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«Bellevue» geht über alle Vorurteile hinaus

Kein anderer Schweizer Künstler zieht seine Undefinierbarkeit so konsequent durch wie Michael von der Heide. Sein zehntes Album ist ein buntes Potpourri.

Moment – Schlager, Pop à la Helene Fischer, schnulzige Sätze wie «Blau scheint der Mond durch die Fenster», Disco-Beats, die selbst die Stadlshow noch durchwinken dürfte? Ist da nicht eben ein rund 40-minütiges Musikbouquet runtergegangen wie Butter, von dem man noch beim ersten Takt hätte wetten können, es ziele an den eigenen Vorlieben vorbei?

Michael von der Heide lacht. Dass sein neuer Song «Mit dir würde ich es immer wieder tun» nach Helene Fischer klingt, hat ihm erst kürzlich auch schon eine Freundin gesagt. «Natürlich kann ich das als Kompliment empfinden», sagt der 43-Jährige im Gespräch mit der sda. Helene Fischer verfüge, im Gegensatz zu vielen Nachahmerinnen, über tänzerisches Talent, gutes Aussehen und eine grossartige Stimme. Und: «Sie liebt was sie tut» – genau wie er.

Doch eigentlich ist es ja gerade umgekehrt, und Helene Fischer klingt wie Michael von der Heide, der «mit Schlager aufgewachsen» und dessen «erste Liebe» Paola Felix war. Der wie viele andere avantgardistische Künstler schon vor vielen Jahren den Schlager mit Pop angereichert, die leichtfüssigen Tanzmelodien mit elektronischen Finessen versehen hat.

Narrenfreiheit von Anfang an

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Mit «Bellevue» erscheint am 4. September nicht etwa ein Schlageralbum. Von der Heide, der zuletzt vor allem in Theaterproduktionen zu sehen war, präsentiert sich einmal mehr in all seiner Vielseitigkeit, erstreckt sich stilmässig von Pop über Country, Jazz, Folk bis hin zum französischen Chanson. Er liebt Genres, die es ihm ermöglichen, Geschichten zu erzählen.

Weil er so vielerorts zu Hause ist, betitelt er sich schon länger bloss noch als «Sänger». Ihn in eine der berühmten Schubladen zu packen, ist wahrlich unmöglich. «Schon mein erstes Album war relativ breit gefächert», erinnert sich der Zürcher Musiker rund 20 Jahre zurück. «Die Leute wussten damals nicht so recht, was sie damit anfangen sollten.»

Heute, so ist er sich sicher, könnte er mit dieser Undefinierbarkeit keine Karriere mehr starten. Doch damals hiess es nur: «Söll er halt mache». Und sein Stilmix hatte Erfolg. Vermutlich weil ein Mann dahinter steht, der seine Musik nicht nur vorträgt, sondern verkörpert. Songs und Künstler sind im Fall von Michael von der Heide geradezu untrennbar.

Glückliche Momentaufnahme

Mindestens ebenso so lange wie seine musikalische Laufbahn andauert, ist Michael von der Heide mit Sina befreundet. Die Walliser Sängerin («Tiger & Reh»), mit der er in der Vergangenheit schon oft zusammenspannte, ist auf «Bellevue» im Duett «Rien que des amis» zu hören. Der Titel ist der heimliche Hit des Albums.

Als Single ausgekoppelt hat der Sänger allerdings «Pas vu le temps passer». Eine launige Dance-Nummer, die die unverkennbare Handschrift des Produzenten Maury Pozzi (DJ Antoine/Remady) trägt.

Das grosse Thema von «Bellevue» ist jedoch die Liebe. «Wie weit», aus dem die Zeile «Blau scheint der Mond durch die Fenster» stammt, ist ein Tanz um die Ungewissheit, die eine junge Beziehung mit sich bringt. In der Country-Ballade «Süchtig» besingt von der Heide, wie man vor lauter Liebe alles um sich herum vergisst.

In «Weisse Haie» verwandelt er die Emotionen in ein Musical. «Das Album ist eine Momentaufnahme. So steht es tatsächlich um mich», so von der Heide.

sda/ama

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