Warum das Tanzen in japanischen Clubs verboten ist

In Japan verbietet das «Fueiho»-Gesetz das Tanzen. Das soll sich für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio ändern.

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Club Asia in Shibuya, Dienstagabend: Der Club ist voll, an der Bar stehen Menschen für die Getränke Schlange, direkt daneben davon legt ein DJ Musik auf. Drinnen findet die zweite Eliminationsrunde des «Red Bull Thre3style»-Contests statt, gerade zeigt Kut Real aus Albanien sein Können.

Wie überall auf der Welt wird geredet, gelacht, geflirtet, sogar geraucht. Nur beim Tanzen sind alle zurückhaltend, kein Wunder: Wer hier in Japan tanzt, der macht etwas Illegales. Das verbietet das «Fueiho»-Gesetz.

Änderung für Olympischen Spiele?

Das derzeit gültige Verbot stammt aus dem Jahre 1948 und wurde damals eingeführt, weil viele Amerikaner in Clubs Prostituierte beim Tanzen kennenlernten. Der Ursprung des Sittengesetztes allerdings liegt im 16. Jahrhundert, als der Fürst Kato Kiyomasa von einem Samurai, der getanzt hatte, verlangte, rituellen Selbstmord zu begehen.

Als im Januar 2010 in Osaka ein Student bei einer Schlägerei in einem Klub starb, berief sich der Bürgermeister auf «Fueiho» und schloss innert einem halben Jahr die wichtigsten Clubs der Stadt.

Auch viele Clubs in Tokio machten ihre Tore dicht oder operieren in einer Grauzone und machen bis Mitternacht Musik. 2020 kommen die olympischen Spiele nach Japan, und Fueiho-Gegner formieren sich unter dem Namen C4 (Club and Club Conference) und wollen das Gesetz aufzuheben. Derzeit wird eine Reform diskutiert, dass die Clubs auch nach Mitternacht Musik spielen müssen, aber dafür darf es in den Räumen nicht dunkel sein. Die Helligkeit ist ungefähr vergleichbar mit derjenigen in einem Kinosaal während eines Filmes.

Getanzt wird dennoch

Im Publikum im Club Asia ist auch DJ Koki anwesend. «Das Gesetzt macht einfach keinen Sinn, es ist komplett überholt», erklärt der 31-jährige Japaner, der mit bürgerlichem Namen Koki Sugiyama heisst. In Japan gibt es viele Musikfestivals, gerade läuft das Ultra, an dem während drei Tagen über 100'000 Besucher ewartet werden. «Wie will man da tanzen verbieten?», fragt sich Koki.

Der 31-Jährige trat am Tag davor im Club Oath auf und merkte keinen Unterschied am Publikum. «Das Einzige, worauf wir achten müssen, ist die Lautstärke, um die Nachbarschaft nicht zu stören. Wenn die Polizei kommt, ist die Party vorbei.»

Publikum tut es doch

Hinter den Plattentellern steht nun DJ Nez, der während seines 15-Minuten-Auftritts nicht zu überzeugen vermag. Das sieht man auch dem stehenden Publikum an.

Auf ihn folgt Charly Hustle. Der Kanadier bietet nebst seinem stimmigen Musiksets auch eine Performance, die das Publikum packt und die ganze Meute zum Tanzen bringt. Mit minimaler Mimik, einem ehrlichen Lächeln auf den Lippen und kraftvoller Gestik kommuniziert er mit seinen Zuhörern. Hustle, der mit seinem Set den Einzug ins Finale des «Red Bull Thre3style»-Contests schaffte, zeigt: Tanzen lässt sich nicht verbieten.

Im Finale steht nebst Charly Hustle auch DJ Byte aus Chile. Ob der Bieler DJ Wiz den Einzug ebenfalls schafft, lesen Sie am Freitag an dieser Stelle.

Erstellt: 17.09.2015, 12:29 Uhr

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