Sommerhit-Projekt

«Warum sind wir nicht in der Hitparade?»

Die Kulturredaktion von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wollte mit dem Song «Your Green Eyes» einen Sommerhit landen. Die Bilanz.

Der Clip zum Song vom Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Video-Fachmann.
Video: Jan Derrer

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Zweifel: Also, wieso sind wir nicht in der Hitparade?
Schöpfer: Der Song war zu wenig Trash. Fast schon cool.
Zweifel: Nicht einverstanden. Mit Trash wären wir gar nicht erst ernst genommen worden.
Schöpfer: Viele Leute waren überrascht und fanden den Song «gar nicht so schlecht», waren unsicher, ob er nun ironisch gemeint ist oder nicht.
Sarasin: Ja, das ist zwar ein Kompliment, aber wohl auch ein Problem: Mir gefällt er auch fast zu gut.
Zweifel: Wir waren nicht konsequent mies?
Sarasin: Wahrscheinlich. Oder nicht konsequent gut. Mit der Stimme habe ich ein bisschen Mühe.
Zweifel: Zu tief meinst du?
Sarasin: Ja, cool gesungen, doch eine Falsett- oder Frauenstimme hätte besser zum Disco-Groove gepasst. Aber wir hatten halt kein Geld für eine Gastsängerin.
Zweifel: Vielleicht lags ja gar nicht am Song.
Sarasin: Sondern?
Zweifel: Am fehlenden Fürsprecher bei einem Label oder den Radios.
Schöpfer: Naja. Den hatte Lou Bega auch nicht.
Zweifel: Was ich sagen will: Die Radios und auch die Leute sahen in erster Linie die lustige Idee – singende Journis. Der eigentliche Song ging darob vergessen.
Schöpfer: Vielleicht die Angst vor dem trojanischen Song.
Sarasin: Was?
Schöpfer: Dass wir ihnen was Peinliches unterjubeln. Ein übles, für jeden Musikkenner offensichtliches Plagiat. Oder eine diabolische Grussbotschaft an Nik Hartmann, wenn man das Ding rückwärts abspielt. So was.
Sarasin: Immerhin – auf der Tanzfläche kam er an. Ich habe ihn aufgelegt.
Zweifel: Ich auch, der Song funktioniert.
Schöpfer: Bei mir hat sich sogar eine verschollene Kollegin aus der Primarschule gemeldet. Das ist mir bei einem Artikel noch nie passiert.
Sarasin: Wir werden von den Meinungsmachern verkannt!
Zweifel: Noch schlimmer: totgeschwiegen.
Schöpfer: Erinnert mich an Lou Bega und seine 9/11-Verschwörungstheorie.

(Stille)

Zweifel: Habt ihr eigentlich ernsthaft gedacht, unser Song könnte ein Hit werden?
Sarasin: Nein.
Schöpfer: Nein. Du?
Zweifel: Nun, als ich den Song zum ersten Mal hörte ... ja.
Sarasin: Verdammt ja, eigentlich ist er gut.
Schöpfer: Vielleicht gibts ja eine Spätentdeckung, vielleicht ist «Your Green Eyes» ein Spätzünder. Plötzlich fliegen uns Tantiemen aus einem exotischen Land zu. Wie bei Sugar Man.
Sarasin: Müssten wir uns nicht noch zerstreiten, wie es sich für eine Popband gehört?
Zweifel: Machen wir alles nächstes Jahr. Das gilt auch für einen neuen Song ...

Die gesammelten Beiträge zur Serie, von Lou Bega bis zu Kurt Schwitters, finden Sie hier. Wie der Song in den Medien aufgenommen wurde, sehen Sie in der Spalte links. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.08.2013, 09:52 Uhr

Gin and Tonic: Die Redaktoren Philippe Zweifel, Linus Schöpfer und David Sarasin. (Bild: PD)

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Gin and Tonic bei FM1

Gin and Tonic bei Radio Energy

«Your Green Eyes» kann auf iTunes heruntergeladen werden.

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