Bei den Grammys wurde er in der Kategorie Album des Jahres von einem gut gelaunten Zwerg ausgestochen. Nach der Meinung der meisten Fans und Kritiker hätte der Überflieger des Hip-Hop es längstens verdient gehabt. Doch sein drittes Album «D.A.M.N.», erschienen im August 2017 und bahnbrechend wie die beiden vorhergehenden, ging wieder leer aus. Ausgezeichnet wurde stattdessen die musikalische Frohnatur Bruno Mars.

Dafür nun das: Am Montag gab das Pulitzer-Komitee die Sensation bekannt: «D.A.M.N.» wird mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet. Damit ist Lamar der erste Rapper, der mit dem Pulitzerpreis geadelt wird und der erste Musiker, der weder klassische noch Jazz-Musik macht.

Video – Kendrick Lamar: «DNA» Ein Track aus dem preisgekrönten Album «Damn». Video: Youtube/KendrickLamarVevo

Aber Lamar ist auch wirklich ein Phänomen: In der Szene wird er seit seinen ersten Mixtapes als Überflieger gefeiert, er verbindet musikalische Avantgarde mit sozialkritischen und politischen Texten, vorgetragen im charakteristischen, hypnotischen Lamar-Flow, mit einer Stimme, die eher sanft und weich tönt denn aggressiv und protzig. Während andere Rapper den Tod von Hip-Hop besingen und in Deutschland frauenfeindliche und geschmacklose Proll-Rapper ausgezeichnet werden, steht Lamar für die Ehre des Genres. Als Chuck D. von Public Enemy das damals noch neue Rap-Genre als «CNN der Schwarzen» bezeichnete, hätte er sich eine solche Entwicklung wohl nicht träumen lassen.

Geboren und aufgewachsen ist Kendrick Lamar in Compton, dem berühmten Problemviertel der kalifornischen Millionenmetropole Los Angeles, wo in den Achtzigern und Neunzigern der West-Coast-Hip-Hop entstand: Dr. Dre, Snoop Dogg oder Tupac Shakur sind denn auch die Helden, auf die sich der 1987 geborene Lamar beruft.

Auch seine Attitüde hat er bereits gefunden, als er mit 16 sein erstes Mixtape herausgibt: Noch nennt er sich K.Dot, Funktion: «Youngest Head Nigga in Charge». Prophetische Worte des jungen Musterschülers aus Compton. Mit ein paar Kumpels gründet er das Kollektiv Black Hippy, und schon seine ersten Auftritte in und um Los Angeles erzeugen Buzz: Mit diesem Kid ist zu rechnen. Schon vor seinem Debütalbum arbeitet er mit den Grossen der Branche zusammen und wird mit Lob überhäuft.

Lamar gilt als bester lebender Rapper, oder wie er sich selbst nennt: King of New York.

Dass er der Vorschusslorbeeren würdig ist, beweist er 2011 mit seinem Debütalbum «Section 80», nur digital auf einem Independent-Label veröffentlicht, aber weltweit von der Kritik beachtet. Ein Jahr später folgt das Konzeptalbum, «Good Kid, M.a.a.D City», voller Jazz- und Funk-Einflüsse sowie Spoken-Word und Poesie. Kendrick Lamar, der in seinen frühen Jahren zu rappen versuchte wie Jay-Z, hat inzwischen auch seinen eigenen Stil, eine eigene Stimme gefunden. Seither gilt er als unumstrittener Leader der neusten Hip-Hop-Generation, bester lebender Rapper, oder wie er sich selbst nennt: King of New York.

King of Hip-Hop, das ist er nun ganz offiziell, nicht nur zur Freude seiner Fans, sondern auch zur Freude des Kritikergremiums, das ihm den Preis verliehen hat, wie Sprecherin Dana Canedy sagte. Der Entscheid sei einstimmig gefallen, und man sei sehr glücklich damit. Zahllose Fans weltweit dürften sich diesem Urteil anschliessen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2018, 12:56 Uhr

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