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Auf dem Land ist er der Grösste

Der Basler House-Unternehmer DJ Antoine war schon immer genauso Geschäftsmann wie DJ. Neuerdings auch am Fernsehen.

MeinungMichèle Binswanger
Die hiesige Techno-Szene wird ihn nie als einen der ihren akzeptieren: DJ Antoine. Foto: PD
Die hiesige Techno-Szene wird ihn nie als einen der ihren akzeptieren: DJ Antoine. Foto: PD

Selbstbewusstsein war noch nie das Problem von Antoine Konrad aus Sissach. Folgerichtig gehört der Mann mit dem zartschmelzenden Blick und der extravaganten Garderobe heute zu den international bekanntesten Basler Export-Produkten. Seine Hits pumpen durch die Clubs und Discos dieser Welt und bringen die schmalen Hüften von Socialites wie Paris Hilton und Konsorten in Bewegung. Bald wird der 44-Jährige in der zweiten Staffel der Sendung «Die Höhle der Löwen Schweiz» auf TV24 als Juror wirken. Er ersetzt den erkrankten Jürg Marquard.

Umschwärmt von Model-Gazellen

Die Sendung, in der Investoren um Start-up-Projekte buhlen, passt zu Antoine. Denn er war immer schon mindestens so sehr Unternehmer wie DJ. Schon in seinen zarten Jahren als Punk, Skater und dann Sprayer fiel er durch einen untrüglichen Sinn fürs Geschäftliche auf. Zunächst eher der Hip-Hopper als Technohead, liess er sich für seine Graffiti bezahlen, so erzählt man sich in Basel. Bald legte er in den damals angesagten Basler Techno-Clubs «Bimbo Town», «Bell» und der alten Stückfärberei auf. Damals mixten viele genauso talentiert wie Antoine, aber niemand verkaufte sich so gut wie er. Oder hatte den Ehrgeiz, mehr aus seinem Hobby zu machen.

Gezielt arbeitete er sich hoch und gründete seinen ersten Club, «House-Café» genannt. Wer besonders cool und sexy anrauschte, von dem erbat er die Adresse, um ihn oder sie an die nächste seiner Sausen zu ordern. Mit dieser Taktik baute sich Antoine schnell ein Hochglanz-Image auf und begann ab Mitte der Neunzigerjahre seine eigene Musik zu produzieren. Er baute sich einen eigenen Vertrieb auf und gründete 1998 mit «Houseworks» sein eigenes Label, dessen Geschäftsführung er übernahm, samt Booking, Läden, Import. Als sich die Techno-Szene in den Nullerjahren definitiv nach Zürich verschob, entschwebte auch der DJ der Basler Alternativ-Tristesse.

In der Presse zeigte er sich am liebsten umschwärmt von schlanken Model-Gazellen. Und auf der jährlichen Vernissage der Kunstmesse Art Basel setzte er alles daran, mit seinem Look auch die abgedrehtesten Fashion-Victims wie graue Mäuse aussehen zu lassen.

Auf dem Land der Grösste

Sein konsequentes Marketing brachte ihm in den Nuller- und Zehnerjahren stetig weitere Erfolge. Seine Single «Welcome to Saint-Tropez» düdelte einen Sommer lang durch die einschlägigen Clubs, parallel dazu vermarktete er aus seinem Büro in Sissach von Champagner bis Raumduft so ziemlich alles, was Gewinn versprach. Im Jahr 2018 wurde er auserkoren, den Schweizer WM-Song zu liefern. Er veröffentlichte «Olé Olé» – was ihm prompt den Vorwurf einbrachte, Sexismus und Alkohol zu glorifizieren. Ein lustiger Vorwurf, wenn man bedenkt, dass Booze und Sex immer schon der eigentliche Treibstoff der Club-Szene war. Seinen Verkaufszahlen konnte das allerdings nichts anhaben – auch wenn sich sein Erfolg in der Schweiz aufs Land beschränkt, wie der Zürcher Szene-Kenner Alex Flach sagt: «Antoine verdient sein Geld an grossen einmaligen Events oder den sogenannten A-1-Autobahn-Clubs. Will man seinen Laden in der Stadt leeren, bucht man DJ Antoine.»

Seit Januar 2020 ist Antoine als Coach bei der Sendung «The Voice of Switzerland» auf 3+ zu sehen – und bald auch in der «Höhle der Löwen Schweiz». Auch wenn ihn die hiesige Techno-Szene nie als einen der ihren akzeptierten wird: Wenigstens muss sich der Basler Golden-Boy um sein Auskommen keine Sorgen machen.

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