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A$AP Rocky beschäftigen wieder andere Dinge als das Gefängnis

Sein Fall ging um die Welt. Nun trat der US-Rapper A$AP Rocky im Bieler Hinterland auf.

Wieder auf der Bühne: A$AP Rocky in Orpund. Foto: Noah Raaflaub
Wieder auf der Bühne: A$AP Rocky in Orpund. Foto: Noah Raaflaub

Jetzt ist er also da, auf der Hauptbühne des Royal Arena Festivals in Orpund: der amerikanische Rapper A$AP Rocky, der hier, am Hip-Hop-Festival in der Nähe von Biel, sein erstes Schweizer Konzert gibt, seit er Anfang ­August aus vierwöchiger Untersuchungshaft in Schweden freikam.

Grund für die Festnahme war eine Strassenschlägerei in Stockholm Ende Juni, bei der Rakim Mayers, wie A$AP Rocky richtig heisst, zusammen mit zwei Bekannten einen jungen Mann verprügelt hat. Um die Welt ging der Fall, weil Donald Trump und andere Berühmtheiten wie Kanye West die Freilassung des Rappers forderten.

Wie ein Aufständischer sprintet er nun in der Nacht auf ­Sonntag mit gereckten Armen und einer Art Sturmmütze zu explodierenden Subwoofer-Bässen an die Rampe, was vor dem Hintergrund, dass er in der vergangenen Woche wegen Körperverletzung schuldig gesprochen wurde und mit einer Bewährungsstrafe davonkam, doch recht aufwieglerisch wirkt.

Ein Sprechchor im Publikum skandiert «Fuck Sweden»

Von persönlicher Läuterung jedenfalls kann keine Rede sein; aber grosse Worte über seinen Gefängnisaufenthalt verliert A$AP Rocky, der sich bislang kaum politisch hervorgetan hat, in dieser Nacht ohnehin nicht. Nur im Publikum bildet sich ein Sprechchor, der ein paarmal «Fuck Sweden» skandiert.

Welche Botschaft hat er? A$AP Rocky am Royal Arena Festival. Foto: Nando Aerni
Welche Botschaft hat er? A$AP Rocky am Royal Arena Festival. Foto: Nando Aerni

Nein, diesen A$AP Rocky beschäftigen mittlerweile wieder andere Dinge, beispielsweise sein Image als gefeierter Rapper. Und so nimmt sich der 30-Jährige aus Harlem nicht zu wenig Zeit, von den «Ladys» Büsten­halter einzufordern, die er dann lächerlich stolz mit sich herumträgt, oder die Zuschauer, diese «Motherfuckers», wiederholt und zunehmend verstimmt zur Moshpit-Bildung oder zum Crowdsurfing anzustacheln.

Aber mitmachen mag niemand recht, und das liegt sicher auch an A$AP Rockys bizarrer Show. Über die inflationär eingesetzten Feuer-, Konfetti- und Trockeneisfontänen mag man sich vielleicht noch erfreuen, ebenso über das trockenhumorige Erklärfilmchen, das dem trägen Schweizer Publikum das Tanzen im Moshpit näherbringt. Bedauernswert hingegen ist die Konsequenz, mit der A$AP Rocky seine so kunstfertig arrangierten Tracks mit ohrenbetäubenden Tieftoneruptionen verätzt.

Nur in diesen Track konnte man eintauchen: «LSD».

Und nicht nur das: Er bewegt sich so hastig durch sein Set, als würde man sich ungeduldig durch eine Youtube-Playlist klicken. Manche Songs bricht er sogar in der Hälfte ab, und einmal erklingt befremdlicherweise Nirvanas «Smells Like Teen Spirit» ab Konserve (der DJ agiert anscheinend aus dem Off, jedenfalls bleibt er während der ganzen Show unsichtbar). Aber ausser bei «LSD», einem sanft schwebenden Drogenlied, in dem die Bässe friedlich schmelzen, taucht man nie richtig in diese Musik ein.

Verständlich also, dass der «fucking moshpit», den sich A$AP Rocky so sehnlich herbeiwünscht, erst gegen Ende ein wenig Form annimmt. Vielleicht auch deshalb, weil unklar ist, zu welcher Botschaft man eigentlich tanzen soll. Und so verfestigt sich die Vermutung, man wohne hier trotz eines angriffslustigen Protagonisten einer relativ inhaltsleeren Darbietung bei. Müdigkeit macht sich breit. Aber nicht wegen der fortgeschrittenen Uhrzeit.

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