Nella Martinetti ist gestorben

Die Tessiner Sängerin und Entertainerin Nella Martinetti ist ihrem Krebsleiden erlegen. Die Schweiz verliert eine prominente Frohnatur, die die dunkeln Seiten des Lebens nur zu gut kannte.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Nella National» ist tot: Die Tessiner Sängerin und Entertainerin Nella Martinetti starb am frühen Freitagabend im Spital Männedorf ZH. Die 65-Jährige erlag einem unheilbaren Krebsleiden. Kurz vor ihrem Tod kaufte sie ein Urnengrab in Brissago.

Im Juni, wenige Wochen vor ihrem Tod, hatte Martinetti genug von der Chemotherapie. Sie setzte die Behandlung ab und sagte gegenüber der «Glückspost», sie sei bereit zu sterben. «Ich mag nicht mehr. Egal, wann der Tod kommt, ich empfange ihn.»

«Hoffentlich keine Wiedergeburt»

Kurz zuvor hatte sie auf dem Friedhof von Brissago ein Urnengrab gekauft. Brissago sei ihr Dorf, ihre Heimat. Dort habe sie die schönste Zeit ihres Lebens verbracht. «Ich habe nur eine grosse Hoffnung: Dass es keine Wiedergeburt gibt.» Sie wolle nicht nochmals auf diese Erde zurückkommen, weil sie in ihrem Leben «mehr geweint als gelacht» habe.

Die Krebsdiagnose erhielt sie 2009, aber auch in den Jahren zuvor machte «Bella Nella» die Gesundheit bereits zu schaffen. Martinetti litt an Fibromyalgie – einer unheilbaren Krankheit, die mit heftigen Schmerzen verbunden ist. Leben und Umgang damit schilderte sie in ihrem 2005 erschienenen Buch «Guten Morgen Schmerz!».

Ein Welterfolg für Céline Dion

Während Jahrzehnten verkörperte sie in der Öffentlichkeit das Bild der Ulknudel aus der Sonnenstube, der Frohnatur mit dem strahlenden Lachen. Geboren wurde Martinetti am 21. Januar 1946 in Brissago. Nach ihrer Ausbildung zur Kindergärtnerin konzentrierte sie sich auf die Musik.

In den Anfangsjahren sang sie vor allem Schlager. Der grosse Erfolg setzte erst ein, als sie sich auf Tessiner Volkslieder verlegte. Mit dem heute noch bekannten Ohrwurm «Bella Musica» errang sie 1986 beim ersten Grandprix der Volksmusik gleich einen dreifachen Sieg für Text, Komposition und Interpretation.

Tabletten, Depression und junge Männer

Neben eigenen Liedern schrieb sie auch Texte für andere Interpreten. Ein Welterfolg wurde «Ne partez pas sans moi», mit dem Céline Dion 1988 den Concours Eurovision de la Chanson (den heutigen Eurovision Song Contest) gewann. Schon 1981 hatten Peter Sue und Marc mit dem von Nella getexteten «Io senza te» einen Concours- Erfolg verbucht.

Irgendwann kam ihre Musikkarriere jedoch ins Stocken und sie versuchte, mit Skandalen im Gespräch zu bleiben. Der Öffentlichkeit wurde denn auch nichts vorenthalten: Über ihre zerbrochene grosse Liebe, ihre Tablettensucht, eine Abtreibung und ihre Depressionen redete sie ebenso offen wie über die Affären mit jungen Männern.

«Die ganze Schweiz lacht über mich»

Dazu kamen eine Modekollektion für Mollige (»nellabella») und mehrere Fotoshootings, bei denen sie ihre barocken Formen nur mit Früchten oder einem Seidentuch verhüllte.

Sie habe dies gemacht, weil sie süchtig nach Aufmerksamkeit sei. «Ich weiss sehr wohl, dass die ganze Schweiz über mich lacht», sagte sie vor drei Jahren im «Blick». Sie habe Fehler gemacht, zu oft Privates in die Öffentlichkeit getragen.

In den letzten Jahren wurde Nella Martinetti ruhiger und versuchte, wieder vermehrt mit ihrer Arbeit auf sich aufmerksam zu machen. Sie veröffentlichte ein Bastelbuch für Kinder und Erwachsene (»Basteln mit Nella Martinetti») und komponierte einen Song für die Schweizer Pfadfinder. Bis zu ihrem Tod lebte sie in Jona SG zusammen mit ihrer besten Freundin. (ami/sda)

Erstellt: 30.07.2011, 09:20 Uhr

Artikel zum Thema

«Ische di Nella!»

Die Tournee des Circus Knie ist eröffnet. An der Premiere traf Komiker René Rindlisbacher auf Sängerin Nella Martinetti. Und Satiriker Viktor Giacobbo fands lustig. Mehr...

Stars & Styles: Nella Martinettis Geständnis

Heute auf dem Boulevard: +++ Katie Holmes kreiert Scientology-Mode +++ Ashton Kutcher liest Hermann Hesse +++ Madonnas Bruder lässt kein gutes Haar an ihr +++ Mehr...

TV-Kritik: Alles ausser originelle Musik

Einen Protestsong für Radio Energy, viel Sex und Beni Thurnheer, der Nella Martinetti düpiert: «Die grössten Schweizer Hits» bot allerlei Allotria - nur bei den Songs haperte es natürlich. Mehr...

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Besuch aus der Heimat: Die Schweizergardisten im Vatikan stehen stramm, denn Bundesrat Alain Berset ist auf Visite. (12. November 2018)
(Bild: Peter Klaunzer) Mehr...