Mamma Mia, ein Comeback!

Sie waren die letzte Bastion gegen den popmusikalischen Reunion-Wahn. Jetzt haben sich auch Abba nach 35 Jahren wiedervereint. Jedenfalls ein bisschen.

Abba stürmten 1974 mit «Waterloo» sämtliche Charts. Foto: Keystone

Abba stürmten 1974 mit «Waterloo» sämtliche Charts. Foto: Keystone

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Gestern liessen Abba auf ihrem Instagram-Account verlauten, dass sie sich für zwei neue Songs wiedervereint hätten. Der Hintergrund: Das schwedische Quartett ist an einem Tourprojekt beteiligt, bei dem Hologramme ihrer selbst auftreten sollen. Die Entscheidung, bei diesem Projekt mitzumachen, habe un- vorhersehbare Folgen gehabt: «Wir alle hatten das Gefühl, dass es Spass machen könnte, nach 35 Jahren wieder gemeinsam ins Studio zu gehen», schrieben Abba. «Das war eine extrem erfreuliche Erfahrung. Es fühlte sich an, als seien wir bloss für kurze Ferien getrennt gewesen.»

ABBA mit «Waterloo» am Eurovision Song Contest 1974. Quelle: Youtube

Ungläubig reibt man sich die Augen. Hatten Abba nicht jahrzehntelang versichert, sie würden nie, auf keinen Fall und unter gar keinen Umständen wieder zusammenfinden? Im Jahr 2000 war die Versuchung vermutlich am grössten, als ein amerikanisch-britisches Konsortium der schwedischen Erfolgsband eine Milliarde Dollar dafür geboten hatte, wieder gemeinsam auf Tour zu gehen. Doch Abba lehnten ab. Mit gutem Grund.

Band hat sich nie aufgelöst

Gerade der Verzicht auf ein Comeback sei das Geheimnis ihres Erfolgs, sagten die Komponisten Björn Ulvaeus und Benny Andersson. Und: «Wir möchten, dass das Publikum uns als junge, dynamische Band in Erinnerung behält.» Tatsächlich schien ein Comeback in reiferen Jahren überflüssig. Bis gestern.

Bildstrecke: Die schwedische Pop-Gruppe kehrt zurück.

Wobei das mit Ferien ja fast stimmt. Abba hatten sich offiziell nie aufgelöst. Nach ihrer Riesenkarriere, dem Sieg beim Concours Eurovision de la Chanson 1974 («Waterloo») und 380 Millionen verkauften Tonträgern ging man ab 1982 privat wie künstlerisch getrennte Wege. Ulvaeus und Andersson produzierten Musicals, während ihre Ex-Gattinnen Solokarrieren starteten. Doch weder Agnetha Fältskog noch Anni-Frid Lyngstad konnten sich als eigenständige Sängerinnen etablieren. Lyngstad heiratete dann 1992 den deutschen Prinzen Heinrich Reuss von Plauen und wohnte mit ihm bis zu dessen Krebstod in Freiburg. Heute lebt sie abwechselnd in Zermatt und Südschweden.

Nun darf man darüber rätseln, ob die beiden neuen Songs jene Unverwechselbarkeit erreichen, für die Abba in den 70er-Jahren standen. Das waren simple, aber wuchtige Melodien, die von der Harmonie zwischen Fältskogs Sopran und Lyngstads Mezzosopran lebten. Einer der neuen Songs mit dem vielsagenden Titel «I Still Have Faith in You» soll im Dezember in einer TV-Sondersendung von NBC und BBC aufgeführt werden – allerdings nicht von Abba, sondern von deren Hologrammen. Da ist man dann fast wieder beruhigt, wenn das Quartett die Bühne (hoffentlich) seinen Kunstfiguren überlässt. Und sich jetzt einfach eine kleine Studioreunion gegönnt hat.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.04.2018, 22:10 Uhr

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