«Wurzel 5 ist eine Beziehungsgeschichte»

Nach über zwölf Jahren und vier Alben geben Wurzel 5 am Samstag ihr Abschlusskonzert. Rap sei nicht ihr Leben, sagen der Rapper Serej (34) und der Produzent Link (35) von der Berner Hip-Hop-Combo.

Das Kapitel der Berner Band Wurzel 5 ist definitiv zu Ende: Rapper Tiersch, Diens und Sergej, Manager Baldy Minder, Produzent Link (v. l. n. r.).

Das Kapitel der Berner Band Wurzel 5 ist definitiv zu Ende: Rapper Tiersch, Diens und Sergej, Manager Baldy Minder, Produzent Link (v. l. n. r.).

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Serej, Ihr Rapkollege Greis sagt, er könne sich nicht vorstellen, dass sich Wurzel 5 mit dem Konzert im Kursaal definitiv aus dem Geschäft zurückziehen.
Serej: Da liegt er falsch. Wir entschieden bereits 2009, dass wir mit dem Album «Letschti Rundi» abschliessen, und gingen letztes Jahr auf Abschiedstournee.

«I hätt nomau aus so gmacht», rappen Sie im Stück «Vermiss di Zyt». Würden Sie die Musikkarriere nochmals genau so angehen?
Serej: Im Grossen und Ganzen, ja. Ich habe viele Fehler gemacht, habe aber daraus gelernt. Im Lied geht es jedoch eher um die Jugendzeit als um Musik. Wir haben uns in der Schule kennengelernt, so ist Wurzel 5 entstanden.
Link: Deshalb ist die Frage schwierig zu beantworten. Es war eine ganz andere Zeit, als wir mit dem Rap anfingen.

Wie hat sich die Schweizer Mundartrap-Szene in den letzten zwölf Jahren verändert?
Serej: Mit Youtube, Myspace und Ähnlichem kann heute anscheinend jeder bekannt werden. Möglichst schnell viel Erfolg zu haben, war nie unser Ding, wir wollten authentisch bleiben.
Link: Das hört unser Label jetzt wahrscheinlich nicht gern, aber auf Hochdeutsch zu rappen, nur um ausserhalb der Schweiz mehr CDs zu verkaufen, wäre uns nie in den Sinn gekommen.

Hand aufs Herz, konnten Sie diesem Credo, sich selbst treu zu bleiben, wirklich immer folgen?
Serej: Einerseits haben wir immer alles selbst entschieden. Aber als es Ende der 90er-Jahre gerade sehr gut lief, haben wir uns vom roten Teppich blenden lassen. Was dazu führte, dass wir Hals über Kopf ein Studio verliessen, weil das Label uns Vorschriften zu unserer Musik machte.
Link: Danach beanspruchten wir immer das letzte Wort für uns – was sicher auch manchmal hinderlich war.

Die Jugendlichen, die in den 90er-Jahren Ihre Konzerte besuchten, sind erwachsen geworden, wie Sie.
Link: Das ist so eine Sache mit dem Erwachsenwerden. Wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen für sich und andere Menschen, die einem nahe stehen, dann sind wir mittlerweile erwachsener.
Serej: Stimmt, wir haben alle 100-Prozent-Jobs beziehungsweise Link absolviert eine Zweitausbildung. Im Kopf bin ich ein wenig Kind geblieben.

Sind Ihre Songtexte für die junge Generation von heute überhaupt noch aktuell?
Serej: Absolut, finde ich. Wir rappen seit jeher über den gleichen Scheiss. Der Inhalt unserer Lieder lautet grosso modo: Ich öffne die Haustür, gehe mit den Jungs raus und trete ins Fettnäpfchen.
Link: Das ist ein interessanter Punkt, denn wir wagen uns schon ein wenig aufs Glatteis mit unserem neuen Remix-Album (siehe unten). Manche Lieder sind mehr als zehn Jahre alt.

Nun beenden Sie das letzte Kapitel von Wurzel 5. Auf Facebook schreiben Fans: «Schade, Giele».
Serej: Hört sich nostalgisch an. Doch wenn mich Leute darauf ansprechen, erkläre ich ihnen, warum wir aufhören. Wir sind 15 Jahre lang aufeinander gehockt, fast tagtäglich. Jedes Wochenende hiess es: an den nächsten Gig fahren, wenig schlafen, oft floss Alkohol. In den letzten Jahren hat die Beziehung zwischen den Bandmitgliedern unter dem Karrieredruck gelitten. Hip-Hop ist nicht unser Leben, auch wenn viele Rapper da anders denken.
Link: Jetzt haben wir wieder viel mehr Zeit, uns als Freunde zu treffen und nicht nur, um über den nächsten Auftritt zu diskutieren. Wurzel 5 ist eigentlich eine Beziehungsgeschichte. Wir sind Jugendfreunde, keine zusammengewürfelte Clique.

Was stellen Sie mit Ihrer freien Zeit an?
Serej: Mein Bruder Diens hat sein Bandprojekt «Tequila Boys», Link wird weiterhin Beats produzieren, Tiersch und ich haben ebenfalls Jobs. Ich habe ausserdem viel zu tun im Garten, unternehme gerne etwas mit meiner Freundin. Ich spiele wieder mehr Klavier und probiere neue Lieder aus. Ob einmal ein Album daraus wird, weiss ich noch nicht.
Link: Ich freue mich aufs Tauchen im Neuenburgersee. (Zu Serej) Hab ich dir schon erzählt, dass ich meine Gitarre hervorgeholt habe und wieder am Spielen bin? (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.08.2011, 08:34 Uhr

Letzte CD und Abschiedskonzert

Remix-Album von Wurzel 5 erscheint morgen (Musikvertrieb/chlyklassRecords). Abschiedskonzert: Sa, 13.8., Kursaal Bern, www.startickets.ch.

Artikel zum Thema

Hip-Hop-Geschichte in vier Minuten a cappella

Der französische Künstler Eklips erzählt nur mit seiner Stimme und Geräuschen die Geschichte des Musikgenres Hip-Hop. Mehr...

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Blogs

Michèle & Friends Drogen konsumieren für Fortgeschrittene

Sweet Home Kleine Feste auf die Schnelle

Die Welt in Bildern

Explosive Abrüstung: An der Grenze zwischen Süd- und Nordkorea werden die Bewachungsposten abgebaut. (15. November 2018)
(Bild: Jung Yeon-je/Getty Images) Mehr...