Mit den SBB nach Amerika

Bevor sie ihr neues Album veröffentlichen, präsentieren die Zürcher von The Legendary Lightness hier und heute ihren neuen Videoclip zu «Rocking Chair».

Popmusik in der Schwebe: «Rocking Chair» von The Legendary Lightness.


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Ein müder Mann fährt mit einem Zug der SBB, und dazu spielt eine gedimmte Popmusik. Später hat er seinen Mantel in einem kargen Zimmer abgelegt, vor dem es regnet, und wir folgen den dunklen Linien der Bassklarinette. «Die Melancholie», hat Daniel Hobi einmal gesagt, «ist nichts Schweres, sondern etwas Leichtes.» Und das ist auch jetzt wieder zu hören, in der neuen Single seiner Legendary Lightness, der zweiten des neuen Albums, das am 21. April erscheint.

Tatsächlich hat auch die Musik in «Rocking Chair» etwas Leichtes, Schwebendes, Traumverlorenes. Es ist, als singe Daniel Hobi hinter einem Schleier der Synthesizer, und dazu wird die Gitarre sanft geschrummt und der Beat auf leisen Sohlen vorwärtsgeschoben. Der Videoclip, der heute auf Tagesanzeiger/NewsnetzTagesanzeiger.ch/Newsnet zum ersten Mal zu sehen ist, spielt dazu die Geschichte dieses Mannes ein, der man nur assoziativ folgen kann, die sich der Bedeutung genauso entzieht wie der Bandsound.

Verstärkung am Groove

Daniel Hobi hat für den Clip selber Hand angelegt, und zwar am Kurzfilm «XI» des iranisch-schweizerischen Filmers Mehdi Sahebi aus dem Jahr 1999 (daher die Vintage-SBB-Lok), den er bearbeitet hat. Dieser schöne, melancholische Popsong steht damit der ersten Single des neuen Albums entgegen, dem im Februar veröffentlichten und im Vergleich geradezu griffigen Titelstück «April Hearts».

Das war die erste Single des neuen Albums: «April Hearts».

Wenn die neue Musik von The Legendary Lightness etwas ungewohnt klingt für diese Zürcher Band, die ihre ersten beiden Platten 2011 und 2013 herausgebracht hat, dann liegt das an ihrer neuen Besetzung. Der Schlagzeuger Dominic Oppliger hat die Gruppe verlassen, um sich um sein eigenes Projekt Doomenfels zu kümmern. Geblieben sind Dominik Huber (Piano, Gitarre, Gesang) und Dani Nievergelt (Bass, Gitarre), und neu dazu gekommen sind Kaspar Rast (Schlagzeug) und Sha (Bassklarinette), beide aus einer der bekanntesten Jazzgruppen des Landes, nämlich von Nik Bärtschs Ronin.

Neue Klangeffekte

Wobei es Jazz natürlich nicht ganz trifft, was Rast und Sha bei Ronin und erst recht jetzt bei den Legendary Lightness spielen. Vielmehr sind es minimale, repetierte Groove- und Melodiemuster, mit denen sie vor allem «April Hearts», aber auch andere Songs des neuen Albums etwas wegrücken vom Americana-inspirierten Indiepop, für den die Band bekannt ist. Manchmal sorgen die geschärften Grooves in Kombination mit gelegentlich nach wie vor countryesken Gitarren für einen eigenwilligen psychedelischen Effekt, welcher der Band sehr gut steht.

Doch trotz einer neuen Anmutung: The Legendary Lightness sind sich auch auf dem dritten Album treu geblieben – ihrer unaufgeregten Songsprache, ihrer gedehnten Melancholie. Und so erkennt man sie auch in «Rocking Chair» gleich wieder, diese Zürcher Band und ihre geträumte Gitarrenmusik. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.04.2017, 14:40 Uhr

The Legendary Lightness: April Hearts (Ronin Rhythm Records / Irascible). Das Album erscheint am 21. April und wird am 25. April im Zürcher Kaufleuten getauft. Schon vorher spielt die Band in Basel (21. April, Terrorsamba), in Nyon (22. April, La Parenthèse) und Schaffhausen (23. April, Tap Tab).

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