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Bilder von der dunklen Seite

Von Leni-Riefenstahl-Bildern bis zum Hardcore-Porno: Rammstein provozieren nicht nur mit ihrer Musik, sondern auch mit den Videos dazu. Nun erscheinen sie in einer De-Luxe-Sammlung.

Bilder von Hitlers Lieblingsregisseurin Leni Riefenstahl und an Nazi-Hellenismus erinnernder Körperkult: Schon mit ihrem ersten Video zum Depeche-Mode-Cover «Stripped» lösten Rammstein einen Skandal aus. Seither provozieren sie immer wieder mit ihren Videos; zum Beispiel wird die volle Version des Clips zum Song «Pussy» nur auf Pornoseiten gezeigt.

Nicht, dass die Band sonst nicht provozierte. Mit ihren Texten über alle möglichen dunklen Seiten des Menschen von Nekrophilie und Missbrauch bis zu Kannibalismus stossen sie vor den Kopf, ihr industrieller «Tanzmetall» wird von vielen als stumpf und bedrohlich wahrgenommen, und mehr als einmal wurde ihnen rechtsradikales Gedankengut unterstellt. Ihr Auftreten ist ein Gesamtpaket: Musik und Texte werden unterstützt von Live-Shows, Gehabe der Mitglieder – und den Videos.

Selbstinszenierungen

Darin spielen die Bandmitglieder immer mit, sie inszenieren sich selbst in verschiedensten Posen und Rollen: Als nackte Sportler, gemischt mit Leni Riefenstahls Aufnahmen von den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin («Stripped»); als Bergmänner, die Schneewittchen betrauern («Sonne»); als Pornohengste, die ihre Partnerinnen vollspritzen, wobei sie bei den heiklen Stellen ein Körperdouble hatten («Pussy»); als Bergsteiger auf dem Weg zum Gipfel («Ohne Dich»). Für die neue Piano-Version von «Mein Herz brennt» steht Sänger Till Lindemann alleine vor der Kamera und gibt den traurigen Clown.

Kommen sie im Text manchmal nahe an eine (Selbst-)Parodie, überschreiten sie diese in den Videos oft und haben keine Scheu, als abnormale und groteske Figuren aufzutreten. Sie nehmen im Video Text und Musik auf und spielen damit, auf einer teils sehr metaphorischen Ebene. Das Beispiel «Pussy», bei dem ein Lied über Sex ganz profan mit Sex illustriert wird, zeigt aber, dass dem nicht immer so ist. Das war vor allem wegen des Tabubruchs interessant – was die Band auch zugab.

Die Videos sind stets professionell gemacht, mit grossem Budget, aufwendigen Kostümen und Effekten und dazwischengeschnittenen Bildern von Live-Shows. Es wird mit ausdrucksstarken Bildern eine Geschichte erzählt, von einem missglückten Bankraub, von einer Reise, von einer verlorenen Liebe, meist nicht weniger drastisch als im Text. «Pussy» war nicht das einzige Video, das nicht im normalen Musikfernsehen gezeigt werden durfte.

Der schlechte Ruf

Doch was wollen sie damit erreichen? Vor einem Jahr wurden Sänger Till Lindemann und Keyboarder Flake Lorenz vom «Rolling Stone» gefragt, ob das Video zu «Stripped» schuld sei am schlechten Ruf der Band, doch sie meinten, das habe «dem Ganzen höchstens noch das Krönchen aufgesetzt». Sicher ist: Sie wollen keine Anerkennung, sondern provozieren und mehr, wie Schlagzeuger Christoph Schneider im Interview mit «20 Minuten» sagt: «Bei Rammstein steckt immer etwas Böses dahinter.» So auch bei den Videos.

Nun ist mit «Videos 1995-2012» eine Sammlung aller Videoclips herausgekommen, zu jedem Teil ist ein Making-of beigefügt. Obwohl die meisten Lieder letztes Jahr auf der Best-of-CD «Made In Germany» drauf waren, und es vor 10 Jahren bereits eine Video-Sammlung namens «Lichtspielhaus» gab, lohnt sich doch der Überblick über die ästhetische Komponente des gesamten Schaffens der Band.

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