Wozu man eine Gurke sonst noch gebrauchen kann

Das Vegetable Orchestra bietet eine Show der besonderen Art. Heute und morgen Abend treten die Wiener Musiker in Zürich auf.

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Man soll mit dem Essen nicht spielen. Was Kinder schon sehr früh lernen, dem widersetzt sich das Vegetable Orchestra: Die zwölf Ensemblemitglieder pfeifen auf der Gurke oder schlagen den Kürbis. Aber sie machen das sehr liebevoll und äusserst rhythmisch. Zuvor haben sie nämlich in einem diffizilen Herstellungsprozess aus Rüebli Flöten geschaffen, aus Sellerie Geigen und aus Lauch Fanfaren. Bei Konzerten kommen jeweils auch ein Gurkophon und eine Zwiebelschalmei zum Einsatz.

Verwelkende Instrumente

«Am Anfang war das Lauschen», sagt der 37-jährige Nikolaus Gansterer, der von Anbeginn an Gemüsiker beim Vegetable Orchestra ist. 1998 war es, als sich der ausgebildete Bildhauer mit elf weiteren Künstlern aus den Bereichen Musik, Architektur, Design und Literatur in Wien für das Experiment traf. Vom Gründungsort geprägt nennen sich die Österreicher denn auch «Das erste Wiener Gemüseorchester».

Durch den interdisziplinären Hintergrund der einzelnen Ensemblemitglieder haben sie sich das Spezialwissen um die Gemüsemusik gemeinsam erarbeitet. Mittlerweile hat das Vegetable Orchestra schon drei CDs eingespielt. Mit dem neusten Werk «Onionoise» sind sie zurzeit auf Tour und machen heute und morgen in Zürich halt. Das Repertoire umfasst Eigenkompositionen, doch das Orchester schreckt auch nicht vor der Interpretation von Stücken der deutschen Elektronikpioniere Kraftwerk oder des russischen Komponisten Igor Strawinsky zurück.

Die Karotten- oder Rettichflöten übernehmen meist die Melodielinien. Für andere, feinere Instrumente ist die Tontechnik mit sensiblen Mikrofonen gefordert. «Unsere Saiteninstrumente aus Selleriefasern oder Knoblauchgras sind beispielsweise sehr fragil», sagt Nikolaus Gansterer. Die Petersiliengeige wiederum reagiere sehr stark auf sich verändernde Temperaturen. «Es kann schon vorkommen, dass während eines Konzerts ein Instrument zerfällt oder stumm bleibt – da muss man dann improvisieren oder ein zweites Ersatzexemplar parat haben.»

Der Blumenkohl als Herausforderung

Jeder der Gemüsiker des Vegetable Orchestras ist Multiinstrumentalist und spielt 10 bis 20 verschiedene Geräte. «Ich persönlich spiele gerne Lauchfanfaren, Karottentröte und Zwiebelschalmei», sagt Gansterer. Die Instrumente werden vor jedem Auftritt neu geschnitzt und gebohrt. Dadurch ist jedes Konzert absolut einmalig, denn kein Instrument klingt gleich. «Das hält einen selbst auch frisch.»

Natürlich haben die Gemüsiker im Laufe der Jahre einige Erfahrungen gesammelt. «Vieles, was zu schnell gewachsen ist – zum Beispiel holländisches Zuchtgemüse –, schmeckt trotz enormer Grösse langweilig und klingt daher auch nicht gut», sagt Gansterer. Wie das Gemüse schmeckt, ist nicht unerheblich, denn aus den Resten, die beim Herstellungsprozess der Instrumente angefallen sind, wird eine Suppe gekocht, die nach der Performance dem Publikum gereicht wird.

Seit diesem Jahr hat das Vegetable Orchestra eine fruchtbare Kooperation mit dem Lehr- und Forschungszentrum für Gartenbau in Wien begonnen. Gansterer: «Wir experimentieren in Feldversuchen mit alten und seltenen Gemüsesorten, um so auf neue organische Materien zu kommen, die wiederum den Klangkörper beeinflussen.» Denn das Experiment des Vegetable Orchestras geht weiter. Ständig sind die Künstler am weitertüfteln. «Irgendwann werden wir dem Blumenkohl auch noch sein ganz eigenes Klangrepertoire entlocken», sagt Gansterer zuversichtlich.

Erstellt: 22.08.2011, 11:41 Uhr

Vegetable Orchestra

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Das Vegetable Orchestra tritt am 22. und 23. August 2011 jeweils um 21 Uhr auf der Seebühne bei der Zürcher Landiwiese auf.

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