Kolumne

Play/Listen: Gestorben wird immer

Gestern startete die SRF-Serie «Der Bestatter». Unsere Gastkolumnistin frönt heute Liedern für Leichenwäscher und Friedhofsgärtner. Können Sie ihr Paroli bieten? Der beste Beitrag wird prämiert.

Stimmen, die nach ihm rufen: Ian Curtis von Joy Divison (RIP).

Stimmen, die nach ihm rufen: Ian Curtis von Joy Divison (RIP).

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Erste Szene. Ein Sarg wird in den Leichenwagen geschoben, der Leichenwagen fährt los. Death Cab for Cutie spielen «Passenger Seat», beim vertraulich leisen «...as you are driving me home» singt der Fahrer mit. Auf dem Gehsteig fahren Kinder Trottinett, eine Frau wässert den Garten.

Zweite Szene. Auftritt des Bestatters im Neonlicht. Der englische Singer-Songwriter Ed Harcourt hat eine grossartige Nummer geschrieben über den Bestatter und seine Gehilfen, «Undertaker Strut», düster und beschwingt zugleich.

Down in the valley where the river flows
There's a man with a long black coat
Rain is falling and clouds that char black
On the coffin that starts to float

Umschnitt zum Friedhof, wo ein Mann im Unterhemd rhythmisch schaufelt, angetrieben von den Chemical Brothers und «Dig Your Own Hole», dem Titelsong ihres zweiten Albums. Bei der Bestattung ragt der hagere Priester aus der schwarzgewandeten Menge heraus. Es ist Nick Cave, und er singt «The Weeping Song», dieses einzigartige Rührstück aus Trauer und Trost. Tränen all over.

Gehören Albträume bei Bestattern zum Berufsrisiko? Sie liessen sich auf jeden Fall grossartig vertonen. In Joy Divisions «Dead Souls» singt Ian Curtis von Stimmen, die nach ihm rufen. Zwei Monate nach dem Release hat er sich erhängt. Auch Stoff für Angstschweiss sind «Buried Alive» von Boo-Yaa Tribe und «Pet Sematary» von den Ramones, der Titelsong zu Stephen Kings «Friedhof der Kuscheltiere», wo die Toten zurückkehren vom Leichenacker.

Bei der Eröffnung des letzten Willens schliesslich ist Raum für Exzentrik. «Begrabt mein iPhone an der Biegung des Flusses», so wie bei Peter Licht sollte ein letzter Gruss an die Zurückgebliebenen klingen, und sein Auto sei in die Wüste zu fahren und sein Fleisch zu verkaufen, verlangt er weiter, und zwar am billigen Stand.

Letzte Szene. Auf dem Friedhof harkt der Gärtner das Laub zu grossen Haufen zusammen. Erde zu Erde, Staub zu Staub, und der Rest auf den Kompost. Die Melodie zum Abspann kommt von den britischen Editors, der Song heisst «Bones»:

In the end all you can hope for
Is the love you felt to equal the pain
you've gone through.

Der Gärtner betrachtet zufrieden sein Werk und geht von dannen.



Welche Songs zum Thema fallen Ihnen ein? Vorschläge bitte unten eintragen. Der beste Beitrag wird mit einem Spotify-Premium-Account belohnt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.01.2013, 12:34 Uhr

Playlist

«Passenger Seat»

Play/Listen

In dieser Musikkolumne erstellen wir jeden Mittwoch eine neue Playlist, die auf spielerische Art neue und bekannte Musik präsentiert. Die Musikauswahl bezieht sich dabei auf ein bestimmtes Ereignis, es kann sich aber auch um Tipps von Prominenten oder unseren Redaktoren handeln.

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Autorin

Mona Vetsch ist Redaktorin bei Radio SRF 3 und moderiert auf SRF 1 den «Club».

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