Spontanes Verlieben

Eine kurze, aber magische Affäre: José González gastierte gestern mit seiner Band Junip im Plaza in Zürich.

Sympathische Präsenz und warmes Timbre: José González.

Sympathische Präsenz und warmes Timbre: José González. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Es passiert nicht allzu oft, dass man sich an einem Konzert spontan in die Band verliebt, doch bei Junip ist es geschehen. Und natürlich kann man dann, wie immer, wenns ums Verlieben geht, nur erahnen, nicht erklären, weshalb es passierte.

Mag sein, dass es unter anderem am Rehkitz lag, das die Gruppe aus Schweden als Bühnenbild wählte – ein Bild, das man als Symbol für die Verletzlichkeit des Lebens an und für sich deuten konnte, die in den Songs von Junip seit jeher das bewegende Thema ist – mal sentimentaler, mal drastischer. Wahrscheinlicher noch war der Liebes-Trigger aber das flüchtige Gefühl von Sucht nach Sehnsucht, das dieser Musik innewohnt, im Klangkörper wie im Geiste, und das sie ansteckend macht wie eine gutartige Krankheit.

Breite Instrumentierung

Da sich die Stammformation um Organist Tobias Winterkorn, Schlagzeuger Elias Araya und Sänger/Gitarrist José González für die aktuelle Tour mit drei weiteren Tasten- und Saitenspielern zum Sextett verstärkt hat, gewannen vorab im Krautrock gewachsene Arrangements wie «Black Refuge» oder «So Clear» im Vergleich zu den Albumversionen an Intensität und Kraft, sie erhielten aber auch eine satte Dosis Woodstock-Psychedelic, was ihnen hervorragend anstand. Nu-Folk-Stücke wie «Always» oder «Walking Lightly» dagegen offenbarten durch die breitere Instrumentierung bislang verborgen gebliebene Schrammen und Wunden, was den melancholisch skizzierten Sprachbildern noch mehr Dringlichkeit verlieh.

Hier getrieben und dort gezügelt wurde diese Magie aus Verve und Sound von einem grossartigen José González; der sympathischen Präsenz und dem warmen Timbre des unvergleichlichen Barden zu widerstehen, ist schlicht unmöglich – dass verliebt sein bisweilen ein wenig blind macht, ist einkalkuliert.

Die Affäre mit Junip dauerte knapp 70 Minuten. Sie endete mit einer aphrodisierenden Version von «After All Is Said and Done», die das Publikum, anders als der leider zu kühl abgemischte Überhit «Line of Fire», nochmals in Instant-Trance versetzte. Dann musste die Band gehen – nicht, weil sie wollte oder weil halt jeder Traum mal zu Ende geht, sondern weil im Plaza am Donnerstag noch eine Studi-Party anstand.

Erstellt: 03.05.2013, 15:53 Uhr

Junip: Line of Fire

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