Nume easy näh

Sie erschufen einen Meilenstein der Schweizer Rapgeschichte und verschwanden kurz darauf von der Bildfläche. Jetzt, 15 Jahre später, erscheint das zweite Werk der Berner Hobbitz.

«Es war, als hätten die Fans von früher tatsächlich auf uns gewartet»: Kai Reusser (links) und Manuel Wiesmann.

«Es war, als hätten die Fans von früher tatsächlich auf uns gewartet»: Kai Reusser (links) und Manuel Wiesmann. Bild: zvg

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Sie waren jung, wild und schrien herum wie die Blöden. So jedenfalls erzählen es Manuel Wiesmann und Kai Reusser, wenn sie auf ihr Album «Bärn Räp Verträter» angesprochen werden. «Das machen unsere Stimmbänder nicht mehr mit», sagt Wiesmann, der unter seinem Künstlernamen Dimitri gemeinsam mit Kaiser das Duo Hobbitz bildet.

Man muss sich das so vorstellen: Für die Hobbitz gibt es ein Früher, dann kommt lange nichts mehr, und nun gibt es ein Jetzt. Das Gröbste fand aber in den Jahren 1999 bis 2003 statt. Damals, als die 20-jährigen Giele im Dunstkreis der Berner Über-Mannschaft Chlyklass eine Platte veröffentlichten.

Die Chlyklass, wie sich der Zusammenschluss von PVP und Wurzel 5 nennt, fiel auf durch semi-aggressive Machart, während die Hobbitz die Rap-Sache etwas entspannter angingen: Sie wollten einfach «e chly Musig mache» im Stil ihrer amerikanischen Vorbilder Das EFX und Busta Rhymes.

Der Harmlosigkeit angepasst

«Bärn Räp Verträter» mauserte sich zu einem Meilenstein des Schweizer Rap, völlig unerwartet, wie Dimitri und Kaiser betonen. Aber da war doch mehr dran, als nur ein tapsiger Versuch junger Herren, die auch mal rappen wollten: Lunik-Sängerin Jaël Malli liess sich auf eine Kollaboration ein («Wäge dir»), der hobbitzsche Sprechgesang war präzis, die Texte grösstenteils witzig, aber der Harmlosigkeit einer Schweizer Grossstadt angepasst: «I hane Frou, wo mir guet tuet / I kenne e Beiz, wo nie zue tuet / I mache Beats, wo vieli fett finde / Hanes chills Grossi in Wettinge / Meh bruchts nid». Rasch bildete sich eine Fangemeinde, und gemeinsam mit DJ Spiro absolvierten sie eine Handvoll Konzerte. Es folgte eine Zusammenarbeit mit der deutschen Plattenfirma Kopfnicker Records und ein Auftritt am Splash, einem der wichtigsten Hip-Hop-Festivals im deutschsprachigen Raum.

Und just, als der ganze Zirkus in Fahrt gekommen war, winkten die Hobbitz adieu. «Wir hatten irgendwie genug von der Szene. Davon, das Publikum immer animieren zu müssen, diese Frage-Antwort-Spielchen, wie sie im Hip-Hop eben üblich sind», sagt Kaiser und richtet sein New-Era-Cap. Und wegen der «Chöle» hätten sie es «sowieso nid gmacht». Auch da sind sich die Männer einig.

«Dieses Digedi-Zeugs»

Letzten Herbst ist «Schlicht und Ergrifend» erschienen. «Aus einem inneren Drang heraus, einfach wieder etwas zu machen», sagt Dimitri. Die Produktion lief gewohnt ungezwungen: Die Freunde trafen sich einmal die Woche und blickten irgendwann auf ein Bündel Lieder, die dann in Kaisers Heimstudio aufgenommen wurden.

Um zu prüfen, ob die alte Fangemeinde wieder mobilisiert werden könnte, eröffneten sie einen Facebook-Account – und staunten. «Es war, als hätten die Fans von früher tatsächlich auf uns gewartet. Das hat uns einen wahnsinnigen Schub verpasst», erzählt Dimitri. Bei ihrem alten Plattenlabel Sound Service reichten ein Anruf und ein paar Demoaufnahmen, um zu überzeugen. «Schlicht & Ergrifend» landete auf Platz 11 der Schweizer Album-Charts, und Radio Virus kürte die Platte zu einer der besten 14 des letzten Jahres.

Die neuen Stücke hören sich jazzig entspannt an, wohlwollende «Ah Yeahs» über gesellige Beats, die Raps sind triolig-flockig und die Texte, na ja, sie müssen nicht gefallen («Du tuesch immer so / Wie wede vo mir z weni hätsch / U bisch am Stöhne / Wie Froue amne Tennismatch»). «Der Inhalt ist bei uns weniger wichtig als die Form», erklärt Kaiser die Situation. Und Dimitri meint: «Wir fuhren immer auf dieses Digedi-Zeugs ab.» So wie etwa im Lied «Baknaffek», einem Track von Das EFX aus dem Jahr 1993: «Shippity bop / Well hot diggity / Where’s the iggity? / The bum siggity».

«Mir-gö-när-ga-shoppe-Musig»

Die Rap-Ästhetik von heute sei für die Hobbitz wenig interessant, versichert Kaiser. «Für mich ist das Ganze zu sauber, ein bisschen zu viel Plastik. Rap, wie wir ihn machen, besteht grösstenteils aus alten Samples und wenigen Synthie-Sounds.»

Aber einen bösen Rap haben auch sie, nämlich die wunderbare Parodie «Charremusig»: «Ds isch so I-ha-Gäud-verdient-mitem-Deale-Musig / Ds isch Mir-gö-när-ga-shoppe-Musig».

Für die Plattentaufe von «Schlicht und Ergrifend» hat das Duo eine Band angeheuert. Obwohl sie, wie die Hobbitz betonen, gerne mit DJs auftreten und die Beats ab Konserve laufen lassen. Wie früher halt. Dimitri und Kaiser machen vieles noch wie früher, auch wenn sie nicht mehr so herumbrüllen. Und sie haben die Geschwindigkeit heruntergeschraubt, aber nur um zwei BPM: von 90 auf 88 nämlich. (Der Bund)

Erstellt: 29.01.2015, 13:24 Uhr

Konzert

Dachstock Reitschule, Freitag, 30. Januar, 21.30 Uhr.

Video «Irgendeinisch»

Video «Zahlespieli»

Video «Wäge dir» (Bärn Räp Verträter)

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